Anschlag auf BVB-Bus: Gericht erwägt Umzug

Prozess-Planungen laufen

Nicht nur beim Terrorprozess gegen Iwan K., der im August beginnt, wird das Dortmunder Landgericht im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen. Im Spätsommer wird auch mit der Anklage gegen den mutmaßlichen BVB-Bomber Sergej W. gerechnet. Dabei gibt es ein Problem.

DORTMUND

20.07.2017, 02:37 Uhr / Lesedauer: 2 min
Anschlag auf BVB-Bus: Gericht erwägt Umzug

Der Anschlag auf den BVB-Bus ereignete sich am 11. April in unmittelbarer Nähe des Mannschaftshotels.

Sergej W. wird zur Last gelegt, am Abend des 11. April mit drei Sprengsätzen ein Attentat auf den BVB-Mannschaftsbus verübt zu haben. Der war auf dem Weg zum Champions-League-Spiel gegen den AS Monaco, als es in der Nähe des Mannschaftshotels L‘Arrivée in Höchsten zu dem Attentat kam. Durch die Explosionen wurden Marc Bartra und ein Polizist verletzt.

Offiziell halten sich alle Beteiligten noch bedeckt, wenn es um den Prozess geht. Die Staatsanwaltschaft will „keine Wasserstandsmeldungen“ dazu abgeben, wann die Anklageschrift fertig und ans Landgericht zugestellt sein könnte. Und dort sagt Sprecher Thomas Jungkamp: „Wir können konkrete Planungen erst dann bekannt geben, wenn wir zuständig sind.“

Erste Überlegungen haben begonnen

Intern haben aber natürlich schon Vorüberlegungen stattgefunden, „wie ein solches Verfahren organisatorisch abgehandelt werden könnte“, sagt Jungkamp. Denn wie bei dem ab dem 16. August anstehenden Islamistenprozess steht das Gericht auch im Fall Sergej W. vor gewaltigen Herausforderungen. Bislang hat den Gerichtssprecher zwar noch keine Anfrage ausländischer Medien erreicht. „Ich gehe aber sicher davon aus, dass diese kommen werden“, sagt Jungkamp.

Spätestens, wenn die Anklage erhoben und die zuständige Strafkammer das Verfahren eröffnet hat, werden vor allem zwei Fragen im Raum stehen: Wie lässt sich dieses Verfahren am sichersten durchführen? Und: Wie kann das Interesse der Öffentlichkeit am besten berücksichtigt werden?

Ob ein Umzug in einen größeren Raum auch für den Dortmunder Prozess gegen den mutmaßlichen BVB-Bomber eine Option ist, will Thomas Jungkamp zum jetzigen Zeitpunkt nicht kommentieren. Nach Anklageerhebung werde zu gegebener Zeit eine Entscheidung bekannt gegeben, sagt er.

Angeklagter sitzt in U-Haft

Fakt ist: Im größten Saal 130 des Dortmunder Landgerichts stehen nur etwa 100 Plätze für die Öffentlichkeit zur Verfügung. Rechtlich sind vermeintlich zu wenige Sitzplätze für Presse und Zuschauer allerdings nicht angreifbar. Der Gerichtssprecher verweist darauf, dass eine Kammer nur in absoluten Ausnahmefällen für ein Verfahren aus dem Gerichtsgebäude auszieht.

Bei Sergej W. ist das anders. Er wurde am 21. April in der Nähe seines Wohnortes bei Tübingen festgenommen. Ab diesem Stichtag läuft eine Sechsmonatsfrist, innerhalb derer das Strafverfahren gegen einen inhaftierten Verdächtigen beginnen muss. In Ausnahmefällen kann das Oberlandesgericht diese Frist verlängern. Tut es das nicht, müsste die Verhandlung spätestens am 20. Oktober beginnen – oder Sergej W. dürfte auf seine Freilassung bestehen.

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