Abstand beim Tanzen: Wie funktioniert Ballett unter Corona-Bedingungen?

mlzTheater Dortmund

Ballett bedeutet viel Körperkontakt und viele Tänzer, die sich gleichzeitig auf der Bühne befinden. Doch wie ist das eigentlich in Corona-Zeiten? Ein Blick hinter die Kulissen.

Dortmund

, 16.10.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Bühne ist riesig. Zwei Tänzer – ein Mann und eine Frau – befinden sich auf gegenüberliegenden Seiten und stehen meterweit entfernt voneinander. Sie halten Abstand voneinander. Dann startet die Musik. Jeder führt seine Bewegungen aus und gibt seinen Körper den Tönen hin. Zunächst sieht alles danach aus, als ob jeder Tänzer seine Performance für sich darbietet. Aber dann nähern sich die beiden an und es kommt zum Kontakt: Er hebt sie in die Luft und lässt sie durch die Luft gleiten.

Eine klassische Szene aus dem Ballett – zu sehen bei einer Probe für das neue Stück am Dortmunder Theater. Aber geht das in Corona-Zeiten? Ballett ohne Berührungen?

„Sicher halten wir uns an die Abstandsregeln. Innerhalb einer Gruppe jedoch dürfen sich die Tänzer und Trainer gegenseitig berühren. Um einen Kontakt der Gruppen zu vermeiden, trainieren sie seit Wochen in der jeweiligen festen Konstellation immer getrennt“, erklärt Ballettmanager Slava Tütükin.

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Und obwohl es ohne Berührungen im Ballett einfach nicht geht, heißt das neue Stück „Abstand“. Aktuell laufen die Proben. Die Uraufführung ist für den 17. Oktober (19.30 Uhr) geplant. Ein Trailer des Stückes ist unter www.theaterdo.de zu sehen.

„Ein ganz neues Denken“

Schwerpunkt des Bühnenwerks ist das Leben unter Corona-Bedingungen. Es soll die gesellschaftlichen Veränderungen widerspiegeln und die Situation zeigen, wie groß die Sehnsucht nach Rückkehr zur gewohnten Normalität ist. Ballettintendant Xin Peng Wang spricht davon, wie das Virus sein Leben verändert hat. „Corona hat ein ganz neues Denken bei mir ausgelöst. Ich denke, die Pandemie kann Auswirkungen für ganze Generationen haben.“

Im Stück werden Szenen der Corona-Zeit gezeigt. Ein Mann fährt auf einem Fahrrad mit einem Wasserbehälter auf dem Kopf über die Bühne, viele Tänzer tragen Maske, eine Tänzerin hat ein Face Shield vor der Nase. Hinauslaufen soll es darauf, dass am Ende die Aussicht auf Hoffnung auf eine bessere Zeit steht. „Wir wollen uns mit dem Stück den Alltag wiederholen“, sagt der Pressesprecher des Dortmunder Theaters, Alexander Kalouti.

Proben vor dem Bildschirm

In den ersten Wochen des Lockdowns mussten alle für die Proben erfinderisch werden. „Wir haben uns in einer Videokonferenz getroffen. Die Musik kam aus Frankreich, weil der Pianist nicht mehr nach Dortmund kam. Der Ballettmeister saß in Hamburg und die Tänzer waren hier in Dortmund“, beschreibt Ballettmanager Tütükin.

Auch die Bewegung "Fridays for Future" - hier im Hintergrund Greta Thunberg zu sehen - spielt im Stück eine Rolle.

Auch die Bewegung "Fridays for Future" - hier im Hintergrund Greta Thunberg zu sehen - spielt im Stück eine Rolle. © Leszek Januszewski/ Theater DO

„Wir haben in der ersten Zeit, so gut es geht, zu Hause trainiert“, sagt Tänzerin Stephanine Ricciardi. Die Brasilianerin ist seit 2012 Teil des Balletts Dortmund. Eigentlich nutzt sie die spielfreie Zeit im Sommer, um in die Heimat zu fliegen. Das war nun wegen Corona jedoch nicht möglich. „Im vergangenen Jahr war ich zum letzten Mal in Brasilien“, erzählt sie.

Doppelte und dreifache Arbeit

Für die Karriere nach der Zeit als Tänzerin hat Ricciardi nun in der Corona-Zeit begonnen, die Kostüme des Balletts zu designen. So werden die Tänzer des Stückes „Abstand“ zum ersten Mal mit ihren entworfenen Kleidungsstücken auftreten.

Nach dem Lockdown wurden alle Tänzer in feste Gruppen einsortiert, die jeweils zu unterschiedlicher Zeit probten. Das hatte jedoch auch zur Folge, dass alles doppelt und dreifach gemacht werden musste. „Aufgrund der Trennung in Gruppen mussten die Proben und Trainings doppelt stattfinden. Das bedeutete auch doppelte Arbeit für die Ballettmeister und das Team“, erklärt Ballettmanager Tütükin den größeren Aufwand.

„Wir haben teilweise von 10 bis 23 Uhr gearbeitet. Aber andererseits hat sich für uns bei der Arbeit mit Kleingruppen auch eine neue Perspektive ergeben, weil wir vorher nur alle zusammen in der großen Gruppe zusammen trainiert haben“, sagt Intendant Xin Peng Wang.

Das Stück

Abstand

  • Insgesamt sind sechs Vorstellungen des Stückes „Abstand“ geplant.
  • Die Termine: 17. Oktober, 25. Oktober (15 und 19 Uhr), 31. Oktober, 7. November und 14. November.
  • Während der Aufführungen gibt es wegen der Hygieneregeln keine Pause, damit es zu keinen Menschenansammlungen kommt.
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