Nein, der Wall ist am späten Samstagabend nicht zur Raser-Kontrolle gesperrt worden. Wegen der Ausgangssperre waren kaum Fahrzeuge unterwegs. © Oliver Schaper
Ordnungsamt

Ausgangssperre: Ordnungshüter rieten, Hunden die Blase neu zu trainieren

Mit sinkender Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 hat Dortmund die Chance, sich bald von der ungeliebten Ausgangssperre verabschieden zu können. Manchen kam sie sogar teuer zu stehen.

Seit fast vier Wochen gilt in Dortmund eine nächtliche Ausgangssperre. Grund ist die Bundesnotbremse, die das Ausgehverbot seit dem 24. April bundesweit in corona-belasteten Gebieten ab einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz von über 100 vorschreibt.

Zwischen 22 Uhr abends und fünf Uhr morgens sind die Straßen und Plätze in Dortmund deutlich leerer, als sie es nachts ohnehin schon sind. Für Dortmund sei die Ausgangssperre zur Unterbrechung von Infektionsketten „ein Gewinn“, sagte jüngst die Leiterin des Ordnungsamtes, Beate Siekmann, im Bürgerdienste-Ausschuss des Rates.

„Das funktioniert richtig, richtig gut“, so Siekmann. Oft sei es schon erheblich früher, ab 20.45 Uhr, ruhiger auf den Straßen und der Verkehr sei weniger geworden. Arbeitgeber hätten frühzeitig reagiert und den Mitarbeitern im Schichtdienst oder in systemrelevanten Berufen entsprechende Bescheinigungen ausgestellt.

2632 Kontrollen

Doch es gab auch Verstöße gegen die Ausgangssperre. Bis einschließlich 9. Mai hat das Ordnungsamt 2362 Menschen zur Ausgangssperre kontrolliert. Dabei haben die Ordnungshüter wegen offensichtlicher Missachtung der Ausgangsbeschränkungen 872 Ordnungswidrigkeitsanzeigen geschrieben. In der Regel werde ein solcher Verstoß mit einem Bußgeld von 150 Euro bestraft, teilte Stadtsprecher Maximilian Löchter auf Anfrage mit.

Aber nicht jeder Ertappte musste sofort zahlen. In 258 Fällen beließen es die Ordnungskräfte bei mündlichen Verwarnungen, vor allem in den ersten Tagen nach Inkrafttreten der Ausgangsbeschränkungen. Außerdem gab es neun sozusagen ermäßigte Verwarngelder von in der Regel 55 Euro.

Die jubelnden BVB-Fans in der Nacht des DFB-Pokalsiegs am Borsigplatz kamen glimpflich davon, sofern sie keine Pyrotechnik gezündet haben; denn das Ordnungsamt war nicht vor Ort. Die Polizei habe sich auf die Verantwortlichen des Pyrofeuerwerks konzentriert, teilte Behördensprecherin Nina Kupferschmidt auf Anfrage mit. Ihnen droht ein Strafverfahren.

Mit Augenmaß vorgegangen

Da die Pokalnacht vom 13. auf den 14. Mai keine normale Nacht, sondern eine Ausnahmesituation gewesen sei, sei die Polizei bei den übrigen Fans mit Augenmaß vorgegangen und habe den Verstoß der Ausgangssperre „kommunikativ gelöst“.

Beate Siekmann glaubt, dass die meisten Dortmunder die Notwendigkeit der Ausgangssperre eingesehen haben. Vieles lasse sich auch mit gesundem Menschenverstand regeln, wenn etwa jemand angibt, er müsse nachts seine Frau zum Flughafen bringen. Wenn er ein Ticket vorweisen könne, sei das okay, so die Ordnungsamtschefin.

Auch der Gang mit dem Hund ist erlaubt, doch Ordnungshüter gaben auch schon mal Hundehaltern beim nächtlichen Gassigehen die Empfehlung, sie sollten dem Hund die Blase neu trainieren.

Wer einen Kleingarten hat, dürfe dort jetzt auch schlafen, so Siekmann, „man darf dort nur nicht eine Wohnanschrift anmelden.“

Keine Bußgelder für Obdachlose

An Obdachlose, die im Freien nächtigen, verteilt das Ordnungsamt keine Bußgelder. Siekmann: „Wir sprechen die Menschen an. Die Übernachtungsmöglichkeiten können nur ein Angebot sein.“ Man habe einen „sehr vernünftigen Umgang“ miteinander. „Das ist bisher völlig geräuschlos abgegangen.“

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle

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