Antisemitismus-Vorwurf: Stadt Dortmund überprüft eigene Entscheidung zum Nelly-Sachs-Preis

mlzLiteratur-Auszeichnung

Erst Dienstag hatte die Stadt Dortmund erklärt, dass Autorin Kamila Shamsie den Nelly-Sachs-Preis erhalten soll. Nun steht die Entscheidung auf der Kippe. Auch das Land NRW schaltet sich ein.

Dortmund

, 11.09.2019, 18:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach Antisemitismus-Vorwürfen gegen die Autorin Kamila Shamsie, die sich für einen Boykott Israels ausspricht, überdenkt die Stadt Dortmund die geplante Preisvergabe an sie. Das teilte die Stadt am Mittwoch mit.

Erst am Tag zuvor hatte die Jury bekannt gegeben, dass die pakistanisch-britische Schriftstellerin im Dezember mit dem Nelly-Sachs-Preis der Stadt Dortmund ausgezeichnet werden soll. Daraufhin hatte das Blog „Ruhrbarone“ auf Shamsies antiisraelische Haltung hingewiesen.

So hatte sie sich in der Vergangenheit für die BDS-Bewegung („Boycott, Divestment and Sanctions“) stark gemacht, die von vielen, unter anderem vom NRW-Landtag, als „klar antisemitisch“ verurteilt wird.

Leutheusser-Schnarrenberger erhebt Vorwürfe gegen Stadt Dortmund

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, seit November 2018 Antisemitismusbeauftragte des Landes NRW, reagierte am Mittwoch in einer exklusiven Stellungnahme gegenüber unserer Redaktion so:

„Mit großem Befremden habe ich zur Kenntnis genommen, dass der Nelly-Sachs-Preis der Stadt Dortmund an Kamila Shamsie verliehen werden soll.

Frau Shamsies literarische Leistung zu beurteilen maße ich mir nicht an. Doch unterstützt sie den kulturellen Boykott Israels und die BDS-Bewegung. Mit der Vergabe des Preises an Kamila Shamsie verstößt die Stadt Dortmund gegen die eigenen Richtlinien des „Netzwerks zur Bekämpfung von Antisemitismus in Dortmund“ vom 18. Januar 2019.

Ich bitte die Stadt Dortmund eindringlich, diese Entscheidung mit Blick auf die selbst aufgestellten Grundsätze hin zu überdenken und den Preis einem anderen Literaten zu geben, der sich nachweislich für die Völkerverständigung einsetzt. Ansonsten wird die Erklärung des Netzwerks nur ein Lippenbekenntnis bleiben mit Folgen für den Einsatz gegen Antisemitismus in Dortmund.“

Eklat bei der Ruhrtriennale wiederholt sich

Nach Angaben der Stadt habe Shamsie ihre Unterstützung des BDS aktuell bekräftigt. „Eine Verbindung zwischen Kamila Shamsie und der BDS-Bewegung war der Jury bis gestern nicht bekannt“, sagte eine Sprecherin der Stadt am Mittwoch. Die neunköpfige Jury werde in den nächsten Tagen erneut zusammentreten, um ihre Entscheidung zu überdenken.

Der Dortmunder Fall ähnelt dem Streit, den Stefanie Carp, Intendantin der Ruhrtriennale, vor genau einem Jahr ausgelöst hat, als sie die Band „Young Fathers“ zu dem Festival erst aus- und dann wiedereingeladen hatte.

Die schottische Band hatte sich nicht von der umstrittenen israelkritischen Bewegung BDS distanziert und die erneute Einladung abgelehnt.

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