Arbeitgeber unterschiedlicher Meinung

Brötchen-Prozess

DORTMUND Richtig, übertrieben, falsch? Die fristlose Kündigung zweier Sekretärinnen wegen des Verzehrs von Brötchen und Frikadelle wird weiter heiß diskutiert in Büros, Werkshallen, aber auch den Chefetagen.

von Von Jörg Heckenkamp

, 19.10.2009, 06:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Bauverbände hatten sich mit der Sekretärin Magdalena H.doch noch außergerichtlich geeinigt.

Die Bauverbände hatten sich mit der Sekretärin Magdalena H.doch noch außergerichtlich geeinigt.

Burmann, zugleich Kreishandwerksmeister, schränkt im Falle der langjährigen Sekretärin des Bauverbandes allerdings ein: „In so einem Fall hätte ich zunächst das Gespräch gesucht und eine Abmahnung geschrieben.“ Bauverbands-Geschäftsführer Hermann Schulte-Hiltrop sei bei seiner Kündigungs-Entscheidung „schlecht beraten“ gewesen. Diese Einstellung lässt auch Dr. Heinz S. Thieler durchblicken. Der Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände DO und Umgebung meint einerseits: „Wenn jemand klaut, führt es zu den gesetzlich vorgesehenen Sanktionen.“   Um dann auf die Frage, was er in einem vergleichbaren Fall tun würde, zu antworten: „Ich bemühe mich, eine andere Kultur zu pflegen. Man muss früher ausschließen, dass es zu der Selbstüberschätzung von Mitarbeitern kommt, man dürfe so etwas tun. Bei Übertretungen würde ich zunächst den Dialog suchen.“

Klare Worte findet Wilm Schulte: „Es kommt bei einer fristlosen Kündigung immer auf den Einzelfall an. Ganz vieles spricht jedenfalls dafür, dass die Kündigungen in den ‚Brötchenfällen‘ nicht gerechtfertigt waren.“ Der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Westfalen-Münsterland unterstützt die Grundaussage, nicht der Wert einer Sache sei entscheidend. Schulte führt dann aber fort: „Auf der anderen Seite kann es aber nicht sein, dass auch so genannte Nichtigkeiten ohne Rücksicht auf den Einzelfall stets eine fristlose Kündigung begründen sollen.“ Obwohl er die genauen Einzelheiten nicht kenne, dränge sich für ihn der Eindruck auf, „dass etwas nicht stimmt oder man hier Mitarbeiter los werden wollte.“ 

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