Aufzug seit Wochen kaputt: Schwerbehinderter Mieter (82) der LEG ist ratlos

mlzLEG-Ärger

Der schwerbehinderte Mieter Semen Blinshteyn des LEG Hauses am Clarenberg fühlt sich alleingelassen: Der Fahrstuhl im Haus geht seit Wochen nicht.

von Rüdiger Barz

Hörde

, 10.10.2019, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Semen Blinshteyn (82) und seine gleichaltrige Lebensgefährtin Klara Veinberg sind Mieter der LEG in Hörde – und verzweifelt. Denn seit nunmehr vier Wochen funktioniert der Aufzug in dem sechsstöckigen Hochhaus am Clarenberg nicht, gibt der schwerbehinderte und unter schwerster COPD Grad 4 (Chronische obstruktive Lungenerkrankung) leidende Blinshteyn an.

Das Ehepaar weiß nicht, wie es weitergehen soll. Und damit sind sie nicht alleine. Ihren Nachbarn, auch viele älter und zum Teil gehbehindert, geht es genauso.

Die neben dem defekten Aufzug weiter bemängelten Dinge, wie ein verdreckter Hausflur - es riecht merkwürdig und die Wände sehen eklig aus - und eine seit Langem nicht schließende Haustür, erscheinen schon fast nebensächlich.

Aufzug seit Wochen kaputt: Schwerbehinderter Mieter (82) der LEG ist ratlos

Unschöne Spuren im Treppenhaus, die die Hausbewohner nicht deuten möchten. © Rüdiger Barz

Ohne Aufzug kaum mehr beweglich

Der 82-Jährige schildert seine momentane Situation so: „Ich bin an mindestens 16 Stunden am Tag auf Sauerstoff angewiesen, muss zweimal in der Woche zur medizinischen Behandlung. Das ist ohne den Aufzug und mit meinem Rollator kaum mehr zu schaffen. Dazu kommen die üblichen Besorgungen.“

Seine Gesundheit ist das eine, doch dass er über das Servicetelefon des Vermieters seit Wochen keine Information bekommt, versteht der Mieter nicht. Weiterführende Serviceangebote kenne er nicht. „Die LEG muss sich doch kümmern“, berichtet er und wird immer wieder von Hustenkrämpfen geschüttelt.

Vermieter weißt Vorwürfe zurück

Der Pressesprecher der LEG, Mischa Lenz, weist die Vorwürfe teilweise zurück, entschuldigt sich aber bei den betroffenen Mietern. „Fest steht: Jeder Ausfall dieser Art ist einer zu viel. Aber wir – und die von uns beauftragten Dienstleister – arbeiten hart daran, dass solche Ausfälle auch in Dortmund immer Einzelfälle bleiben.“ Der Schaden soll bis zum 29. Oktober behoben sein.

Aufzug seit Wochen kaputt: Schwerbehinderter Mieter (82) der LEG ist ratlos

Dieser Aufzug im Haus Nummer 7 am Clarenberg ist seit Wochen nicht in Betrieb. © Rüdiger Barz

Die schwierige Erreichbarkeit und mangelnde Information kann Lenz nicht nachvollziehen. „Wir haben selbstverständlich die betroffenen Mieter über einen Aushang informiert. Zudem wissen unsere Kollegen in unserem zentralen Kundenservice Bescheid und geben bei telefonischen Anfragen unseren Kunden umfassend Auskunft.“ Ein Aushang oder Ähnliches konnte auch der Reporter vor Ort nicht entdecken.

Der „Concierge-Service für den Clarenberg (Wilhelm-Schmidt-Str. 11)“ trage in der Zeit des Fahrstuhlausfalls für die Mieter beispielsweise Einkäufe in die höheren Stockwerke. Und: „Für gegebenenfalls notwendige Personentransporte haben wir zudem eine Firma beauftragt“, sagt Lenz.

Betroffene Mieter können, laut Lenz, diesen Dienst über die LEG selbst und über den Concierge buchen. „All diese Informationen haben wir in unserem Aushang für jeden betroffenen Mieter an zentraler Stelle zugänglich gemacht“, sagt der Pressesprecher.

  • Die Landesbauordnungen schreiben vor, dass in Gebäuden ab fünf Obergeschossen ein Aufzug installiert sein muss. Das Vorhandensein eines Aufzugs gilt als wertbildender Faktor, der sich in der Höhe der Miete niederschlägt und in Mietspiegeln auch entsprechend bewertet wird. Fällt der Aufzug aus, ist die Gebrauchstauglichkeit der Mietsache beeinträchtigt. Der Mieter kann dann die Miete mindern.
  • Für den betroffenen Aufzug ist nur ein weiterer, kurzer, Ausfall im Jahr 2018 protokolliert.
  • Im Haus am Clarenberg erfolge eine wöchentliche Treppenhausreinigung durch eine Fachfirma.
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