Kühe knöcheltief im Kot – so verteidigt sich der Bauer

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Die schlimmen Zustände in zwei Kuhställen auf einem Bauernhof in Dortmund sind beseitigt. Die Kühe stehen wieder auf dem Trockenen. Doch der Tierschutzverein Arche90 ist skeptisch.

Schwieringhausen

, 04.07.2019, 11:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach einem anonymen Hinweis hatten Tierschützer der „Arche90“ sich am Montag (1. Juli) selbst ein Bild vor Ort gemacht. Auf dem Hof Kampmann in Schwieringhausen trafen sie in zwei Ställen auf junge, total verdreckte Kühe, die knöcheltief in ihrem Kot und Urin standen. „Ein schreckliches Bild“, sagt Gaby Bayer von Arche90.

Landwirt Bernhard Kampmann hat dem Veterinäramt und am Donnerstag im Gespräch mit dieser Redaktion die schlimmen Zustände so erklärt: „Einer der Ställe war relativ voll Mist. Es stand sowieso an, ihn zu entmisten. Die Tiere haben wegen der hohen Temperaturen am Wochenende mit der Tränke gespielt und so den Stall unter Wasser gesetzt. Dann haben sie sich hineingelegt, um sich abzukühlen.“ Das Gleiche habe sich auch im zweiten, zuvor frisch entmisteten Stall abgespielt.

Tiere haben mit der Wassertränke gespielt

Zur Erklärung: Die Ställe sind mit Selbsttränken ausgerüstet, die die Tiere selbst bedienen können. Das heißt, sie können so viel trinken, wie sie wollen, beziehungsweise auch Wasser überlaufen lassen. Und das haben sie laut Veterinäramt wohl sehr lange gemacht. Der sichtbare Flüssigkeitsspiegel habe hauptsächlich aus Wasser bestanden, teilt die Stadt mit: „Die Anschmutzungen der Haut und des Haarkleids resultieren daraus, dass sich die Tiere in das Wasser gelegt haben, um sich abzukühlen.“

Da sagt auch Landwirt Kampmann. Er hat die Überschwemmung inzwischen beseitigt, den aufgeweichten Dung entfernt und neu mit frischem Stroh eingestreut. Das sei schon passiert, bevor das Veterinäramt am Dienstag vor Ort gewesen sei, betont der Bauer.

Veterinäramt: Kein Verstoß gegen den Tierschutz

„Die Tiere stehen wieder auf trockenem Untergrund“, bestätigte das Veterinäramt. Die Aufstallung der rund 30 betroffenen Rinder – je zur Hälfte vier Monate und knapp anderthalb Jahre alt , entspreche den rechtlichen Vorgaben (Tiefstreuhaltung auf Stroh), heißt es weiter.

Für das Veterinäramt kann nicht von tierschutzwidrigen Zuständen gesprochen werden: Die Überschwemmung resultierte aus dem Verhalten der Tiere selbst und führte sozusagen „gewollt“ zu einem für die Tiere behaglichen Zustand, da sie sich mit Wasser abkühlen konnten. Auch wenn die Tiere nicht dem nassen Untergrund entweichen konnten, wie es in der Natur zum Beispiel bei Wasserbüffeln wäre, hätte das „nicht zu Leiden oder Schäden geführt.“ Die Tiere hätten nur kurz „im Wasser“ gestanden. Es werde eine unangemeldete Nachkontrolle geben.

Arche90: Missstände gibt es seit Monaten

Arche90 traut der Aussage des Landwirts nicht, dass die Zustände aus der Hitze und dem Spieltrieb der Tiere resultierten. „Wir haben die Information, dass es dort schon seit Monaten so ausgesehen hat“, sagt Gaby Bayer, „wenn der Bauer es nicht schafft, seine Tiere zu versorgen, muss er sie reduzieren. Die Tiere dürfen jedenfalls nicht leiden.“

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Kühe in der Gülle

Rund 30 Kühe standen auf einem Bauernhof in Dortmund-Schwieringhausen knöcheltief in ihrem Kot und Urin. Laut Landwirt hatten sie ihren Stall mit der Selbsttränke unter Wasser gesetzt. Inzwischen ist der Stall wieder trockengelegt.
04.07.2019
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Eine der Kühe in dem Stall in Schwieringhausen© Arche 90
So sah es in zwei Ställen aus, in denen insgesamt rund 30 Kühe stehen.© Arche90
Blick auf die Zustände.© Arche90
Eine der betroffenen Kühe© Arche90
Auch diese Kuh ist total verdreckt und hängt mit dem Maul in der Gülle.© Arche90

Bernhard Kampmann sagt selbst: „Das sah nicht schön aus. Das konnte nicht so bleiben.“ Doch eine Hilfskraft könne er sich nicht leisten. „Soll ich dann noch weniger verdienen?“, fragt der 58-Jährige. Als Bauer werde er sowieso im Stich gelassen. Es sei alles wieder viel zu trocken, die Maisernte drohe viel zu gering auszufallen. „Da hilft uns keiner.“

Bernhard Kampmann ist einer von zwei Milchbauern in Dortmund. In seinen Ställen stehen insgesamt knapp 180 Rinder. Sorge, keinen Nachfolger für seinen Hof zu finden, hat der Landwirt nicht. Von seinen vier Töchtern studiere die älteste Landwirtschaft und wolle den Hof mal übernehmen und auch die jüngste sei interessiert.

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