Susanne Kurzhals (r.) mit ihrer Mutter Adelheid Siedler. © Privat
Corona-Pandemie

Beerdigung in Corona-Zeiten: „Habe die ganze Zeit in die Maske geweint“

Einen Menschen zu verlieren, ist in diesen Zeiten besonders schwer. Gerade wenn man nicht die Möglichkeit hat, sich gebührend von der geliebten Person zu verabschieden. Eine Betroffene erzählt.

Vom Tod ihrer Mutter erfuhr Susanne Kurzhals am Telefon. „Sie ist im Pflegeheim verstorben. Leider konnte ich vor ihrem Tod nicht in die Einrichtung, weil die Station gesperrt war, da es einen Corona-Fall gab“, erzählt sie. Auch deshalb hat sie sich viele Gedanken rund um den Tod ihrer Mutter gemacht.

Wie ist sie gestorben? Woran genau? Und gibt es eine Verbindung mit einer Corona-Infektion? Zwar wurde wenig später „Herzversagen“ als Todesursache festgestellt. Aber eigentlich wirkte ihre Mutter noch recht lebendig, findet Susanne Kurzhals. „Für mich ist sie völlig unerwartet gestorben. Aber ich wollte im Nachhinein auch nicht herausfinden lassen, ob es einen Zusammenhang mit Corona gibt. Wobei ich auch nicht weiß, ob das überhaupt möglich ist.“

„Bei uns im Wohnzimmer war es viel persönlicher“

Kurz nach ihrem Tod konnte sie ihre Mutter im Pflegeheim nochmal sehen und sich von ihr verabschieden. Wenig später begannen dann die Vorbereitungen der Beerdigung, bei der diesmal alles anders werden sollte im Vergleich zum Jahr 2009.

Vor elf Jahren musste die 53-Jährige bereits ihren Bruder zu Grabe tragen. Daher kann sie die Ereignisse gut vergleichen. „Es fing schon damit an, dass wir uns mit der Ansprechpartnerin des Bestattungsunternehmens nicht bei uns Zuhause sondern vor Ort im Büro getroffen haben. Das war natürlich eine ganz andere Atmosphäre. Bei uns im Wohnzimmer war es viel persönlicher.“

Geschwister der Toten konnten nicht kommen

Danach ging es darum, den Termin der Trauerfeier an Familienmitglieder, Freunde und Verwandte weiterzugeben. Gleichzeitig sollte dabei herausgefunden werden, wer alles zur Beerdigung kommt. Doch das war gar nicht so einfach. Schon am Telefon spürte Susanne Kurzhals, dass viele etwas herumdrucksten. „Wir wollten auch nicht, dass sich jemand genötigt fühlt zu kommen. Wir wollten keinen unter Druck setzen.“

Sie könne verstehen, dass Menschen in diesen Zeiten andere Kontakte meiden. Dennoch sei es sehr schade gewesen, dass bei der Trauerfeier nur neun Personen zusammenkamen, obwohl zum Zeitpunkt der Beerdigung eigentlich 16 erlaubt gewesen wären. Selbst die Geschwister der Toten konnten nicht kommen, weil sie Risikopatienten sind und das Risiko vermeiden wollten.

Begrüßung mit Fuß oder Ellenbogen

Die Trauerfeier verlief für die 53-Jährige und alle anderen Beteiligten sehr komisch. Man habe sich nicht in den Arm nehmen können. „Stattdessen haben wir das Drücksymbol aus der Ferne gemacht, um wenigstens etwas Nähe zu erzeugen. Am Anfang haben wir uns mit Berührungen des Fußes oder des Ellbogens begrüßt. Auch in der Trauerhalle standen wir sehr weit auseinander.“ Zudem musste jeder seine Maske aufbehalten. „Ich habe die ganze Zeit in meine Maske geweint“, erzählt die Verwaltungsangestellte.

Damit auch die Menschen, die nicht anwesend sein konnten, die Beerdigung sehen können, wurde alles auf Video aufgenommen. So könne man sich alles in Ruhe nochmal anschauen. Am Tag der Bestattung hätte sie wenig klare Gedanken fassen können, berichtet Susanne Kurzhals, die ihre Mutter neun Jahre Zuhause pflegte, bevor sie ihre letzten Jahre im Pflegeheim verbrachte.

Kein Leichenschmaus möglich

Nach der Beerdigung ist es normalerweise üblich, einen Leichenschmaus zu veranstalten. Bei Kaffee und Kuchen kommen alle zusammen, um an den Gestorbenen zu erinnern – aber das war unter den aktuellen Umständen auch nicht möglich.

„Das tat uns schon sehr weh. Eigentlich schaut man sich zusammen Bilderalben an und erzählt sich die eine oder andere Anekdote. Ich kann mich noch erinnern, wie wir damals bei der Beerdigung meines Bruders im Garten saßen. Der Austausch befreit etwas das gedrückte Gefühl im Herzen. Aber diesmal haben wir uns alle gleich nach dem Friedhof getrennt.“

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Gebürtiger Brandenburger. Hat Evangelische Theologie studiert. Wollte aber schon von klein auf Journalist werden, weil er stets neugierig war und nervige Fragen stellte. Arbeitet gern an verbrauchernahen Themen, damit die Leute da draußen besser informiert sind.
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Maximilian Konrad

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