1000 neue Obstbäume in privaten Gärten? „Wer Land hat, hat Verantwortung“

mlzNaturschutz in Dortmund

Er will das Landschaftsbild verändern – tausend neue Obstbäume sollen in den Gärten im Dortmunder Süden gepflanzt werden. Obstgehölz-Experte Jochen Helle wendet sich direkt an Anwohner.

Berghofer Mark

, 05.05.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Anstoß für die Idee kam aus der Vergangenheit. Besser gesagt, von einem Luftbild aus dem Jahr 1952. Obstgehölz-Experte Jochen Helle, der in der Berghofer Mark eine Baumschule betreibt, in der hauptsächlich Apfelbäume zu finden sind, staunte nicht schlecht, als er eines der alten Luftbilder aus dem Dortmunder Süden sah.

Das Landschaftsbild hat sich verändert

Denn dort waren unübersehbar Tausende Obstbäume zu erkennen. „Hinter jedem Haus in der Berghofer Mark gab es einen Obstgarten, dazu einige größere Anpflanzungen, die sogenannten ‚Obsthöfe‘ mit Streuobstwiesen“, sagt Helle.

Ein Bild, das sich der Dortmunder wieder wünschen würde. „Ich möchte in diese Richtung versuchen, etwas zu bewegen“, so der Baumfachmann. Mit der Zeit habe sich das Landschaftsbild enorm verändert.

Auch für Bienen sind Obstbäume wichtig.

Auch für Bienen sind Obstbäume wichtig. © Jörg Bauerfeld

„Früher war hinter jedem Haus ein Obstgarten“, sagt Helle. Das seit Stück für Stück verschwunden. Weil die Nutzung nicht mehr so da sei oder „vielleicht, weil die Leute keinen Kopp mehr haben für sowas“.

Der Trend ging in den 60er- und 70er-Jahren weg von den Obstwiesen. Plötzlich gab es das ganze Jahr über frisches Obst im Supermarkt, der Reiz, vom eigenen Baum die Frucht zu ernten, ging verloren.

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Um dem etwas entgegenzusetzen, hat Helle in den letzten beiden Jahrzehnten auf Wiesen am Marderweg, an der Untermarkstraße und an der Höchstener Straße mehr als 100 Obstbäume gepflanzt.

1000 neue Obstbäume

„Es wäre schön, wenn zu einem Garten wieder ein Obstbaum gehört.“
Jochen Helle

„Jetzt möchte ich den nächsten Schritt machen und möglichst viele Bewohner der Berghofer Mark und im Dortmunder Süden zum Nachdenken und Nachpflanzen anregen: Wäre es nicht schön, wenn in 20 Jahren wieder Hunderte oder sogar 1000 große Obstbäume in der Berghofer Mark wachsen, blühen und im Herbst Früchte tragen?“, so Jochen Helle.

Dabei gehe es doch auch um aktiven Naturschutz. Bienen und Insekten finden in den Blüten der Obstbäume Nahrung. Vögel nutzen die Bäume als Nistplatz oder eben auch für die Nahrungssuche.

Und auch der Mensch lerne wieder Obst kennen und schmecken, das sich von dem im Supermarkt unterscheiden würde. Auch Allergiker, die einen „neutralen Apfel“ aus den Regalen nicht vertragen, können alte Sorten durchaus wieder mit Genuss essen. Da wären beispielsweise der „Jakob Lebel“, die „Rote Sternrenette“ die „Köstliche aus Charneux“ oder ein „Rheinischer Winterrambur“.

Eine Obstwiese in der Berghofer Mark.

Eine Obstwiese in der Berghofer Mark. © Jörg Bauerfeld

„Ich bin ja auch der Meinung, dass jemand, der Land hat, auch eine gewisse Verantwortung hat“, sagt Helle. Die Motivation müsse aber erst einmal da sein, denn an Land würde es im Dortmunder Süden nicht fehlen. „Es wäre schön, wenn zu einem Garten wieder ein Obstbaum gehört.“

Aber wie viel Platz brauch so ein Baum? „Ein Apfelhochstamm wird im Kronendurchmesser so ungefähr zehn Meter. Ein Halbstamm so um die vier Meter“, sagt Helle.

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Die Pflege halte sich in Grenzen. Die ersten Jahre nach der Pflanzung ein bisschen Wasser und dann ein Mindestmaß an Baumschnitt, „damit er eine stabile Krone bilden kann“, sagt Helle. Und bei guter Pflege kann so ein Baum durchaus 80 bis 100 Jahre alt werden.

Nach drei bis vier Jahren kann man dann die ersten Früchte ernten. Wer sich über die Baumpflege oder auch darüber erkundigen möchte, welcher Baum sich für den jeweiligen Garten am besten eignet, der kann sich bei Jochen Helle melden. Die beste Pflanzzeit ist im Übrigen im November, Dezember.

Kontakt: Jochen Helle, Tel. (0231) 554510 oder per E-Mail: mail@jochenhelle.de
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