300 Plakate in der Nordstadt sollen Geschäften durch die Krise helfen

mlzCorona-Hotspot

Viele mehrsprachige Plakate wurden in den vergangenen Tagen in der Nordstadt aufgehängt. Die Kampagne einer Beratungsagentur soll die Unternehmer in dem Corona-Hotspot stützen.

Nordstadt

, 06.11.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Stil eines Ortsschildes zieren große Plakate seit einigen Tagen rund 300 Schaufenster zwischen dem Dortmunder Hafen und dem Borsigplatz.

Der Zweck der Kampagne: Sie soll auf die Kleinunternehmer im Corona-Hotspot Dortmund-Nordstadt aufmerksam machen.

"Mehr als nur die Unternehmer von nebenan"

In neun verschiedenen Sprachen werden Kunden von den Schildern begrüßt. Auf der Rückseite prangt jedoch immer die gleiche Botschaft: „Wir sind für Sie da.“

Daneben der Begleittext: „Wir Nordstädter halten zusammen. Denn wir sind mehr als nur die Unternehmer von nebenan. Genau wie Sie mehr sind als nur ein Kunde von gegenüber. Uns verbindet so vieles. Zusammen sind wir die Nordstadt.“

Die Plakate gehören zu einer Kampagne der Politik- und Unternehmensberatungs-Gesellschaft „Madani & Morgan“ aus Wuppertal. Ziel sei es, die Sichtbarkeit der Unternehmer zu stärken und ihre Existenz zu sichern, erklärt Jade Madani, Partner bei Madani & Morgan.

Kommunikation zwischen Nordstädtern und Stadt fehle

Madani ist überzeugt, dass die Kleinunternehmer aus der Nordstadt ihr Potenzial nicht ausschöpfen. „Ihnen fehlt Selbstbewusstsein“, findet er. Viele der Unternehmer seien noch unsichtbar, dies wolle der Unternehmensberater mit der Kampagne ändern. „Einige der Geschäfte sind noch nicht mal bei Google Maps zu sehen.“

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Außerdem fehle die Kommunikation zwischen der Stadt Dortmund und den Kleinunternehmern der Nordstadt. So hätten viele noch nicht gewusst, welche neuen Regeln mit der neuen Corona-Schutzverordnung gelten, sagt Madani.

„Die Menschen hier haben alle dieselben Probleme, Werte und Sorgen.“ Es herrsche zwar eine gewisse Grundzufriedenheit unter den Unternehmern, das Gemeinschaftsgefühl sei aber noch ausbaufähig, findet Madani.

Die Plakate haben wohl noch einen anderen Nebeneffekt. „Mit den Plakaten zeigen die Unternehmer, dass sie geöffnet haben und zum Beispiel Essen abgeholt oder geliefert werden kann. Die Kunden sehen 'ach, die haben geöffnet'“, so Madani. So wolle man gleichzeitig versuchen, Schließungen zu verhindern.

Kaufmänner, Gesprächspartner, Wunscherfüller

Für den Unternehmensberater seien die Nordstädter viel mehr als nur Unternehmer. „Sie haben eine ganz andere Kundenbindung als klassische Unternehmen in Nordrhein-Westfalen.“

Sie seien Kaufmänner, Gesprächspartner, Wunscherfüller und Tröster in einem. „Diese sympathische Unternehmensführung ist eine klare Chance für die Nordstadt.“ Mit der kultursensiblen Unternehmensberatung wolle man einen Beitrag leisten und dies in Erinnerung rufen, so Madani.

Der Kleinunternehmer Herr Yalcin vom „Yalcin Market" an der Dürener Str. kann das nur bestätigen: „Bei uns sind alle willkommen. Egal ob Deutscher, Türke oder Araber - zusammen lachen und trauern wir. Gerade in Zeiten von Corona spüre ich die Solidarität des Quartiers.“

Für den Unternehmensberater sei das einzigartig. „Herr Yalcin ist eine wirklich besondere Figur. Er begrüßt jeden Kunden in seiner Muttersprache. Mit seinem Humor ist er eine Perle inmitten der Probleme in der Nordstadt.“

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