Anwohner: In Teilen des Kreuzviertels gibt es „keine Lebensqualität mehr“

mlzBeschwerden über Lkw-Lärm

Der Lkw-Verkehr im Kreuzviertel raubt Anwohnern die Nerven. Eine Bürgerinitiative an der Kreuzstraße macht dagegen Front. Die Lebensqualität der Nachbarschaft leide - nicht nur durch die Lkw.

Dortmund

, 07.05.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Nein“, sagt Jutta Falk von der Bürgerinitiative Kreuzstraße, „hier hat sich bis heute nichts geändert.“ Seit die Brücke an der Langen Straße Ende 2017 für Lkw über 16 Tonnen gesperrt wurde, kurvt der Schwerlastverkehr vom und zum Werk Thyssenkrupp Rothe Erde durchs Kreuzviertel.

Leidtragende sind vor allem die Anwohner der Kreuzstraße, die sich in Form einer Bürgerinitiative wehren. Inzwischen reißt aber auch anderen Menschen im Kreuzviertel der Geduldsfaden: Die Anwohner am Abschnitt Neuer Graben 89 bis 101 haben ebenfalls den Kaffee auf.

„An diesem Abschnitt des Neuen Grabens ist keine gesunde Lebensqualität mehr vorhanden“, klagen Anwohner in einer vierseitigen Eingabe an die Bezirksvertreter der westlichen Innenstadt.

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Denn: Die Lkw-Fahrer nutzen auf ihrer Route zu Thyssenkrupp keineswegs nur die Kreuzstraße. Sondern eben auch den Neuen Graben, wie die Anwohner beobachten. An Werktagen seien nahezu ohne Unterbrechung „riesige Lkw und Schwertransporte“ unterwegs. Das gehe um 5 Uhr morgens los und ende abends gegen 19 Uhr.

"Die Gefahr, dass es zu Unfällen kommt, ist groß"

Zudem fahren dort zwei Buslinien. „Acht Busse pro Stunde“, rechnen die Anwohner vor. „Der erste morgens um 5.45 Uhr, der letzte um 23.20 Uhr.“ Auch Hupkonzerte seien keine Seltenheit – ausgelöst durch Autos, die auf der Straße parken und den Verkehr behindern.

Die Abgas- und Lärmbelastung sei immer höher geworden. Fenster könne man nur noch zum Lüften öffnen, monieren die Anwohner, die vorerst nicht mit Namen genannt werden möchten. „Wir wollen nicht als Querulanten gelten.“ Davon kann aber keine Rede sein: „Es gibt diese Probleme“, bestätigt Bezirksbürgermeister Ralf Stoltze (SPD).

Auch die Buslinien 452 und 453 fahren durch den Neuen Graben und verstärken den Lärm zusätzlich, sagen Anwohner.

Auch die Buslinien 452 und 453 fahren durch den Neuen Graben und verstärken den Lärm zusätzlich, sagen Anwohner. © Beushausen

Offenbar auch mit Autofahrern. Tempo 30 am Neuen Graben? Darüber können die Anwohner nur müde lächeln. Es hält sich kaum jemand dran, schimpfen die Bürger. Im Gegenteil: Mehr als einmal haben sie miterlebt, dass Autofahrer eher noch Gas geben, um ja die Grünphase an der Ampelkreuzung Große Heimstraße/Neuer Graben zu erwischen.

„Die Gefahr, dass es zu Unfällen kommt, ist groß“, warnen die Bürger – und präsentieren der Stadtverwaltung einen umfangreichen Forderungskatalog.

Bürger am Neuen Graben fordern Radarfallen und Lärmmessungen

Kernpunkte: Das Tiefbauamt soll den Neuen Graben auf dem 125 Meter langen Abschnitt zwischen Lindemann- und Große Heimstraße zur Einbahnstraße umfunktionieren. Lkw zum und vom Gewerbegebiet Tremonia (Rothe Erde) sollen künftig umgeleitet werden – über welche Route, lassen die Anwohner offen.

Darüber hinaus fordern sie das Ordnungsamt auf, den Verkehr mit „regelmäßigen Geschwindigkeitskontrollen“ zu überwachen und gleichzeitig auch „Radarfallen“ aufzustellen.

Um ein Bild zu bekommen, wie stark der Abschnitt befahren wird, fordern sie „Verkehrszählungen über einen längeren Zeitraum“, jeweils montags bis samstags von 6 bis 20 Uhr. Dabei soll dann gleich auch der Verkehrslärm gemessen werden. Autofahrer, die ihre Wagen auf der Straße abstellen? „Schluss damit“, sagen die Anwohner und fordern das Tiefbauamt auf, Verbotsschilder anzubringen.

Auf der Lindemannstraße soll nach dem Willen der Anwohner Tempo 30 gelten.

Auf der Lindemannstraße soll nach dem Willen der Anwohner Tempo 30 gelten. © Beushausen

Bei allen Problemen richten die Bürger am Neuen Graben auch den Blick auf die Ampelkreuzung an der Lindemannstraße. Den Fußgängern blieben gerade zwölf Sekunden, um über die Lindemannstraße zu kommen. Zu wenig, monieren die Bürger in ihrem Schreiben.

Die Grünphase müsse auf „mindestens 40 Sekunden“ verlängert werden. Zudem seien Autofahrer auch auf der Lindemannstraße oft deutlich schneller als die erlaubten 50 km. Die Konsequenz liegt für die Bürger auf der Hand: Tempo 30 auf der gesamten Lindemannstraße, Radarfallen inklusive.

Dickes Päckchen für die Verwaltung

Mit ihren Vorschlägen haben die Anwohner den Bezirksvertretern und den zuständigen Ämtern der Stadtverwaltung ein dickes Päckchen auf den Tisch gestellt. Die Verwaltung muss sich der Sache nun annehmen und prüfen, was machbar ist. Antworten sind frühestens im Juni zu erwarten.

Bezirksbürgermeister Stolze will dem nicht vorgreifen. Er weist aber daraufhin, „dass die Anwohner viele Probleme schildern, die es auch an anderen Stellen gibt.“

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In Sachen Lkw-Verkehr aber schlägt er erste Pflöcke ein: Den Neuen Graben auf diesem Abschnitt zur Einbahnstraße zu machen, halte er für schwierig. „Das würde zu Umwegfahrten führen und zusätzlichen Verkehr an anderen Stellen auslösen.“

Bezirksbürgermeister: „Lkw haben im Neuen Graben nichts zu suchen“

Aber: Lkw, die das Gewerbegebiet Tremonia ansteuern (oder von dort kommen), hätten im Neuen Graben nichts zu suchen. „Wir wollen ja eben nicht, dass sich der Schwerlastverkehr neben der Kreuzstraße noch auf weitere Straßen im Kreuzviertel verteilt.“

Nach Darstellung der Anwohner würden Lkw durch entsprechende Schilder auf der Lindemannstraße geradezu in den Neuen Graben gelenkt, um von dort aus ins Gewerbegebiet Tremonia zu gelangen. Ihm sei diese Beschilderung nicht bekannt, sagt Stoltze. Er werde sich die Situation genau ansehen. „Im Zweifel müssen die Schilder weg.“

Ungehört verhallen sollen die Klagen der Anwohner nicht. Stoltze: „Wir warten jetzt die Antworten der Verwaltung ab und prüfen dann, ob und welche Vorschläge in einen Antrag gegossen werden können.“

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