Droht der Astrazeneca-Impfstoff in Dortmund zu verfallen? Davor warnen die Hausärzte und der KVWL. © picture alliance/dpa
Corona-Impfung

Astrazeneca-Berg: Verfällt in Dortmund jetzt Impfstoff?

Mehr als 18 Millionen Impfdosen Astrazeneca hat Deutschland erhalten. Doch nach der Stiko-Empfehlung zur Kreuzimpfung könnten viele Impfdosen verfallen. Dortmunder Ärzte schmieden Pläne dagegen.

Der Astrazeneca-Impfstoff hat seit Monaten schon keinen guten Stande bei vielen Impfwilligen: Die vielen Änderungen der Empfehlungen der Ständigen Impfkommission haben die Deutschen verunsichert. Das bemängeln Ärzte und die Kassenärztlichen Vereinigung seit Monaten. Doch ist es inzwischen so schlimm, dass Impfstoff gar verfällt?

Akut sei das Problem aktuell noch nicht, sagt Dr. Prosper Rodewyk, Sprecher der Dortmunder Hausärzte und KVWL-Chef. Doch es naht: „Mein Impfstoff ist noch ein paar Wochen haltbar“, sagt er über die Astrazeneca-Vorräte in seiner eigenen Praxis in Hörde. Ende August oder Anfang September würde der Impfstoff endgültig ablaufen. Ähnlich sieht es bei anderen Ärztinnen und Ärzten aus.

Hausärzte in Dortmund machen sich schon seit längerem Gedanken darüber, wie man den drohenden Verfall abwenden kann.

Dortmunder Hausärzte suchen nach Lösung

„Wir wollten gerne, dass der Impfstoff dahin geht, wo er auch gebracht wird. Das wurde und aber von Herrn Spahn (Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Anm. d. Red.) untersagt“, erklärt Dr. Rodewyk. Konkret: Die Ärzte wollten den übrigen Impfstoff gerne ins Flüchtlingslager nach Lesbos schicken. „Aber das dürfen wir nicht, weil der Impfstoff der Bundesrepublik Deutschland gehört“, so KVWL-Chef. Dass sei vertraglich so geregelt zwischen der Bundesrepublik und den Impfstoff-Herstellern. Außerdem sei beim Transport nicht gesichert, dass die Kühlkette bestehen bleiben könnte.

Stattdessen wollen die Dortmunder Hausärzte nun eine Impfstoffbörse einführen. Denn untereinander dürfen die Ärzte ihren Impfstoff verteilen. So sollen übrige Astrazeneca-Impfdosen an Praxen gehen, in denen dieser Impfstoff noch häufiger verabreicht wird.

Dr. Rodewyk selbst etwa verimpft noch AstraZeneca. So hat er am Donnerstag noch Erstimpfungen damit verabreicht. „Ich will auf jeden Fall auch Astrazeneca-Impfstoff behalten“, sagt der Dortmunder Hausarzt. Dann könne er zumindest Kreuzimpfungen anbieten.

Sollte das Börsen-Konzept in Dortmund funktionieren, würde der KVWL-Chef es auch auf den Verband Westfalen-Lippe ausweiten wollen.

Was die Stadt Dortmund mit ihrem Astrazeneca-Impfstoff macht, der im Impfzentrum über bleibt, ist indes noch unklar. „Da es sich um ein bundesweites Thema handelt, erwarten wir auch von dort Hinweise zum weiteren Vorgehen“, sagt Sprecherin Anke Widow auf Anfrage. Eine weitere Impfaktion mit diesem Impfstoff sei mangels echter Erfolgschancen keine Option mehr.

Auch in den Impfzentren besteht das Problem, dass der Astrazeneca-Impfstoff recht bald abläuft. Um wie viele Dosen es sich dabei in Dortmund handelt, kann die Stadt Dortmund nicht sagen.

Über die Autorin
Freie Mitarbeiterin
1993 in Werne geboren. Habe Geschichte und Religionswissenschaften an der Ruhr-Uni Bochum studiert. Seitdem ich 15 bin bei Lensing Media: Angefangen in der Lokalredaktion Werne, inzwischen fast nur noch als Freie Mitarbeiterin in der Stadtredaktion Dortmund.
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Verena Schafflick

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