In Dortmund gibt es mancher Orts wieder eine Maskenpflicht. © picture alliance/dpa/dpa-tmn
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Aufhebung aller Corona-Beschränkungen? Das meinen Dortmunder Bürger

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung fordert einen „Freedom Day“ - dann sollen alle Pandemie-Beschränkungen aufgehoben werden. Wir haben uns in der Dortmunder City umgehört, was Menschen darüber denken.

Der britische Premier Boris Johnson hat es vorgemacht: Seine Regierung verkündete im Juli den „Freedom Day“. Seitdem sind auf der Insel alle Pandemie-Beschränkungen aufgehoben. Nun fordert Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), einen Freiheitstag in Deutschland und damit die Aufhebung aller Corona-Maßnahmen zum 30. Oktober.

„Nach den Erfahrungen aus Großbritannien sollten wir auch den Mut haben zu machen, was auf der Insel geklappt hat“, sagte Gassen der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Also braucht es jetzt eine klare Ansage der Politik: In sechs Wochen ist auch bei uns Freedom Day! Am 30. Oktober werden alle Beschränkungen aufgehoben!“

Die Impfkampagne läuft in Deutschland weiterhin schleppend. 62,9 Prozent der Bürger haben sich nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bisher impfen lassen (in Dortmund: 61,7 Prozent), 67,1 Prozent erhielten mindestens die erste Impfung.

„Ende Oktober eine Impfquote von 70 Prozent oder noch höher“

Bis zum 30. Oktober gebe es noch sechs Wochen, um sich ausreichend impfen zu lassen, so Gassen. „Meine Wette: Dann sind wir Ende Oktober bei einer Impfquote von 70 Prozent oder noch höher, weil sehr viele Menschen das Angebot dann doch schleunigst annehmen werden.”

Nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit ist für eine Herdenimmunität und damit eine Lockerung der Maßnahmen eine Impfquote von mindestens 85 Prozent in der Gesamtbevölkerung notwendig, bei den über 60-Jährigen 90 Prozent.

Hinzu kommt: In Großbritannien stiegen die Infektionszahlen zuletzt kontinuierlich an. Nach Angaben der Johns Hopkins Universität lag die Inzidenz am 18. September bei 298. Zum Vergleich: In Deutschland stieg die Inzidenz zuletzt auf 71.

„Sehe nicht ein, dass meine Familie in Gefahr gebracht wird“

Wer sich in der Dortmunder City umhört, erhält unterschiedliche Meinungen. Renate Schmitt-Peters zeigt sich zwar offen für Gassens Idee: „Es ist sicherlich gut, darüber nachzudenken und verantwortlich zu entscheiden, wann es so weit sein kann und wann man es wirklich tun sollte, ohne damit Schaden anzurichten“, so Schmitt-Peters. Gleichwohl rät sie zu Geduld: „Denn es ist eine sehr verantwortungsbewusste Entscheidung. Es wird sicherlich noch eine Weile dauern – mindestens hier bei uns. “

Dieter Arnols positioniert sich deutlicher: „Ich finde es nicht gut, weil bei uns noch nicht alle richtig durchgeimpft sind. Und da ist das Risiko zu hoch. Ich habe keine Lust, mich deswegen anzustecken, nur weil so ein paar Bekloppte meinen, sie müssten auf einmal alles aufheben“, so Arnols. „Dafür habe ich mich nicht impfen lassen. Ich habe das Impfangebot wahrgenommen, andere nicht. Daher sehe ich es nicht ein, dass dadurch meine Familie in Gefahr gebracht wird.“

„Wichtig, irgendwann wieder zur Normalität zurückzukehren“

Ratlos zeigt sich Armin Krug: „Ich bin damit überfordert, da so viele Informationen auf uns einprasseln“, gesteht er. „Ich hab mich zwar komplett impfen lassen. Aber nur aus diesem Grund: Sonst kann ich ja gar nicht mehr am Leben teilnehmen. Es gibt die Pandemie, keine Frage. Wir haben darunter gelitten oder leiden noch immer. Aber was jetzt gemacht werden muss, damit es aufhört, weiß ich nicht.“

Malte Vogel plädiert für einen ausgewogenen Weg. Zwar sei er gegen eine Impfpflicht, aber: „Genauso muss man einfordern dürfen, dass anderthalb Meter Abstand eingehalten werden. Das ist eine sehr sensible Form, mit der wir versuchen, miteinander klarzukommen.“

Doch es gibt auch Stimmen für einen „Freedom Day“. Gülperi Z. befürwortet etwa den Vorschlag nach dem Vorbild Großbritanniens: „Ich bin auf jeden Fall auch dafür, dass es hier eingeführt wird, da wir ja jetzt schon länger mit Corona zu tun haben und mit den Maßnahmen irgendwie umgehen müssen. Deswegen ist es wichtig, irgendwann wieder zur Normalität zurückzukehren.“

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