Ein Dortmunder wollte bei den Bürgerdiensten ein E-Kennzeichen für sein neues Elektroauto reservieren. Doch das verlief komplizierter als erwartet. © Oliver Schaper
Ärger über Bürgerdienste

Auto anmelden in Dortmund? „Nehmen Sie sich gleich mehrere Tage Urlaub“

Weil er ein neues Auto-Kennzeichens für ein E-Auto haben wollte, ärgerte sich ein Dortmunder über die Bürgerdienste. Die Stadt reagiert gelassen und hat einen Hinweis für die Bevölkerung.

Eigentlich wollte Hans Lippross nur ein neues Kennzeichen für sein Elektroauto reservieren. Aber dass der 78-Jährige so viel Zeit investieren muss, damit hätte er nicht gerechnet. Sein Ärger gipfelte nun in einem Schreiben an Oberbürgermeister Ulrich Sierau.

Aber von vorn: Im Gespräch mit dieser Redaktion fragt er mit spitzem Ton: „Haben Sie schon mal ein Auto an- oder umgemeldet? Dann versuchen Sie es doch bitte einmal. Nehmen Sie sich dazu aber am besten gleich mehrere Tage Urlaub, sonst sind Sie chancenlos!“

Ohne Internet kein Termin

Der ehemalige Internist, der 35 Jahre eine Praxis in der Dortmunder Innenstadt führte, hatte gleich mehrere Kritikpunkte parat. Unter anderem die Unübersichtlichkeit der Internetpräsenz der Bürgerdienste, wo er lange nach den E-Kennzeichen suchte, bis er endlich fündig wurde. „Die Vergabe von E-Kennzeichen fehlte in der Aufzählung unter dem Punkt ‚Wunschkennzeichen‘ und wurde entsprechend ergänzt“, erklärt Stadtsprecher Maximilian Löchter auf Nachfrage und ergänzt: „Das ‚E‘ auf dem Kennzeichen ist allerdings lediglich ein Zusatz auf dem Kennzeichen und kein eigenes Kennzeichen.“

Nachdem der 78-Jährige dann doch die Reservierung des E-Kennzeichens auf der Homepage der Stadt gefunden hatte, stellte er fest, dass eine Terminfindung nur per Internet möglich ist – gerade für viele Senioren ein Problem. Nicht jeder hat im hohen Alter einen Computer zu Hause oder besitzt gar ein internetfähiges Smartphone.

HINTERGRUND

  • Die Stadt Dortmund teilt mit, dass man für Terminvereinbarungen bitte nicht anrufen soll, sondern selbst online Termine buchen soll und kann.
  • Ausnahmen gelten dann, wenn man keine technische Möglichkeit hat oder es handelt sich um einen Notfall.
  • Die vielen Anrufe zu Terminvereinbarungen blockieren die Erreichbarkeit zusätzlich und damit kommen auch die Personen, die inhaltliche Fragen haben, schwer durch.

„Vorratstermine nicht erforderlich“

Als Lippross denn endlich bei der Terminsuche angelangte, stellte er fest, dass bei der zuständigen Stelle sämtliche Termine bis Ende Oktober vergeben waren. Auch in den übrigen Stadtteilen – immerhin insgesamt neun Bürgerdienste – gab es lediglich einen freien Termin. Aktuell ist es nur möglich, einen Termin bei den Bürgerdiensten 14 Tage im Voraus zu bekommen.

Warum ist dies aktuell nicht langfristiger möglich? „Täglich werden nach Verfügbarkeit zusätzliche Termine freigeschaltet. Dieser relativ kurze Vorlauf hat sich bewährt, die ‚Termintreue‘ ist erheblich gestiegen, „Vorratstermine“ sind nicht mehr erforderlich. Die Reaktionen der Bürger*innen sind insgesamt betrachtet positiv“, erklärt Stadtsprecher Löchter,

Um seinen Ärger und sein Unverständnis Ausdruck zu verleihen, wandte er sich nun mit einem Schreiben an den Oberbürgermeister, das den Ruhr Nachrichten vorliegt. Der Ur-Dortmunder beginnt den Brief mit den Worten: „Ich wende mich an Sie, da ich als Dortmunder Bürger keine Chance sehe, auf direktem Weg meine Fragen beantwortet zu bekommen.“

Schwierige Erreichbarkeit per Telefon

Weiter schreibt er: „Die telefonische Erreichbarkeit einiger Bürgerdienste ist praktisch nicht vorhanden! In den letzten Tagen habe ich mehrere Telefonstunden damit verbracht, die Kfz-Auskunft zu erreichen – ohne Erfolg. Auch die zentrale Stadtnummer war an mehreren Tagen über Stunden während der Öffnungszeiten nicht zu erreichen. Selbst die Nummer für Anregungen und Beschwerden erfordert eine unendliche Geduld und viele zeitintensive Verbindungsversuche.“

Und was meint die Stadt zu den Vorwürfen? „Durch das extrem hohe Anrufaufkommen auf der sogenannten ‚Corona-Hotline‘ sowie die erhöhten Nachfragen zu den coronabedingten Besonderheiten sämtlicher Bereiche der Stadtverwaltung ist derzeit die telefonische Erreichbarkeit der Stadtverwaltung insgesamt eher schlecht. Dies gilt aktuell auch für die Bürgerdienste. Aktuell werden verschiedene Maßnahmen – insbesondere personelle Aufstockung der Hotline – umgesetzt“, sagt Löchter, der von bis zu 1000 Anrufen pro Tag auf der Corona-Hotline berichtet.

Mittlerweile hat Hans Lippross sein E-Kennzeichen erhalten und freut sich, dass er es demnächst an sein neues Elektroauto anbringen kann.

Über den Autor
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Gebürtiger Brandenburger. Hat Evangelische Theologie studiert. Wollte aber schon von klein auf Journalist werden, weil er stets neugierig war und nervige Fragen stellte. Arbeitet gern an verbrauchernahen Themen, damit die Leute da draußen besser informiert sind.
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Maximilian Konrad

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