Aussagen von Stadt-Vertreterin zu Mengeder Gaudium schlagen hohe Wellen

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Finden Mengeder Gaudium und Michaelisfest doch statt? Die Aussagen der Stadtbezirksmarketing-Chefin schlagen hohe Wellen. Dabei geht es nicht nur um die Definition von Großveranstaltungen.

Mengede

, 14.05.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Chefin des Mengeder Stadtbezirksmarketings hat in ein Wespennest gestochen: Antje Klein erklärte gegenüber dieser Redaktion, das Mengeder Mittelalterlich Gaudium im Juni und das Michaelisfest im September könnten trotz Corona-Krise womöglich doch stattfinden. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten.

Seit Mittwoch (13.5.) glühen in Mengede Telefondrähte, gehen Nachrichten via WhatsApp und SMS hin und her. Und dabei geht es nicht allein um die Frage, ob die beiden großen Events im Stadtbezirk Großveranstaltungen im Sinne der Corona-Schutzverordnung sind.

Gaudium-Organisatoren sind im Stand-by-Betrieb

Für Detlef Huß stellte sich diese Frage Mitte April erst gar nicht. Die Stadt hatte in einem Schreiben erklärt, angesichts der Corona-Krise ruhe der Antrag auf Genehmigung des 13. Mengeder Gaudiums für den 14. bis 16. Juni. Für Huß war die Sache damit klar: Er sagte die größte Veranstaltung im Stadtbezirk ab und ließ die Vorbereitungen ruhen. Das Schreiben der Stadt hatte ihm Antje Klein weitergeleitet.

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Nach Kleins jüngstem Statement erklärt er auf Anfrage dieser Redaktion: „Meine Leute sind im Stand-by-Betrieb.“ Zwei Wochen benötige das unentgeltlich und freiwillig tätige Organisationsteam allerdings, um das Gaudium doch noch auf die Beine zu stellen. Die Vorlaufzeit brauche es, um etwa Bühne, Müllcontainer sowie Tische und Bänke für die beliebte Veranstaltung zu organisieren.

Detlef Huß stellt aber auch klar: „Unter den Bedingungen der jetzigen Schutzverordnung ist ein Gaudium undenkbar.“ Dabei gehe es auch um die Frage, ob Speisen und Getränke im Umfeld der Stände eingenommen werden dürfen. Aber nicht nur: Beim Gaudium leben zwischen 500 und 600 Menschen in Zelt-Wohngemeinschaften zusammen. Diese Lager – 35 waren es im vergangenen Jahr – machen das Gaudium aus, sind seine Kulisse.

Überrascht über Alleingang

1,50 Meter Abstand halten? „Das funktioniert nicht“, sagt Huß. Besucher und Mitwirkende sitzen zusammen. „Das Gaudium ist ein Familienfest.“ Der Organisator und Antje Klein sind in einem Aspekt einer Meinung: Sie wollen eine klare Regelung. Huß: „Die Stadt Dortmund ist zuständig, zu erklären, was wir dürfen und was nicht.“

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Überrascht war er über den Alleingang von Klein. „Zum Stadtbezirksmarketing gehören auch Bezirksbürgermeister Tölch und gewählte Vertreter.“ Eine Abstimmung gab es offenbar nicht. Er selbst und auch der Vorsitzende des Heimatvereins, Hans-Ulrich Peuser, gehören dem Gremium an.

Zusammenstehen vor der Bühne und am Bierstand: Das Michaelisfest ist ein Treffpunkt der Menschen im Stadtbezirk.

Zusammenstehen vor der Bühne und am Bierstand: Das Michaelisfest ist ein Treffpunkt der Menschen im Stadtbezirk. © Stephan Schütze (A)

Peuser bleibt bei seiner Meinung, die er im Bericht über die Situation des Vereins geäußert hat: Auch wenn Großveranstaltungen nur bis zum 31. August untersagt sind, bleibe das absehbare Gebot von Schutz und Distanz. „Da ist der Bierstand, an dem keiner Bier trinken darf. Da ist die Bühne, wo keiner zusammenstehen darf.“ Er habe durchaus Verständnis für die Schausteller, die natürlich ein Interesse daran hätten, dass Veranstaltungen wie das Michaelisfest wieder stattfinden können.

Verärgert über Kommunikation

Aber er verweist auch auf die vielen Mitglieder der Vereine, die das Stadtbezirksfest mittragen. „In unserem Verein läuft alles über das Ehrenamt“, erklärt Hans-Ulrich Peuser. Und da gehe bei solch einer Veranstaltung die Sorge vor einer Infektion um.

„Ich kriege die Leute nicht motiviert, in einem Zelt zusammenzuarbeiten.“ So gerne wie die Ehrenamtlichen das Fest stemmen würden, „sagt der Blick ins Umfeld doch, wir müssen realistisch sein. Bei aller Liebe – es geht nicht.“

Mehr als verwundert zeigt er sich über die Kommunikation der Chefin des Stadtbezirksmarketings. „Ich bin verärgert, dass Antje Klein das so raus haut. Wenn sie anderer Meinung ist als ich, hätte sie mich auch anrufen können.“ Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sehe anders aus. „Ihr Statement ist kontraproduktiv.“

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