Anwalt: Betrieb kann an diesem Streit zerbrechen

DORTMUND Die Fronten sind verhärtet, eine Einigung ist nicht in Sicht. Im Streit um eine angeblich manipulierte Betriebsratswahl beim Holzener Unternehmen Smitka kam es vor dem Dortmunder Arbeitsgericht gestern zu einem offenen Schlagabtausch. Die Nerven liegen blank.

von Von Jörn Hartwich

, 11.09.2007, 18:56 Uhr / Lesedauer: 1 min
Sollen bei der Betriebsratswahl der Firma Smitka „geschummelt“ haben: (v.l.) Abti Quali und Michael Mückenhoff mit Anwalt Hans-Joachim Teuber.

Sollen bei der Betriebsratswahl der Firma Smitka „geschummelt“ haben: (v.l.) Abti Quali und Michael Mückenhoff mit Anwalt Hans-Joachim Teuber.

Dem Geschäftsführer kommen fast nur noch wütende Anschuldigungen über die Lippen, selbst die Anwälte haben ihre Deckung längst verlassen. Im Gütetermin vor der 3. Kammer gifteten sie sich ungeniert an, bezichtigten sich gegenseitig der Lüge. Der Fall ist allerdings auch ungewöhnlich.

Gleich 23 Mitarbeiter - das sind rund zwei Drittel der Belegschaft - haben das Gericht angerufen, um die gewählten Betriebsräte mit Hilfe der Justiz wieder loszuwerden. Die Mitarbeiter behaupten, die amtierenden Arbeitnehmervertreter hätten die Wahl gefälscht, schließlich könne das Ergebnis vom vergangenen Juli schon rechnerisch nicht stimmen. Ihr Anwalt Christoph Keimer: "Fakt ist, die 23 haben den Betriebsrat nicht gewählt." Zumindest ihre Stimmen müssten deshalb ausgetauscht worden sein.

Die verärgerten Mitarbeiter haben sogar schon Eidesstattliche Versicherungen abgegeben - um ihren Anschuldigungen noch mehr Gewicht zu verleihen. Ob sie das Gericht damit beeindrucken können, ist allerdings unklar. Das Problem ist das Wahlgeheimnis. Die Richterin: "Wenn ich höre, wie die 23 gewählt haben, steht doch auch irgendwann fest, wie die anderen gewählt haben." Und das dürfe nicht sein. Außerdem sei noch nicht gesagt worden, wie der Wahlbetrug abgelaufen sein soll. "Hat einer was gesehen? Ist das technisch überhaupt möglich?"

Das Klima ist schlecht

Die Arbeitnehmervertreter waren gestern die einzigen, die ganz gelassen blieben. Freiwilliger Rückzug? Daran denken sie im Traum nicht. Schließlich fühlen sie sich zu Unrecht beschuldigt. "Ich weiß doch, dass die Leute uns gewählt haben", sagte Betriebsrat Abti Quali mit einem Lächeln.

Fakt ist: Das Klima im Betrieb ist inzwischen so schlecht wie nie zuvor. Rechtsanwalt Christoph Keimer: "Es besteht die Gefahr, dass das Unternehmen an diesem Streit zerbricht." Der Prozess wird im November fortgesetzt (Kammertermin).

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