Das Prostituiertenschutzgesetz gibt es seit 2017. Es soll Prostituierte besser schützen. Richtig gut klappt das noch nicht, kritisieren einige Frauen der Linienstraße in Dortmund.

Dortmund

, 28.01.2019, 18:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Linienstraße ist wohl ein Ort, den viele Dortmunder nie wirklich zu Gesicht bekommen. Sie ist die Bordellstraße in der nördlichen Innenstadt. In den 16 Häusern der Straße arbeiten rund 200 Frauen als Prostituierte. Eine von ihnen ist Maja, die eigentlich anders heißt.

Maja trägt beim Pressetermin eine Perücke. Dunkles, langes Haar wallt ihr in das schmale Gesicht, sie trägt eine Sonnenbrille. Die junge Prostituierte möchte nicht erkannt werden. Seit neun Jahren bedient Maja Kunden in der Linienstraße. Wie jede der Frauen hat auch sie ein Fenster, in dem sie sich potenziellen Kunden zeigt.

Die Bordellstraße wird als Beherbergungsbetrieb geführt

Die durchschnittliche Arbeitszeit der Frauen hier liege zwischen 8 und 14 Stunden an 5 bis 7 Tagen in der Woche, heißt es im Jahresbericht der Dortmunder Mitternachtsmission für das Jahr 2017.

In der Linienstraße arbeiten die Frauen selbständig und mieten Zimmer an. Viele von ihnen sind auch in den Fenstern zu sehen. Ist einmal eine Prostituierte nicht da, hängt schon einmal ein Zettel im Fenster, der besagt, dass die Frau an diesem Tag frei hat.

In der Linienstraße arbeiten die Frauen selbständig und mieten Zimmer an. Viele von ihnen sind auch in den Fenstern zu sehen. Ist einmal eine Prostituierte nicht da, hängt schon einmal ein Zettel im Fenster, der besagt, dass die Frau an diesem Tag frei hat. © Lena Beneke

Seit 2011 ist die Straßenprostitution in Dortmund verboten – nur in der Linienstraße und dem Eckhaus Steinstraße 17 ist sie weiter erlaubt. Die Dortmunder Bordellstraße wird als Beherbergungsbetrieb geführt. Die Frauen arbeiten dort selbstständig und mieten Zimmer an. Wie lange sie arbeiten, bleibe ihnen selbst überlassen, sagt Nedo Setka. Setka ist Bordellbetreiber, in der Linienstraße betreibt er das Haus 8, in dem auch Maja arbeitet.

Das Prostituiertenschutzgesetz sorgt auch für Probleme

Prostitution in Deutschland ist bereits seit 1927 legal. Einige Gesetze wurden seither auf den Weg gebracht, um die Rechte der Prostituieren zu stärken - zuletzt war es das Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG). Das Gesetz ist seit 2017 in Kraft und regelt Rahmenbedingungen des Gewerbes - es legt also Rechte und Pflichten für Prostituierte und Gewerbetreibende im Bereich der Prostitution fest.

Prostituierte müssen so beispielsweise ihre Tätigkeit beim Ordnungsamt anmelden und sie müssen sich beim Gesundheitsamt beraten lassen. Danach bekommen sie die Anmeldebescheinigung - und einen Ausweis, der zwar auf einen Alias-Namen lauten kann, jedoch zwingend ein Lichtbild enthalten muss.

Jetzt lesen

Mitternachtsmission fordert Verbesserungen vor allem an zwei Stellen

Und da fangen die Probleme der Frauen schon an, sagt Maja. „Was, wenn dieser Ausweis in die falschen Hände fällt?“ Die Anmeldebescheinigung müssen die Frauen immer mit sich führen. Viele Frauen befürchten, dass so ihre

Tätigkeit bei der Familie, Freunden oder Arbeitgebern auffliegt.

Seit 2016 wirbt ein Plakat am Eingang der für sichere Arbeitsbedingungen in der Prostitution und weist auf das Beratungsangebot der Dortmunder Mitternachtsmission hin.

Seit 2016 wirbt ein Plakat am Eingang der für sichere Arbeitsbedingungen in der Prostitution und weist auf das Beratungsangebot der Dortmunder Mitternachtsmission hin. © Lena Beneke

Petra Papirowski und Silvia Vorhauer von der Beratungsstelle Dortmunder Mitternachtsmission können diese Sorgen gut nachvollziehen. Sie fordern für die Prostituierten gegenüber der Politik vor allem zwei Dinge: Dass über die Notwendigkeit eines Ausweises noch einmal nachgedacht werden solle und dass der Zugang zur Krankenversicherung erleichtert werden müsse.

Gemeinsam diskutierten und Sorgen ernst nehmen ist der erste Schritt

„Prostituierte ist ein Risikoberuf, Frauen, die privatversichert sind, bekommen oft hohe Beiträge auferlegt oder werden auch gar nicht erst aufgenommen“, bemängelt Silvia Vorhauer. „Das nehmen wir so mit“, bekräftigt Anja Butschkau, frauenpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im NRW-Landtag.

Gemeinsam mit der Abgeordneten Carina Gödecke (SPD) holt Butschkau an diesem Nachmittag Meinungen und Einschätzungen direkt in den Bordellen den Linienstraße ein. Es geht darum, sich vor Ort ein Bild zu machen und Schwachstellen zu finden. Der Dialog ist da - nun bleibt abzuwarten, was sich für die Frauen künftig tatsächlich auch zum Besseren wenden kann.

Gut zu wissen

Die Dortmunder Mitternachtsmission

  • Die Mitternachtsmission ist eine Beratungsstelle für Prostituierte, ehemalige Prostituierte und Opfer von Menschenhandel, die engen Kontakt zu den Prostituierten hält.
  • Ziel der Arbeit der Mitternachtsmission ist, Klientinnen zu helfen, ein gesundes, selbstbestimmtes, eigenverantwortliches Leben in Sicherheit zu führen, angstfrei und ohne finanzielle und emotionale Abhängigkeiten.
  • Die Mitarbeiter setzen sich auch für die sozialrechtliche Gleichstellung von allen in der Prostitution arbeitenden Menschen ein.
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt

Prostituierte müssen sich anmelden und brauchen einen Ausweis, Betreiber müssen ihre Zuverlässigkeit beweisen. Doch das neue Gesetz für Prostitution schützt nicht die Prostituierten, sagen Kritiker. Das Von Tobias Grossekemper

Lesen Sie jetzt