Anwohner ärgern sich über den H-Bahn-Lärm

Fragen und Antworten

Anwohner aus Barop und Eichlinghofen stemmen sich gegen den Samstagsbetrieb der H-Bahn, die Studierende zum Uni-Campus fährt. Der Protest richtet sich gegen den Lärm, der werktags schon um 5.15 Uhr beginnt. Die H-Bahn-Gesellschaft bleibt gelassen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

DORTMUND

, 22.04.2016, 02:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bis zu 8500 Passagiere transportieren die Kabinen pro Tag. Die H-Bahn ist ein schnelles und umweltfreundliches Nahverkehrs-Angebot. Weil Studierende auch samstags zur Uni müssen, bat die TU Dortmund die H-Bahn-Gesellschaft, den Samstag in den Fahrplan aufzunehmen. Anfang September 2016 beginnt eine drei Monate dauernde Testphase. Hier Fakten zum Betrieb:

Die H-Bahn, was ist das?

Eine 1986 in Betrieb genommene Hänge-Bahn, die automatisch fährt. Die Kabinen hängen an Rollen, die über Schienen laufen. Die Schienen sind umbaut von Stahl - die Anlage bildet einen stählernen Klangkörper, der die Fahrgeräusche verstärkt und an verschiedenen Stellen auch unterschliedlich klingen lässt.

Hält die H-Bahn per Gesetz geregelte Lärmgrenzen nicht ein?

Doch. H-Bahn-Geschäftsführer Rolf Schupp betont, dass die Dezibel-Werte unter den Höchstwerten liegen: "Sonst hätten wir die Betriebsgenehmigung nicht erhalten."

Warum klagen Anwohner dann über Lärm?

Lärm-Empfinden ist subjektiv. Eine 15 Meter von der Trasse entfernt wohnende Anwohnerin klagt darüber, dass sie Morgen für Morgen um 5.15 Uhr von einer Probefahrt zu Betriebsbeginn geweckt werde. "Das hört sich so an, als würde die H-Bahn bei mir durchs Schlafzimmer fahren", sagte sie in der Bezirksvertretung in Hombruch. Anwohner Gerd Bresgott hat Einschlafprobleme. Der Eichlinghofer wohnt direkt an der Trasse.

Anwohner sagen, dass die Kabinen unterschiedlich laut sind. Kann das sein?

Verschleiß kann die Laufgeräusche verändern und die Lautstärke erhöhen. Verschlissene Räder tauschen Monteure aus.

Was unternimmt die H-Bahn-Gesellschaft gegen Lärm?

Ab 19 Uhr fahren die Kabinen laut Rolf Schupp nur noch 30 km/h (statt 50 km/h). Mit 30 km/h fahrende Kabinen sind leiser.

Wie kommt der Lärm zustande?

Die Bewegung der Bahn produziert "Laufgeräusche". Anwohner berichten von einem Rauschen und Klopfen. Ein langgezogener Metallkasten umgibt die Schienen. In dem Hohlraum entsteht Akustik, die auch außen hörbar ist. Nicht nur im Nahbereich direkt unter der Trasse. An der Baroper Straße wohnende Anwohner fühlen sich gestört, obwohl sie 1560 Meter entfernt wohnen.

Die H-Bahn fährt seit 1986. Kann der Betreiber Material austauschen, um den Lärmpegel zu senken?

Das ginge, wäre aber sehr teuer. Die 2003 in Betrieb genommene zweite Trasse, die zum Technologiezentrum führt, besteht aus stärkerem Stahl als das Vorgänger-Modell. Die jüngere Anlage ist deshalb leiser. Dieser kurze Videofilm macht die Betriebsgeräusche hörbar:

Wann fährt die H-Bahn?

Zwischen Montag und Freitag täglich ab 6.27 Uhr bis Mitternacht und 36 mal pro Stunde. 

Warum der Samstag?

Studierende studieren heute anders als vor 30 Jahren. Sie müssen auch samstags zur Uni. Die H-Bahn soll die bewährte Mobilität deshalb auch samstags ermöglichen - zunächst drei Monate auf Probe.

Anwohner fordern ihr Recht auf ruhe ein, vor allem am Wochenende. Was sagt der Betreiber dazu?

Samstags fährt die Bahn nur 8 mal und nicht 36 mal pro Stunde. Das sei schon eine "massive Einschränkung", sagt Rolf Schupp.

Wie möchten Anwohner das Ruhe reinbringen?

In der Bezirksvertretung forderten sie ein neues Lärm-Gutachten. Sie bezweifeln auch den tatsächlichen Bedarf. Bereits jetzt seien viele Leerfahrten zu beobachten. Anwohner Gerd Tillmann will keinen absoluten Betriebsstopp, plädiert aber dafür, "ein richtiges Maß" zu finden. Man müsse über Alternativen nachdenken. Eine Anwohnerin sagte in der Bezirksvertretung, dass die Studierenden die 1,6 Kilometer lange Strecke samstags auch mit dem Rad fahren könnten.

Gab es in der Bezirksvertretung Widerspruch?

Ja. Inge Albrecht-Winterhoff von der SPD befürwortet den Samstags-Betrieb, da der Bedarf vorhanden sei.

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