Anwohner hofft auf Tempo 30 an der Planetenfeldstraße in Dorstfeld

mlzVerkehrslärm

Seit 2015 kämpft Ralf Mühlenkamp für ein Tempolimit von 30 km/h an der Planetenfeldstraße. Das soll den Lärm verringern. In dieser Zeit hat er gelernt, dass Lärm nicht gleich Lärm ist.

Dorstfeld

, 22.05.2020, 16:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ralf Mühlenkamp (60) ist mittlerweile ein Fachmann für Asphalt. So weiß er, dass der Belag der Planetenfeldstraße in Dorstfeld mit Asphalt der Norm PMA5 belegt ist. Im allgemeinen Sprachgebrauch nennt man das Flüsterasphalt.

Ralf Mühlenkamp ist aber auch zu einem Lärmexperten geworden. „Das waren jetzt wieder über 100 Dezibel“, sagt er mit dem lässigen Ton eines Kenners, nachdem ein Lkw an seinem Haus vorbei gefahren ist und dessen Ladung dabei ohrenbetäubend gescheppert hat.

Flüsterasphalt sollte Lärm eigentlich ausschließen, Doch an der Planetenfeldstraße, vor den Häusern von Ralf Mühlenkamp und seinen Nachbarn, funktioniert das nicht. Denn der Asphalt ist kaputt. Schlaglöcher gibt es noch nicht, doch der Verkehr rumpelt über eine ziemlich wellige Straße.

Grenzwerte deutlich überschritten

Deshalb kämpft Ralf Mühlenkamp seit Jahren um Tempo 30 in diesem Bereich. Dabei stößt er aber immer wieder auf Hindernisse rechtlicher und bürokratischer Natur.

Mit den Schäden, auf die Ralf Mühlenkamp zeigt, hat der Asphalt seine Lärm mindernde Funktion verloren.

Mit den Schäden, auf die Ralf Mühlenkamp zeigt, hat der Asphalt seine Lärm mindernde Funktion verloren. © Holger Bergmann

Es geht nicht nur darum, dass die Planetenfeldstraße zum sogenannten Vorhaltenetz der Stadt Dortmund gehört. Auf solchen Straßen gilt laut Stadtsprecher Christian Schön Tempo 50, damit der Verkehr schnell abfließen kann.

Es geht um Zahlen: Für Straßen in Wohngebieten gibt es die Lärmgrenzwerte 59 Dezibel (tags) und 49 Dezibel (nachts). Ralf Mühlenkamp hat mit einem geeichten Gerät tagsüber Belastungen von mehr als 100 Dezibel und nachts von mehr als 60 Dezibel gemessen.

Errechnete und gemessene Werte

Erst später musste er erfahren, dass es bei den Grenzwerten nicht um gemessene Werte geht, sondern um errechnete. „Die Verkehrsdichte und der Fahrbahnbelag werden mit Zahlenwerten verrechnet“, so Mühlenkamp.

Und in dieser Lärmgleichung hat Flüsterasphalt PMA5 den Wert -5. Das heißt, vom errechneten Lärm werden 5 Dezibel-Punkte abgezogen. Deshalb überschreitet die Planetenfeldstraße rechnerisch nicht die Lärmgrenzwerte. Und deshalb hatte Ralf Mühlenkamp bislang keinen Erfolg.

Der Asphalt der Planetenfeldstraße ist stark strapaziert und ist an vielen Stellen abgenutzt.

Der Asphalt der Planetenfeldstraße ist stark strapaziert und ist an vielen Stellen abgenutzt. © Holger Bergmann

Dabei war der Dorstfelder schon so nah dran am Ziel. Im Jahr 2018 stand an der Planetenfeldstraße eine Erneuerung der Fahrbahn an. Doch kurz vor Baubeginn gab es eine Gesetzesänderung, nach der bei jedem Straßenneubau auch ein Radweg eingeplant werden muss. Der Bau wurde abgesagt.

Unterstützung nach einem Ortstermin?

Doch Ralf Mühlenkamp stand immer auch in Kontakt zur Lokalpolitik. Und aus dieser Richtung kam vergangene Woche eine Nachricht, die ihm Hoffnung macht.

In der kommenden Sitzung am 17. Juni will die Bezirksvertretung Innenstadt-West darüber abstimmen, ob es einen Ortstermin geben soll. Dann könnten die Bezirksvertreter selbst einen Eindruck davon bekommen, wie laut es sein kann, wenn Grenzwerte rechnerisch nicht überschritten werden.

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