Arbeiter im ICE-Werk in Dortmund sollen Corona-Schutz schleifen lassen - Bahn nimmt Stellung

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Ein Bahn-Mitarbeiter des ICE-Werks in Dortmund beklagt den mangelhaften Umgang mit Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus. Arbeiter sollen grundlegende Verhaltensregeln ignoriert haben.

Dortmund

, 26.03.2020, 05:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Zeiten des grassierenden Coronavirus sind Schutzmaßnahmen bei der Arbeit gegen eine Ansteckung mit der Lungenkrankheit Covid-19 entscheidend. Das gilt besonders in den Branchen, die ihre Mitarbeiter nicht einfach ins Homeoffice schicken können.

Das ICE-Werk Spähenfelde südlich des Hoeschparks ist so ein Betrieb. Dort halten rund 500 Menschen im 24-Stunden-Schichtdienst Schnellzüge instand. Doch schützen sie sich auch ausreichend gegen das Coronavirus? Das bezweifelt ein Mitarbeiter, der sich bei unserer Redaktion gemeldet hat.

Er ist „schockiert“ über die Zustände im Werk: „ Zum Schichtwechsel steht man teilweise mit 30 bis 40 Leuten in den üblichen Bereichen, Pausenräume laufen ganz normal weiter.“ Teilweise kämen fünf bis zehn Arbeiter gleichzeitig in kleine Büros, der nötige Abstand von 1,5 bis 2 Metern werde teilweise nicht eingehalten, auch nicht bei Raucherpausen, wo meist größere Gruppen eng zusammen stehen: „Die meisten nehmen die Gefahr zu locker.“

Neben dem zu sorglosen Verhalten seiner Kollegen kritisiert der Mitarbeiter, der anonym bleiben will, auch die Werksleitung: „Keiner klärt auf und ergreift Schutzmaßnahmen.“ Zwar gebe es Hinweis-Schilder zu Verhaltensregeln, auch seien in der Vergangenheit entsprechende Mails an die Belegschaft geschickt worden, doch das reichte offenbar nicht.

„Die Vorwürfe entsprechen in der Tat nicht dem, was Werksleitung und Mitarbeiter in Dortmund wie auch an allen anderen DB-Standorten deutschlandweit in den letzten Wochen Hand in Hand erarbeitet und umgesetzt haben“, schreibt die Deutsche Bahn auf Anfrage unserer Redaktion. „Sicherheit und Gesundheit von Mitarbeitenden und Kunden haben höchste Priorität.“

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Die Bahn verweist in ihrer Antwort auf mehrere Vorsichtsmaßnahmen, die sie „von Beginn der Krise an“ in ihren Werken umgesetzt habe: So seien etwa Schichtarbeitspläne überarbeitet worden, „um Arbeitsbeginn und Arbeitsende in der Werkstatt zu entzerren“, außerdem werden Wasch-, Pausen- und Toilettenräume verstärkt gereinigt und mit ausreichend Seife und Desinfektionsmittel ausgestattet.

Darüber hinaus gebe es ein Besuchsverbot für Externe, außerdem erhielten Mitarbeiter mit Vorerkrankungen die Möglichkeit, sich „auf eigenen Wunsch und Empfehlung des Arztes“ von der Arbeit freistellen zu lassen, so eine Sprecherin. Bei allen Maßnahmen sei man aber auf die „aktive Mitarbeit und Unterstützung unser Mitarbeitenden“ angewiesen.

Nach der Anfrage unserer Redaktion gingen erneut E-Mails mit entsprechenden Anweisungen an die Belegschaft raus, berichtet der anonyme Mitarbeiter. Offenbar mit Erfolg: „Es scheint mir, dass alle sensibler mit dem Thema umgehen.“ Einen Corona-Krankheitsfall in der Belegschaft gibt es laut Bahn bisher nicht.

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