Auf der Suche nach „netten Toiletten“

Senioren- und Behinderten-Vertreter

Vor allem für ältere Menschen ist es ein drängendes oder besser gesagt drückendes Problem: Wo gibt es, wenn man unterwegs ist, öffentliche Toiletten? Ein Arbeitskreis aus Seniorenbeirat und Behinderten-Vertretern macht jetzt Druck. Bislang mit zwiespältigem Erfolg.

DORTMUND

, 17.11.2017, 04:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
In einem schlechten Zustand sind die öffentlichen Toiletten am Nordmarkt. Immerhin hat die Bezirksvertretung Innenstadt-Nord auf Antrag der Fraktion Linke&Piraten die Sanierung der Anlage beschlossen.

In einem schlechten Zustand sind die öffentlichen Toiletten am Nordmarkt. Immerhin hat die Bezirksvertretung Innenstadt-Nord auf Antrag der Fraktion Linke&Piraten die Sanierung der Anlage beschlossen. © Dieter Menne

Dass es in Dortmund offenbar zu wenig öffentliche Toiletten gibt, zeigt die Bürgerbefragung, die die Stadt im Rahmen ihres wirkungsorientierten Haushalts in Auftrag gegeben hat. Während sich die Befragten mit dem Leben in Dortmund allgemein ganz zufrieden zeigen und dafür die Note 3 (befriedigend) vergeben haben, gibt es für die Erreichbarkeit und Sauberkeit öffentlicher Toiletten mit dem Notendurchschnitt 4,44 beziehungsweise 4,32 nur ein „ausreichend minus“.

Akuten Handlungsbedarf sehen auch der Seniorenbeirat und das Behindertenpolitische Netzwerk der Stadt. Seit 2015 Jahren beschäftigt sich eine gemeinsame Arbeitsgruppe mit dem Thema Toiletten. Und dabei geht es nicht nur um die Zahl und die Standorte, sondern auch um die Ausstattung der stillen Orte. „Unser Ziel ist, dass alle öffentlichen Toiletten zumindest gut begehbar sind“, erklärt der Sprecher der Arbeitsgruppe Helmut Adden. Noch besser wäre es, an allen Standorten auch barrierefreie Toiletten zu haben.

Bewusstsein schaffen

Seit zwei Jahren führen die Arbeitskreis-Mitglieder dazu intensive Gespräche mit verschiedenen Akteuren, stoßen dabei durchaus auf offene Ohren – aber hören immer wieder auch von Hemmnissen. So seien Toiletten auf den Friedhöfen nur zeitlich eingeschränkt geöffnet, weil sonst Vandalismusschäden zu befürchten sind. In Gaststätten, in denen Toiletten oft nur über Treppen erreichbar sind, wäre der finanzielle Aufwand zu hoch, um einen barrierefreien Zugang zu ermöglichen.

Das gleiche gilt für Veranstaltungen. „Es gibt zwar barrierefreie Dixie-Toiletten“, erklären Dieter Baier und Siegfried Volkert vom Behindertenpolitischen Netzwerk. Der finanzielle Aufwand für die Veranstalter sei aber hoch. Immerhin werden sie jetzt vom Tiefbauamt im Genehmigungsverfahren auf den Wunsch nach barrierefreien Toiletten aufmerksam gemacht, berichtet Karl-Otto Clemens vom Seniorenbeirat. „Uns geht es auch darum, in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für das Thema zu schaffen.“

Gutes Beispiel aus Hörde

Als positive Beispiele bei der Lösung des Toiletten-Problems nennen die Arbeitsgruppen-Mitglieder Westfalenpark und Westfalenhallen – und ein Modellprojekt in Hörde. Unter dem Titel „Die netten Toiletten“ stellen nicht nur öffentliche Einrichtungen wie die Bezirksverwaltungsstelle und die Stadtteilbibliothek, sondern auch Hörder Gastronomen ihre Toiletten kostenlos für die Öffentlichkeit zur Verfügung. Ein Faltblatt des Stadtbezirksmarketings informiert darüber, wo es „nette Toiletten“ gibt.

In vielen anderen Stadtbezirken sind die vollautomatischen und barrierefreien City-Toiletten der Firma Wall Anlaufpunkt für dringende Geschäfte. Für Behinderte ist die Nutzung mit einem speziellen Schlüssel sogar kostenlos. Der Vertrag für den Betrieb der City-Toiletten, die über Werbung finanziert werden, läuft allerdings 2020 aus und soll voraussichtlich Ende nächsten Jahres neu ausgeschrieben werden. Die Arbeitsgruppe aus Seniorenbeirat und Behindertenpolitischem Netzwerk will dabei ein gewichtiges Wort mitreden.

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