Nach Konflikt im Seniorenheim: Leitung erklärt das temporäre Besuchsverbot

mlzCorona-Krise

Ist ein Besuchsverbot in einem Seniorenheim gerechtfertigt, wenn dort Corona-Fälle aufgetreten sind? Zu dieser Frage gab‘s in Dortmund-Eving einen Konflikt. Nun erklärt sich die Heimleitung.

Eving

, 20.11.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nachdem in der Awo-Seniorenwohnstätte Eving am Süggelweg Mitarbeiter positiv auf Corona getestet worden waren, hat die Einrichtung in Absprache mit dem Dortmunder Gesundheitsamt ein vorübergehendes Besuchsverbot erlassen. Das hatte ein Angehöriger massiv kritisiert und unter anderem auf die Corona-Schutzverordnung verwiesen, die erklärt, man dürfe Betroffene nicht komplett isolieren.

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Der Awo-Unterbezirk Dortmund und die Einrichtungsleitung reagieren nun auf den Vorwurf und erklären, welche zusätzlichen Belastungen der Besucherverkehr für eine solche Einrichtung mit sich bringe.

Laut dem Bereichsleiter Senioren im Awo-Unterbezirk, Mirko Pelzer, musste das Haus nach der Wiedereröffnung um den Muttertag herum eigens Personal abstellen, um die Besucher zu empfangen, in Listen einzutragen und Fieber zu messen.

Und weil es immer einige Zeit brauche, bis sich neue Regeln eingeschliffen haben, sei der Kontakt mit den Besuchern diskussions- und zeitintensiv gewesen. Nicht jeder habe sofort die Hygieneregeln, die Maskenpflicht, das Einbahnstraßensystem oder die Beschränkung auf maximal zwei Besucher pro Bewohner verstanden und akzeptiert.

Die Awo-Seniorenwohnstätte am Süggelweg in Eving ist derzeit für Besucher geschlossen

Die Awo-Seniorenwohnstätte am Süggelweg in Eving ist derzeit für Besucher geschlossen. © Andreas Schröter

Als nun in der zweiten Welle zwei Mitarbeiter positiv auf Corona getestet und acht weitere in Quarantäne geschickt worden waren, habe die Einrichtungsleitung nach telefonischer Absprache mit dem Gesundheitsamt entschieden, die Einrichtung für Besucher zu schließen. Wenige Tage später habe das Gesundheitsamt das auch schriftlich bestätigt.

Aktuell sind es vier Mitarbeiter, die positiv getestet worden sind, fünf weitere sind noch in Quarantäne. Die Einrichtung hat insgesamt 100 Mitarbeiter, viele davon arbeiten in Teilzeit. In diesen Tagen erfolgt eine Reihenuntersuchung, bei der alle Mitarbeiter und Bewohner des Hauses auf Corona getestet werden.

„95 Prozent der Besucher haben Verständnis“

95 Prozent der Bewohner und Angehörigen hätten Verständnis für diese Maßnahmen, so Pflegedienstleiter Tom Sebastian. Und Mirko Pelzer sagt: „Wir bitten einfach um etwas Geduld. Wir tun unser Möglichstes, um die Einrichtung möglichst bald wieder zu öffnen. Alle Mitarbeiter verstehen den Wunsch der Angehörigen, ihre Lieben wieder besuchen zu wollen.“

Und weiter: „Für die Geduld und das Verständnis für die momentane Situation möchte ich mich bei allen Angehörigen bedanken. Mein ganz besonderer Dank geht in diesen Wochen an alle Beschäftigten in der Seniorenwohnstätte-Eving, die in dieser herausfordernden Zeit mit Anforderungen zu kämpfen haben, die sie bisher noch nie erlebt haben. Private Bedürfnisse werden zurückgestellt, um den Dienst in der Einrichtung zu leisten. Ohne dieses Engagement wäre eine Bewältigung der Krisensituation nicht möglich.“

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