Beschwerden über immer mehr Bettler - Obdachlose schläft auf privater Terrasse

mlzArmut

Nicht nur in der City gibt es aktuell die Beobachtung, dass vermehrt gebettelt wird. Anwohner berichten, dass auch Menschen, die unter freiem Himmel übernachten, dreister werden.

Dortmund

, 07.09.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass die Anzahl der Bettler auf dem Westenhellweg und in den Nebenstraßen zuletzt zugenommen hat, ist kein Geheimnis. Doch nicht nur in der Fußgängerzone bemerken die Anwohner vermehrt Menschen, die - meist mit einem Plastikbecher vor sich auf dem Bürgersteig oder in der Hand - die Passanten um ein paar Cent anschnorren. So auch im Klinikviertel.

„Früher wurde hier nicht gebettelt“

„Früher wurde hier nicht gebettelt“, sagt Esther Lauer, die seit 36 Jahren im Friseursalon Fiedler an der Beurhausstraße arbeitet und seit 27 Jahren schräg gegenüber in der Luisenstraße wohnt. Zwar habe vor Jahren ein Obdachloser regelmäßig auf dem Wärmegitter geschlafen, doch gebettelt habe der ältere Mann nicht. Und spätestens, als das Gitter entfernt wurde, sei auch der Obdachlose verschwunden.

In dem Hof ihres Hauses an der Luisenstraße sitzt Esther Lauer im Sommer häufig mit ihrem an und Freunden an einem Tisch. Auf der anderen Seite der Hecke befindet sich die Büsche neben der U-Bahn-Station Städtische Kliniken, in denen laut Lauer regelmäßig ein Pärchen übernachtet.

In dem Hof ihres Hauses an der Luisenstraße sitzt Esther Lauer im Sommer häufig mit ihrem an und Freunden an einem Tisch. Auf der anderen Seite der Hecke befindet sich die Büsche neben der U-Bahn-Station Städtische Kliniken, in denen laut Lauer regelmäßig ein Pärchen übernachtet. © Michael Schuh

Zuletzt bemerkte die Friseurin aber, dass auch im Klinikviertel immer mehr Bettler unterwegs sind: „Das ging schon vor Corona los, war aber ein schleichender Prozess.“ Inzwischen seien immer wieder neue Leute dazugekommen, die vor der Bäckerei, der Eisdiele oder dem kleinen Supermarkt um die Ecke die Passanten nach Geld fragten.

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„Und dabei handelt es sich nicht mehr um klassische Obdachlose, wie man sie sich vorstellt: ältere Männer mit dichtem Bart. Die Leute, die heute hier schnorren, sind viel jünger“, sagt Lauer, „ich vermute, dass auch Drogenabhängige dabei sind.“

Hab und Gut im Hof abgestellt

Wenngleich die Bettler sicherlich nicht förderlich für das Geschäft der Einzelhändler an der Beurhausstraße sind, sah Lauer vor zwei Wochen schließlich eine Grenze überschritten: „Da hat jemand sein Hab und Gut bei uns im Hof abgestellt.“

In dem Gebüsch direkt neben der U-Bahn-Station schliefen regelmäßig Obdachlose, sagt die Anwohnerin Esther Lauer.

In dem Gebüsch direkt neben der U-Bahn-Station schliefen regelmäßig Obdachlose, sagt die Anwohnerin Esther Lauer. © Michael Schuh

Dabei habe es sich um einen Trolley, eine Tasche und ein Kissen gehandelt. Der Besitzer dieser Dinge übernachte seit geraumer Zeit regelmäßig gemeinsam mit einer Frau im Gebüsch an der U-Bahn-Station Städtische Kliniken, die genau an das Grundstück des Hauses grenzt, in dem sie lebe, erläutert Lauer. Und tatsächlich: Inmitten der Büsche liegen ein Schlafsack, Kissen sowie eine Plastikplane, die offenbar als Unterlage dient.

Fremde Frau schlief auf der Terrasse

Doch damit nicht genug: Eine andere Bewohnerin des Hauses an der Luisenstraße berichtet gar, besagte Frau schon zweimal schlafend auf ihrer Terrasse vorgefunden zu haben; und ein Mann habe erst unlängst vor dem Wohnzimmerfenster gelegen. Außerdem seien ein Fahrrad ebenso wie ein Kasten Bier gestohlen und auch schon in den Hof gepinkelt worden.

Ein Schlafsack und eine Unterlage in den Büschen neben der U-Bahn-Station deuten darauf hin, dass hier Menschen schlafen.

Ein Schlafsack und eine Unterlage in den Büschen neben der U-Bahn-Station deuten darauf hin, dass hier Menschen schlafen. © Michael Schuh

Warum derzeit deutlich mehr Obdachlose im Klinikviertel unterwegs sind als in den Vorjahren - Esther Lauer weiß es nicht. Dass dem aber so ist, bestätigen auch andere Anwohner, so eine Mitarbeiterin der nahen Apotheke sowie Marco Serafini, der im Eiscafé Panciera an der Beurhausstraße arbeitet: „Dieses Jahr ist es auf jeden Fall schlimmer als sonst. Die Bettler sprechen auch unsere Gäste an, die vor der Eisdiele sitzen.“

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Selbst Dr. Filotheos Maroudas, Pfarrer der griechisch-orthodoxen Kirche der Heiligen Apostel zu Dortmund in der Luisenstraße, hat einen Anstieg des Bettelns bemerkt. „Nach unserem Gottesdienst war es zunächst ein Mann, der die Gläubigen vor der Kirche nach Geld gefragt hat. Vor einigen Monaten hat er dann einen Freund mitgebracht und heute sind es immer drei oder vier Personen.“

Lieber Geld als eine Mahlzeit

Das liege wohl daran, dass die Gemeindemitglieder häufig etwas gäben, wenn sie sähen, dass Menschen in Not sind. So habe die Gemeinde den Bettlern auch schon mal etwas zu essen angeboten. „Aber sie wollen lieber Geld.“

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