Aus Computer-Schrott werden neue Geräte - dank der Pionierarbeit eines Dortmunders

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Freie Programme, reparable Geräte und Datensicherheit. Daniel Schlep ist jemand, der die Computerwelt verändert. Jetzt ist auch die Stadt Dortmund auf den Höchstener aufmerksam geworden.

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, 23.09.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Stand, den Daniel Schlep auf der Fair-Friends-Messe in Dortmund aufgebaut hatte, wurde förmlich von Interessenten überrannt. Dabei waren Mitarbeiter von Schulen und Universitäten, ebenso wie Menschen aus Verwaltung und Ministerien. Es muss also was dran sein an der Idee von Daniel Schlep. Und die ist eigentlich ganz simpel. Es geht um Nachhaltigkeit, Ressourcennutzung und um eine vielleicht etwas andere Sicht auf die Dinge.

Daniel Schlep hat es praktisch zur Perfektion entwickelt, aus altem Computerschrott neue, brauchbare Maschinen zu machen. Mit einigen wenigen Handgriffen ist die Hardware auf einen guten Stand gebracht. Im Prinzip kinderleicht, wenn man weiß, wie es geht. Man nehme ältere Computer, baue sie auseinander und baue aus den noch brauchbaren Teilen einen neuen, leistungsfähigen PC. Selbst Grundschulkinder haben das Zeug dazu. Ein gutes Beispiel dafür ist die Höchstener Grundschule, an der Daniel Schlep Medienkompetenz vermittelt und die eine Art Pilotschule geworden ist. Hier lernen die kleinen „PC-Fachleute“ von Daniel Schlep, wie das alles funktioniert.

Kritisches Denken und logisches Hinterfragen

Schleps Grundgedanke ist dabei, sich unabhängig zu machen. Weg von dem Reflex, immer und immer wieder einen „zeitgemäßen“ Computer kaufen zu müssen, um medientechnisch am Ball zu bleiben und sich zudem bei den Programmen in die Hände von Firmen wie Apple und Microsoft zu begeben, denen man dann praktisch ausgeliefert ist. „Da kritisches Denken und logisches Hinterfragen keinen nennenswerten Ertrag an der Börse bringen, sollten wir wachsam sein“, sagt Schlep und zeigt, wie es anders geht.

Und vor allem: wie es um ein Vielfaches günstiger geht. Denn, sind aus den alten Computern wieder brauchbare Dinger geworden, geht es darum, freie Software zu installieren. An die kommt jeder User dran - aus dem Internet. „Die Einsatzmöglichkeiten decken alltägliche Bereiche wie Büro oder Unterhaltung, aber auch kreative Bereiche wie Audio, Video, Grafik oder Spieleentwicklung ab“, sagt Schlep.

Tagesaktuelle Betriebssysteme auf alten Computern

Aber es gehe auch darum, sich sicher im Netz zu bewegen. Das funktioniert auch mit Geräten, die knapp 20 Jahre alt. Auf einem Notebook zum Beispiel, „da läuft ein tagesaktuelles Betriebssystem drauf“, sagt Daniel Schlep. Solche Geräte werden eigentlich weggeschmissen.

„Durch eigene Kontrolle kann man die Geräte viel länger nutzen und nachhaltig sein“, sagt Schlep - und unglaublich viel Geld sparen. Die Aufmerksamkeit ist dem Medienkünstler aus dem Dortmunder Süden gewiss. Und Gespräche zur Zusammenarbeit laufen in alle Richtungen. „Was ich mache, bezieht sich auf alle Geräte. ‚Gutes Hacken‘ nenne ich das“, sagt Schlep, denn seine Rechner haben dank des Einsatzes der freien Software ein komplettes Betriebssystem intus, das aber keine Daten, Accounts oder andere Anmeldungen einfordert.

Nachhaltigkeit ist angesagt, nicht wegwerfen

„Firefox ist frei nutzbar, Thunderbird ist dabei für die Mail, Grafikprogramme wie Gimp, das ist alles freie Software“, sagt Schlep. Auch die Stadt Dortmund benutze mittlerweile viele der freien Programme. Da Nachhaltigkeit nicht erst seit den Friday-for-Future-Aktionen groß im Trend liegt, rennen die Interessenten Daniel Schlep die Bude ein. Und was braucht der Medienfachmann, um Computernutzer auf die sichere Seite der Computerwelt zu führen? „Müll, Elektroschrott“, sagt Schlep.

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