„Gehwegparken gegen Raser“: Anwohner in Brackel wehren sich gegen Parkverbot

mlzVerkehrsproblem

Gehwege sind für Fußgänger da. Andererseits wollen die Anwohner der Straße Auf dem Sonneborn irgendwo ihr Auto abstellen. Ein schwer lösbarer Interessenkonflikt. Die Gehwegparker wehren sich.

Brackel

, 28.04.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Anwohner-Beschwerde über die zugeparkten Gehwege an der Straße Auf dem Sonneborn in Brackel rief im März die Stadtverwaltung und die Bezirksvertretung Brackel auf den Plan. Das Ergebnis nach einem Ortstermin und einer längeren Diskussion: Das Gehwegparken ist in dieser Straße ab sofort nicht mehr erlaubt, da die Mindestbreiten auf Gehweg und Straße nicht eingehalten werden können.

„Parkende Autos sind gutes Mittel gegen Raser“

Dagegen wehren sich nun die Anwohner. Sie sagen: „Ein Mittel gegen die deutlich überhöhte Geschwindigkeit in unserer Straße waren die versetzt geparkten Fahrzeuge. Damit konnten wir die Geschwindigkeit der durchfahrenden Fahrzeuge verringern.“

Und so sieht der Blick auf die Straße Auf dem Sonneborn von unten aus. Der Straßenbelag besteht aus historischem Kopfsteinpflaster

Und so sieht der Blick auf die Straße Auf dem Sonneborn von unten aus. Der Straßenbelag besteht aus historischem Kopfsteinpflaster. © Andreas Schröter

Die „Parkflächen“ würden von allen Bewohnern der Straße genutzt und akzeptiert, sagen die Anwohner. Würden die parkenden Autos dort verboten werden, hätte das erhöhte Geschwindigkeiten bei der Durchfahrt zur Folge. Sie sagen sogar: „Dies würde uns und unsere Enkel in Lebensgefahr bringen.“

Die Eigentümer der Häuser würden sich dann sicherlich überlegen, so ist die Befürchtung, wegen des fehlenden Parkraums auf der Straße stattdessen ihre Vorgärten zu versiegeln, um die Autos dort abzustellen. Das könne nicht im Sinne einer umweltbewussten Stadtentwicklung sein.

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Auch in Deutschland könne und müsse nicht jede Straße normgerecht sein. In Abhängigkeit vom Baujahr müsse es doch Ausnahmen geben – vielleicht im Hinblick auf den Denkmalschutz. Der historische Straßenbelag trage zusätzlich zur Verkehrsberuhigung der Straße bei.

Umbau zur verkehrsberuhigten Zone?

Verwaltung und Politik hatten überlegt, die Straße Auf dem Sonneborn zur verkehrsberuhigten Zone umzubauen – mit einigen wenigen Parkbuchten. Dabei würden die Anwohner nach dem Kommunalen Abgabegesetz (KAG) jedoch einen Teil der Kosten tragen müssen.

Die Anwohner bringen eine andere Idee ins Spiel: Man könne die Straße in der Mitte durch einen versenkbaren Sperrpfosten blockieren und somit den Durchgangsverkehr unterbinden. Sicher wäre ein solcher Sperrpfosten auch an den Enden der Straße denkbar, aber nach Ansicht der Anwohner nicht praxisgerecht.

Auch das Verkehrszeichen „Verbot für Fahrzeuge aller Art“, dann aber mit dem Zusatz „Anlieger frei“, würde seinen Dienst tun.

„Bitte nicht auf unsere Kosten“

Die Anwohner sagen: „Wenn das Tiefbauamt trotz allem hohe Kosten auslösen und lokale Unternehmen mit Aufträgen fördern möchte, dann nur zu – aber bitte in Abstimmung mit uns und nicht auf unsere Kosten. Wir sind gerade froh, dass wir es geschafft haben, unser Eigentum bis in unser letztes Lebensdrittel zu finanzieren und zu schützen.“

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