Alle kriminell? Barbiere wehren sich nach Anfeindungen von Friseuren

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Das Image von Barbieren könnte besser sein - es gibt Vorwürfe der illegalen Berufsausführung und der Schwarzarbeit. Doch Saeid Moori und Ugur Karakuzulu verteidigen ihren Berufsstand.

Dortmund

, 16.11.2020, 04:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die gesamte Einrichtung des „Barber Rooms“ in Dortmund ist im 60er-Jahre-Stil gehalten. Schwarze Wände, dunkle Möbel, Bilder und Kronleuchter im passenden Stil - sogar die Kaffeemaschine stammt aus dem lange vergangenen Jahrzehnt. Ein Zeitschriftenhalter ist an der Wand gegenüber der Bar befestigt: Playboy-Magazine liegen darin bereit.

Das Konzept des Barber-Shops setzt auf einen edlen Look und soll vor allem Männer ansprechen. So wirbt der Salon auf seiner Website auch mit dem Slogan: „Kommen Sie vorbei und gehen Sie wie ein echter Gentleman.“

Ungeklärte Berufsverhältnisse zwischen Barbieren und Friseuren

Doch das Image der Barbiere ist umstritten. Insbesondere einige Friseure äußern die Bedenken, dass in der Branche nicht immer alle Standards eingehalten würden. Vom Zentralverband des Friseurhandwerks gibt es unter anderem den Vorwurf der Schwarzarbeit.

Die Inhaber des Barber Rooms in Dortmund verteidigen ihren Berufsstand: Sie stehen mit Leidenschaft für die Prinzipien der Barbiere, denn nicht immer werde getrickst. Doch auch sie äußern ein klares Problem der Branche: die ungeklärten Berufsverhältnisse.

Saeid Moori ist einer der beiden Inhaber des Barber Rooms an der Hohen Straße. Seit mehr als 25 Jahren geht er als Barbier seinem Handwerk nach. Im Alter von 13 Jahren hatte er zum ersten Mal ein Rasiermesser in der Hand. „Die Leidenschaft ist schwer zu beschreiben“, sagt er: „Es ist eine Kunst, die mit einer bestimmten Harmonie erfüllt ist.“

Es sei die sehr individuelle Arbeit am Kunden, die die Besonderheit der Barbiere ausmacht. „Wir nehmen uns hier Zeit, beraten unsere Kunden. Das ist hier keine Massenabfertigung“, erklärt Moori.

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Dem stimmt auch sein Co-Inhaber zu: „Hierher zu kommen, das ist für die Männer wie Urlaub, das ist Entspannung pur“, sagt Ugur Karakuzulu.

Der Salon wolle sich mit dieser Philosophie von anderen Läden absetzen, oft gehe es eben doch um Quantität statt Qualität. Und dies führe auch zu dem teilweise schlechten Image der Barber-Branche, vermutet Karakuzulu.

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Friseurmeister Marlon Uszkureit vom Salon Schnitt-Stelle in Dortmund steht dem Barbier-Handwerk allgemein sehr positiv gegenüber. Die Spezialisierung auf Rasur und Bartpflege tue der Branche gut.

„Das schafft ein neues Bewusstsein für Männerpflege und ist eine Belebung unserer Branche“, sagt er. Er sehe auch keine Konkurrenz darin, wenn Barber-Shops zusätzlich zur Bartpflege auch Kopfhaar-Behandlungen anbieten: „Wenn sie es denn legal tun.“

Saeid Moori geht seinem Handwerk seit mehr als 25 Jahren nach.

Saeid Moori geht seinem Handwerk seit mehr als 25 Jahren nach. Er möchte seinen Kunden ein individuelles Erlebnis bieten. © Tabea Prünte

Denn genau da liege das Problem. Häufig werde die sogenannte Meisterpflicht umgangen. So müssen Salons, die die Behandlung der Kopfhaare anbieten, mindestens eine Person mit einem Meistertitel beschäftigen.

Wenn Barbiere nun aber das Schneiden des Kopfhaares anbieten, obwohl dies ursprünglich anders mit der Handwerkskammer geregelt ist, machen sie dies illegal. „Und dann kommt es zur Wettbewerbsverzerrung, da sie diese Leistung zu niedrigeren Preisen anbieten können“, befürchtet Uszkureit.

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Preis-Dumping und das Umgehen von Tariflöhnen - der Handwerkskammer Dortmund sind diese Vorwürfe bekannt. Sie führt dementsprechende Kontrollen durch. Doch sei die Umgehung der Meisterpflicht kein alleiniges Phänomen der Barber-Shops, sondern komme zu gleichen Teilen auch in Friseursalons vor. „Wir sind natürlich darum bemüht, möglichst regelmäßig und flächendeckend zu kontrollieren“, erklärt dazu Lothar Kauch von der Handwerkskammer Dortmund.

Im gesamten Stadtbereich seien derzeit 465 Betriebe im Bereich Friseurhandwerk angemeldet, wozu auch die Barber-Shops zählen. Sobald der Handwerkskammer Unregelmäßigkeiten in einem Betrieb bekannt werden, drohen Konsequenzen „bis hin zur Betriebsschließung“, so Kauch. In den meisten Betrieben werden die üblichen Standards aber eingehalten, sagt er weiterhin.

Vorurteile führen zu Vorwürfen

Warum das Image der Barbiere trotzdem oft relativ schlecht ist, dafür hat Kauch eine klare Vermutung: „Wir haben bei Kontrollen auch diverse Vorurteile festgestellt.“ So werden Baber-Shops oftmals von Personen mit Migrationshintergrund geführt. Dabei sage das natürlich nichts über die Verhältnisse im Betrieb aus, sagt Kauch.

Dass die Vorwürfe im Raum stehen, liege vielmehr an einer Gesetzänderung, die es Unternehmern auch ohne Meistertitel ermöglicht, einen Salon zu eröffnen. Bis 2004 war dies nicht möglich. „Diese Änderung lässt natürlich Raum für Tricksereien“, sagt Kauch. Doch noch einmal betont er: Das Thema habe nicht nur in Bezug auf Barber-Shops, sondern ebenso bei anderen Betrieben eine gewisse Brisanz.

Saeid Moori möchte mit dem Stereotyp brechen

Die Meisterpflicht umgeht Moori in seinem Salon nicht, er halte sich an alle Vorschriften. Doch er äußert Kritik am deutschen Ausbildungssystem. Seiner Meinung nach müsse der Berufsstand der Barbiere als etablierter Ausbildungsberuf anerkannt werden, so würden sich auch andere „Tricksereien“ erübrigen.

Er könne auch konkurrierende Salons nicht verstehen, die sich nicht an geltendes Recht halten. „Die machen das dann nicht aus Leidenschaft. Jeder, der Ahnung hat und sich als Barbier bezeichnet, nimmt sich Zeit für die Kunden“, sagt er. „Das ist ja quasi Selbstverarschung, davon hat niemand etwas. Nicht der Kunde, nicht der Friseur und auch nicht der Barbier.“

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