Anwohner des Sonnenplatzes fühlen sich in ihrem Quartier nicht mehr sicher

mlzWohnen im Kreuzviertel

Seit Jahren beschweren sich Anwohner über Lärm und Trinkgelage auf dem Sonnenplatz. Mittlerweile fühlen sie sich im Viertel nicht mehr sicher. Die Polizei sieht keine dramatische Situation.

von Rebekka Antonia Wölky, Uwe von Schirp

Kreuzviertel

, 22.02.2019, 17:40 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Anwohner des Sonnenplatzes sind wütend. Und mittlerweile, das geben alle der etwa 15 Anwesenden bei einer Anwohnerversammlung zu, haben sie auch Angst. Bewusst haben sie die Veranstaltung, die stark an eine Krisensitzung erinnerte, nicht über soziale Medien oder die Zeitung angekündigt.

Namen oder Foto will ebenfalls niemand in den Medien lesen oder sehen. „Vor zwei Jahren war das noch anders, da hätte ich gesagt: Wenn man eine Meinung hat, muss man dazu stehen“, sagte eine Anwohnerin. „Aber die Zeiten sind vorbei.“

Bedrohliche Situationen

Die Situation am Sonnenplatz habe sich seitdem verschlimmert. Das habe auch ein Gespräch mit dem zuständigen Bezirksbeamten der Polizei bestätigt. Mittlerweile fühle man sich nicht nur, wie bereits seit mehreren Jahren, von Menschen, die auf dem Platz pöbeln, lärmen und trinken, gestört, sondern geradezu bedroht.

„Eine Bekannte von mir hat sich einmal nachts, als sie wegen des Lärms nicht schlafen konnte, bei den Leuten unten auf dem Platz beschwert“, erzählt die Anwohnerin. „Daraufhin haben die sich Zutritt zum Flur ihres Wohnhauses verschafft und heftig gegen die Tür geschlagen.“ Einige in der Runde berichten, regelmäßig einen Umweg zu ihrem Hauseingang zu nehmen, um abends nicht über den dunklen Platz gehen zu müssen.

Fäkaliengeruch zieht durchs geöffnete Fenster

Auch SPD-Mitglieder des Rates und der Bezirksvertretung waren bei dem Treffen am Dienstag anwesend, um sich einen Überblick über die Situation zu verschaffen und eine mögliche Lösung für die Problematik zu erarbeiten.

Die Probleme fassten die Anwohner zu „Personen, die von morgens bis abends auf dem Sonnenplatz sind und ab frühmorgens Alkohol konsumieren sowie Lärm, Verunreinigung des Platzes und Bedrohungen“ zusammen. Ein Anwohner nannte den Sonnenplatz gar eine „öffentliche Toilette“ und berichtete von Fäkaliengeruch, der durch geöffnete Fenster in seine Wohnung ziehe. Arbeiten oder schlafen könne man in den Wohnungen direkt am Sonnenplatz kaum noch.

Laute Musik aus Bluetooth-Lautsprechern

Die Störenfriede kämen in drei Etappen, habe er beobachtet. Morgens seien es trinkende Rentner, ab mittags nach Feierabend etwas jüngere Leute. Und abends, ab 22 Uhr, kämen Jugendliche mit Bluetooth-Lautsprechern und lauter Musik.

Drogen gedealt und konsumiert würden mittlerweile auch – ganz öffentlich. In einem Hauseingang habe man Spritzen gefunden. „Und der Cannabis-Geruch zieht bis auf meinen Balkon im ersten Stock“, so der Anwohner. Das Problem am Sonnenplatz sehen die Anwohner in engem Zusammenhang mit einer räumlichen Verschiebung der Drogenszene aus dem Tremoniapark und dem Westpark.

Viertel der Vielfalt mit Lebensqualität

Die Möllerbrücke sei ebenfalls ein problematischer Ort geworden. „Dabei ist das Schöne an unserem Viertel immer gewesen, dass hier ganz unterschiedliche Menschen leben, die trotzdem eine funktionierende Gemeinschaft bilden. Die Leute, die uns die Lebensqualität nehmen, kommen aber nicht einmal von hier. Die leben in ganz anderen Stadtbezirken“, war man sich einig.

Lösungsvorschläge für eine kurzfristige Verbesserung waren unter anderem, das Grün auf dem Platz zurückzuschneiden und Videokameras zu installieren. Besonders wichtig war den Anwohnern die Abschaffung der ohnehin maroden Bänke auf dem Platz. Denn diese würden regelmäßig um- und auch hochkant aufgestellt, was eine Gefahr für spielende Kinder bedeute.

Polizei sieht die Situation weniger dramatisch

Eine Anwohnerin schlug außerdem eine aufsuchende Sozial- und Jugendarbeit auf dem Sonnenplatz vor. „Auch präventiv. Viele der Menschen, die sich dort aufhalten, brauchen Hilfe. Und wir wollen nicht, dass sich unter den Jugendlichen, die abends kommen, ähnliche Situationen abspielen wie im letzten Jahr in Hörde“, sagte sie.

Die Polizei sieht die Situation weniger dramatisch. Genaue Zahlen für den Platz und das Quartier gibt es nicht, sondern nur für die gesamte Stadtmitte. „Natürlich kommt es auch am Sonnenplatz mal zu einem Einsatz, und jede Störung ist für Anwohner natürlich unangenehm“, erklärt Sprecherin Cornelia Weigandt auf Anfrage unserer Redaktion.

Keine Trinker- oder Rauschgiftszene

„Wir haben jedoch keine herausragende Lage am Sonnenplatz. Und eine dramatische Verschlechterung in den letzten zwei Jahren können wir nicht bestätigen.“ Das ergaben Rücksprachen mit der Polizeidirektion 1 (Innenstadt) und mit dem zuständigen Bezirksbeamten. Es gebe auch keine Trinker- oder Betäubungsmittel-Szene. „Natürlich will ich nicht ausschließen, dass am Sonnenplatz jemand trinkt.“

Weigandt verweist auch auf die zentrale Lage im Kreuzviertel. „Am Freitag und Samstag ist es ein zentraler Platz zum Vorglühen.“ Will heißen: vor dem Besuch eines Clubs oder einer Diskothek etwas zu trinken. Das Kreuzviertel ist Studentenviertel. „Und vom Sonnenplatz kann man zu Fuß, mit dem Rad und dem öffentlichen Nahverkehr alles erreichen“, betont Weigandt.

Bezirksvertretung will Aufenthaltsqualität verbessern

Bezirksbürgermeister Ralf Stoltze hat die Zuspitzung, von der die Anwohner berichten überrascht. Er sieht die Herausforderungen aber in der Verkehrssicherheit, Sauberkeit und im baulichen Bereich. „Die Bezirksvertretung möchte Aufenthaltsqualität verbessern“, sagt er gegenüber unserer Redaktion.

Kurzfristig sollen zunächst die Bänke befestigt, die Arkaden geprüft und der Grünwuchs zurückgeschnitten werden. „Das würde einige Probleme lösen“, sagt Stoltze. Und mit Blick auf die Sicherheit: „Ich bitte die Anwohner, uns Bescheid zu sagen, wenn akute Probleme auftreten. Dann kann man darauf konkret eingehen.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt