Marlene (20) macht Kunst zum Beruf: Die Ausbildung zum Bühnenmaler

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Marlene Soester macht eine Ausbildung als Bühnenmalerin. Ihre Aufgabe ist es, die Schauspieler durch spektakuläre Bühnenbilder in Szene zu setzen - Ein Blick hinter die Kulissen.

von Daniel Berchem

Dortmund

, 03.09.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Schon in ihrer Kindheit hat sich die 20-Jährige fürs Malen und Zeichnen interessiert: „Ich war auf einer Waldorfschule, die künstlerischen Fächer haben mir schon immer besser gefallen als andere“, erzählt Marlene Soester. Darauf folgte ein Fachabi mit dem Schwerpunkt Gestaltung.

Im elften Schuljahr musste sie ein einjähriges Praktikum absolvieren, Berufe wie Hutmacher oder Töpfer standen zur Auswahl. Durch einen Hinweis von Bekannten mit Verbindungen zum Dortmunder Theater machte Marlene ihr Praktikum schließlich im Malsaal. Hier nahm sie viele positive Erfahrungen mit und entschied, sich im Anschluss für die Ausbildung zur Bühnenmalerin zu bewerben. Seit September 2018 Jahres ist die 20-Jährige nun schon im Theater tätig.

Auch außerhalb ihrer Lehre beschäftigt sich Marlene in ihrer Freizeit viel mit Kunst und Kultur. So arbeitet sie nebenbei ehrenamtlich in einem Zirkus, in dem sie Einradfahrern oder Seillaufen gelernt hat. Zudem spielt sie Klavier und Kontrabass.

Fakten zum Beruf und zur Ausbildung:

Der Arbeitsplatz eines Bühnenmalers ist der Malsaal: ein riesiges Atelier mit Leinwänden, Gemälden und Prospekten. Hier entstehen Bühnenbilder und Kulissen für Schauspiel, Opern und Musicals. Zu den Aufgaben eines Bühnenmalers zählen das Erstellen und der Bau solcher Szenen- und Bühnenbilder, das Bemalen von Leinwänden und Plastiken sowie das Mischen von Farben.

Rund ein Jahr vor der Premiere eines Stückes beginnen die Arbeiten. Am Schreibtisch werden erste Skizzen erstellt und ein Bühnenbild erarbeitet. In den Werkstätten modellieren die Bühnenplastiker Figuren. Die Kulisse wird durch bemalte Leinwände und Prospekte der Bühnenmaler vervollständigt.

Formal wird kein bestimmter Schulabschluss vorausgesetzt. Bewerber sollten dennoch ein gewisses künstlerisches Geschick oder zeichnerisches Talent sowie Interesse am Theater mitbringen. Auch Teamfähigkeit spielt eine große Rolle, da sich die Bühnenmaler mit den anderen Abteilungen absprechen und sich regelmäßig im Kollegium einbringen.

Die Ausbildung dauert insgesamt drei Jahre und ist dual aufgebaut. Praktische Erfahrungen werden im Betrieb gesammelt. Theoretische Inhalte werden am Berufskolleg Ost der Stadt Essen vermittelt.

Neben einer Zwischenprüfung kommt auf die Azubis sowohl eine theoretische als auch eine praktische Abschlussprüfung zu. Da das Theater eine städtische Einrichtung ist, richtet sich das Gehalt während der Ausbildung nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes. Im ersten Ausbildungsjahr liegt der Verdienst bei 968 Euro, das Gehalt steigt bis zum dritten Lehrjahr auf 1064 Euro.

Marlene (20) macht Kunst zum Beruf: Die Ausbildung zum Bühnenmaler

Das Bemalen von Plastiken, in diesem Fall eine Pflanze fürs Jugendtheater, gehört zu den Aufgaben der 20-Jährigen. © Daniel Berchem

Das sagt Marlene über ihre Berufswahl:

Was gefällt dir an dem Beruf besonders gut?

Marlene: „Die Ausbildung ist sehr abwechslungsreich, da die Aufgaben von Tag zu Tag unterschiedlich sind. Das liegt daran, dass sich die Bühnenbilder je nach Theaterstück ändern und unterscheiden.

Mir gefällt es auch gut, dass ich direkt in die Produktion eingebunden wurde. Ich habe zum Beispiel Tücher bemalt, die eine Holzimitation darstellen sollten. Diese habe ich dann auch direkt auf der Bühne gesehen, damit hätte ich anfangs nicht gerechnet. Man ist schon sehr stolz, wenn man seine eigenen Arbeiten auf der Bühne sieht.

Ein persönliches Highlight von mir war ein Projekt an einer Schule, bei dem ein großes Gemälde für die Mensa entstehen sollte. Ich habe das Projekt geleitet. Die Arbeit mit den Kindern hat mir sehr viel Spaß gemacht.“


Was gefällt dir an dem Beruf eher weniger?

Marlene: „Ich fange morgens um 6:45 Uhr an. Da ich nicht in Dortmund wohne und erst mit dem Auto zum Theater fahre, ist das schon echt früh. Dafür habe ich aber relativ früh wieder Schluss. Außerdem fände ich es noch ganz schön, wenn ich noch mehr von den anderen Werkstätten mitkriegen würde. Zu sehen, wie die Schlosser oder Tischler die Teile anfertigen, die wir dann letztendlich anmalen.“

Wo hättest du in der Schule besser aufpassen sollen?

Marlene: „Eigentlich habe ich immer relativ gut aufgepasst (lacht). Das Fachabi in Gestaltung hat mir sehr geholfen. Die gestalterischen Gesetze oder die Farblehre, die ich dort im Unterricht gelernt habe, kann ich im Malsaal anwenden. Das bereitet einen gut vor. Man muss auch ein bisschen Mathe können, um Maßstäbe zu berechnen. Das bekommt man aber schon irgendwie mit dem Mathe aus der Schule hin.“

Marlene (20) macht Kunst zum Beruf: Die Ausbildung zum Bühnenmaler

Der Malsaal ist der Entstehungsort von Gemälden und bemalten Tüchern. Hier wird eine Berglandschaft inszeniert. © Daniel Berchem

Infos zu Ausbildungsplätzen

Das Theater Dortmund hat in der Regel zwei Auszubildende im Bereich der Bühnenmalerei und Bühnenplastik. Die Übernahme ist hier garantiert, was nicht bei allen Ausbildungsbetrieben der Fall ist. Es wird je nach Bedarf ausgebildet, daher gilt es, sich rechtzeitig zu informieren und nach Ausschreibungen zu schauen. Im letzten Jahr gab es 130 Bewerber auf den Ausbildungsplatz am Dortmunder Theater.

Die Nachfrage ist hoch und die Plätze begrenzt. Es gibt auch die Möglichkeit, auf andere Theater in der Umgebung auszuweichen. Die Ausbildung zum Bühnenmaler wird an vielen städtischen Theatern- und Opernhäusern in ganz Nordrhein-Westfalen angeboten.

Auch Fernseh- und Rundfunkanstalten bilden Bühnenmaler aus.

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