Das Archivfoto zeigt Malvin Boer und ein Model. Er und sein Team aus dem Friseursalon B&W - Haarliebe in der Dortmunder Innenstadt wollen in den letzten Tagen vor dem zweiten Lockdown nochmal alles geben. © privat
Friseure vorm Lockdown

Ausnahmezustand bei Dortmunds Friseuren – Haare schneiden sogar vorm Salon

Mit dem Lockdown müssen auch die Friseure die Scheren hinlegen. Ein harter Schlag - für Branche und Kunden. Bevor die Schließung greift, herrscht in den Salons Andrang. Ein Friseurmeister berichtet.

Mindestens vier Wochen lang keine Einnahmen – und das zum zweiten Mal in einem Jahr: Am Sonntag (13.12.) hat die Bundesregierung einen zweiten Lockdown verkündet. Für die Friseure in Dortmund bringt diese Entscheidung eine wiederholte Schließung mit sich. „Weil in diesen Bereichen eine körperliche Nähe unabdingbar ist“, begründete Bundeskanzlerin Angela Merkel die Entscheidung am Sonntag.

Statt zwei Wochen bleiben für das Weihnachtsgeschäft nur zwei Tage

„Es ist ein harter Schlag für die Betriebe“, bedauert Ludgerus Niklas, Geschäftsführer der Friseur-Innung Dortmund und Lünen, die Entscheidung. „Wir bedauern es auf der einen Seite, haben aber auch Verständnis für die Maßnahmen“, sagt Niklas.

Die Branche habe sich ein oder zwei Wochen mehr Zeit gewünscht. Also Schließungen erst ab dem 21. oder 28. Dezember, auch, um das Weihnachtsgeschäft zu entzerren. Als sich die Entscheidung am Wochenende abgezeichnet hat, hätten viele Friseurbetriebe Termine bereits vorgezogen und ihre Öffnungszeiten verlängert.

Öffnungszeiten: 8 Uhr bis open end

Denn nicht nur den Friseuren ist es daran gelegen, vor Weihnachten noch einmal die Terminbücher zu füllen. Viele Kunden wollen vor der Schließung zum Friseur, damit die Frisur an den Feiertagen sitzt. „So kurzfristig ist das schon eine Herausforderung für die Betriebe“, sagt Niklas.

Kein Wunder also, dass die Öffnungszeiten vieler Betriebe in der Dortmunder Innenstadt an den letzten beiden Tagen vor dem Lockdown in etlichen Salons nach hinten offen sind: „Die Friseure versuchen, das Beste daraus zu machen“, meint Niklas.

„Am Samstag haben wir sechs Stunden nur Termine abgesprochen“

So auch Malvin Boer, Geschäftsführer von „B&W Haarliebe“. Er versucht die gute Laune im Prä-Lockdown Stress nicht zu verlieren. Es habe Ausnahmezustand geherrscht, schildert Boer die Geschehnisse vom Wochenende: „Nachdem die Nachricht draußen war, dass wir ab Mittwoch wahrscheinlich schließen müssen, haben wir hier sechs Stunden nur telefoniert und Termine abgesprochen.“

Dortmunder Friseur verlegt Salon zeitweise vor die Ladentür

Das Telefon steht seitdem nicht mehr still in seinem Salon in der Dortmunder Innenstadt. Die letzten Tage vor dem Lockdown wollen er und sein Team noch mal alles geben. Am Wochenende haben sie bis 22 Uhr Haare geschnitten – und sie hätten noch länger machen können.

„Wir hatten wirklich eine Menschentraube hier vor dem Laden stehen“, erzählt Boer, während er das Gespräch immer wieder unterbricht, um Aufgaben zu verteilen. Am Ende hätten sie sogar draußen vor dem Salon geschnitten – unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen.

„Unfassbar dankbar“

Den Stress tue er sich nicht wegen des Geldes an, sagt Boer, ihm gehe es vielmehr darum, dass sich seine Kunden wohlfühlen. „Wir wollen nicht, dass unsere Kunden schlecht aussehen“, scherzt er.

Außerdem mache es gerade wirklich Spaß, zu arbeiten. „Die Kunden sind unfassbar dankbar“, meint Boer, „das ist wirklich ein toller Geist“.

Besonders froh sei er in diesen Tagen über seine Mitarbeiter. „Wir sind alle fertig. Das ist der Wahnsinn, was die gerade leisten, darüber bin ich als Chef unglaublich froh“, sagt der Inhaber.


Mehr schneiden, weniger meckern

Eins ist dem Dortmunder Friseur besonders wichtig: „Dieses Meckern muss aufhören. Die Politiker wissen es auch nicht besser.“ Boer plädiert für einen positiven Blick – so gut es eben geht. „Lasst uns jetzt bis zum 10. Januar durchziehen und zusammenhalten“, meint Boer.

Er und sein Team werden die Zeit bis zum Lockdown noch mal nutzen und so viele Kunden wie möglich bedienen. Aber: „Wir werden nur noch schneiden“, erklärt Boer, „wir machen kein Schi-Schi mehr“. Damit die nächsten vier Wochen alle ohne Friseur auskommen – so gut es eben geht.

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