Anwohner beklagt Rattenplage auf dem Kirchderner Friedhof

mlzFriedhof Kirchderne

Ein vermehrtes Aufkommen von Ratten auf dem Kirchderner Friedhof hat Jonas König (30) beobachtet. Er führt das auf Vogelfutter zurück, das Friedhofsbesucher auf den Boden streuen.

Kirchderne

, 30.12.2019, 17:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jonas König (30) nutzt gerne den mit seinem alten Baumbestand idyllisch gelegenen Kirchderner Friedhof für lange Spaziergänge. Seit etwa einem Jahr jedoch beobachte er etwas, das ihm weniger gefällt: Menschen, die an mehreren Stellen auf dem Friedhofsgelände Vogelfutter auf dem Boden verstreuen.

Er sei auch deshalb auf das Thema gestoßen, weil sein Hund immer mehr kleine Nüsschen und ähnliches finde und sogar schon gezielt danach suche. Er könne sich schlicht nicht vorstellen, so König weiter, dass dieses Futter von Eichhörnchen stamme. Die würden es auch nicht einfach auf dem Boden liegen lassen.

„Gut gemeint, aber nicht gut gemacht“

So viel Verständnis er für den Wunsch der Menschen habe, den Vögeln zu helfen, sie durch den Winter zu bringen, so sehr ziehe dieses Verhalten auch Ungeziefer wie Ratten an. Die Tierliebe sei gut gemeint, aber nicht gut gemacht. Besonders in den Abendstunden habe er in den vergangenen zwei bis drei Monaten beobachtet, wie immer mehr von ihnen über die Wege huschten.

Vogelfutter liegt hier (vor der Fußspitze) auf dem Boden des Kirchderner Friedhofs.

Vogelfutter liegt hier (vor der Fußspitze) auf dem Boden des Kirchderner Friedhofs. © Andreas Schröter

Besonders unangenehm sei das sicherlich für Kinder und auch für Senioren. Jonas König appelliert an die Friedhofsbesucher, künftig kein Futter mehr auf dem Boden zu verstreuen. Lieber sollten sie Meisenknödel aufhängen oder Futter – zum Beispiel in Schalen – an Stellen deponieren, die für Ratten unerreichbar sind. Auch gegen Vogelhäuschen sei rein gar nichts einzuwenden.

Rattengift ausstreuen?

Ob es nun sinnvoll sei, Rattengift auszustreuen, ist aus Sicht von Jonas König fraglich. Zum einen verteilen sich die Ratten auf ein großes Gebiet, zum anderen seien sie schlau genug, das Gift zu verschmähen, wenn sie genügend anderes Futter finden. Es dürfte schwer werden, so seine Einschätzung, die Nager kurzfristig wieder vom Friedhofsgelände zu vertreiben.

Wenn Wasser (wie hier) oder Futter für die Vögel an einer höher gelegenen Stelle bereitgestellt würden, sähe Jonas König kein Problem.

Wenn Wasser (wie hier) oder Futter für die Vögel an einer höher gelegenen Stelle bereitgestellt würden, sähe Jonas König kein Problem. © Andreas Schröter

Ratten sind nicht nur Allesfresser – sie vermehren sich zudem rasant und können bis zu zwölfmal im Jahr jeweils bis zu 20 Junge werfen. Im Schnitt gebären die Weibchen etwa acht bis neun Junge pro Wurf. Wanderratten sind dann nach zwei bis drei, Hausratten nach drei bis fünf Monaten selbst wieder geschlechtsreif.

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Finden sie also ein Umfeld mit einer reichhaltigen Nahrungsquelle, kann sich ein Rattenbefall schnell extrem verschärfen. Alle einschlägigen Ratgeber empfehlen zur Bekämpfung, die Tiere von der weiteren Nahrungszufuhr abzuschneiden.

Evangelischer Kirchenkreis ist zuständig

Für die Pflege des Kirchderner Friedhofs ist neuerdings nicht mehr die evangelische Friedenskirchengemeinde zuständig, sondern der Evangelische Kirchenkreis Dortmund. Pressesprecher Uwe Bitzel sagt: „Wir kennen das Thema und wissen auch, dass eine Person an der Kemminghauser Straße Vogelfutter ausstreut.“

Auf jedem Friedhof gebe es Mäuse, Wildkaninchen, Feldhasen, Maulwürfe und andere Tiere. Auf dem Friedhof Kirchderne sei dies deutlicher ausgeprägt, weil er im Randbereich gelegen und von Feldern umsäumt sei.

Friedhöfe seien nicht nur Bestattungsplätze, sondern auch Grünanlagen und damit ein beliebter Lebensbereich für viele Tiere. Bedingt durch den trockenen Sommer habe die Population der Mäuse und auch Ratten zugenommen. Es gebe allerdings keinen ursächlichen Zusammenhang mit dem Ausstreuen von Vogelfutter.

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