Beratungsstelle geschlossen – Dortmunder kommen nicht an ihre Steuerunterlagen

mlzLohnsteuerhilfe Ruhr

Die Beratungsstelle der Lohnsteuerhilfe Ruhr in Dortmund ist zu. Wer dort seine Unterlagen abgegeben hat, hat nun ein Problem: Wichtige Dokumente liegen hinter verschlossenen Türen.

Dortmund

, 01.02.2019, 14:32 Uhr / Lesedauer: 3 min

Hermann Klein ist ratlos. Seit dem 31. Dezember ist die Beratungsstelle der Lohnsteuerhilfe Ruhr in Dortmund geschlossen. Das Problem: Wer dort seine Dokumente und Steuerunterlagen abgegeben hat, kommt an eben diese nicht mehr ran, um sie beim Finanzamt einzureichen. Die Unterlagen liegen im Büro der Beratungsstelle und sogar die Vereinszentrale in Unna bekommt keinen Zugang.

Der Dortmunder Hermann Klein ist einer der Betroffenen. Er will seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen, bevor das Problem mit den Unterlagen aus der Welt ist. Aber Klein, wie wir ihn hier nennen, fühlt sich hilflos. Das für ihn zuständige Finanzamt mahnt, er solle bis Februar seine Steuererklärung abgeben. Doch wie? An die Originale, die er schon im September 2018 dem Verein überlassen hat, kommt er nicht ran, sie liegen in der geschlossenen Beratungsstelle. „Ich weiß gar nicht, was ich da tun kann.“

Die Finanzbehörden sind über die Situation informiert

Manuela Sloboda-Lüke, Mitbegründerin und Vorsitzende der Lohnsteuerhilfe Ruhr, kann die Verunsicherung der Mitglieder in Dortmund nachvollziehen. „Wir tun unser Bestes, um vor allem Kunden, bei denen es drängt, schnell zu helfen.“ Dazu gehöre auch die Kommunikation mit den zuständigen Finanzämtern, die über die Situation inzwischen informiert seien.

Ziel von Lohnsteuervereinen ist es, auch Menschen mit geringerem Einkommen eine steuerliche Beratung zu ermöglichen. Jeder Verein legt die Beiträge selbst fest. Der Mitgliedschaftsbeitrag ist in den Vereinen in der Regel ein sozial gestaffelter Jahresbeitrag, so auch bei der Lohnsteuerhilfe Ruhr.

Es könnten mehrere Hundert Dortmunder betroffen sein

Wie viele Mitglieder die Dortmunder Beratungsstelle der Lohnsteuerhilfe Ruhr hat, kann Sloboda-Lüke nicht beziffern – auch die Zahl der Betroffenen, die dringend ihre Unterlagen einreichen müssen, ist daher vorerst unklar. „Wir kommen nicht an die Mitglieder-Listen, die Liste, die mir vorliegt, ist leider unvollständig“, beschreibt Manuela Sloboda-Lüke die Situation. Es könnten aber wohl mehrere Hundert Dortmunder betroffen sein.

Der Oberfinanzdirektion Nordrhein-Westfalen (OFD) obliegt die Aufsicht über die Lohnsteuerhilfevereine, die ihren Sitz in Nordrhein-Westfalen haben. Sie prüft beispielsweise die Eignung der Beratungsstellenleiter. Die OFD teilt auf Anfrage mit, dass es sich bei der Schließung der Beratungsstelle um verwaltungsinterne Entscheidungen handele und daher keine Auskünfte gegeben werden könnten.

Mitarbeiter in anderen Büros versuchen, den Dortmundern zu helfen

Sloboda-Lüke stellt klar: „Die Beratungsstelle wurde auf Veranlassung der Oberfinanzdirektion in Münster zum 31. Dezember geschlossen.“ In der Beratungsstelle Dortmund habe es in den vergangenen Monaten personelle Probleme gegeben, sodass keine ausreichende Betreuung mehr gegeben sei. Die Mitarbeiter in den anderen Büros bemühten sich nun, die Dortmunder aufzunehmen oder weiterzuvermitteln.

Beratungsstelle geschlossen – Dortmunder kommen nicht an ihre Steuerunterlagen

Auch dieser Zettel sei nicht korrekt, sagt Manuela Sloboda-Lüke. Briefe, sagt sie, sollten an die Zentrale der Lohnsteuerhilfe Ruhr, Schäferstraße 3-5 in 59423 Unna geschickt werden. © Lena Beneke

Im Dezember 2018 hatte die Zentrale der Lohnsteuerhilfe Ruhr in Unna mitgeteilt, dass die Beratungsstelle Dortmund zum 31.12.18 schließe und allen Mitgliedern ein außerordentliches Kündigungsrecht zustehe. Auch Mitgliedsbeiträge müssten nicht mehr gezahlt werden, heißt es in dem offiziellen Dokument. Soweit die Lage im Dezember.

Im Januar 2019 traf dann bei Hermann Klein ein weiterer Brief ein, der ihn irritierte. Beiträge würden fällig, ein Umzug stehe an, Verzögerungen werde es voraussichtlich nicht geben, heißt es da. Auch interne Personaldebatten um den Vorsitz des Vereins thematisierte der Brief, den der einstige Vorstand unterzeichnet hat.

Briefe, so der Verein, sollten an die Zentrale in Unna geschickt werden

An der Tür der geschlossenen Beratungsstelle in der Robert-Koch-Straße findet sich ein Zettel, der ebenfalls nicht auf eine Schließung hindeutet. „Wir haben Betriebsferien“ und „Unterlagen können jederzeit bei uns eingereicht werden“ heißt es da.

Manuela Sloboda-Lüke betont, der Brief aus dem Januar und auch der Aushang vor Ort entbehrten jeder Grundlage. Die Beratungsstelle sei geschlossen. Briefe, sagt sie, sollten an die Zentrale, Schäferstraße 3-5 in 59423 Unna geschickt werden.

Für eine Stellungnahme war der ehemalige Vorstand bisher nicht erreichbar. Am Montag (4.2.) treffen sich die Lohnsteuerhilfe Ruhr und der ehemalige Vorstand, der die Briefe verschickt hat und den Zutritt zur Beratungsstelle verwehrt vor dem Dortmunder Amtsgericht. Der Verein will Klarheit schaffen, nicht nur bezüglich der versendeten Briefe, sondern möglichst auch bezüglich des Zugangs zur Beratungsstelle.

Gut zu wissen

Der BLV und die Lohnsteuerhilfe Ruhr

  • In Deutschland gibt es insgesamt 795 Lohnsteuerhilfevereine. Mehr als 300 der Vereine sind Mitglied im Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine (BLV), auch die Lohnsteuerhilfe Ruhr zählt dazu.
  • Der BLV sitzt in Berlin, er fördert und vertritt unter anderem die Interessen seiner Mitglieder. Nach Angaben des BLV beraten die Mitgliedsvereine bundesweit in rund 9000 Beratungsstellen mehr als drei Millionen Arbeitnehmer, Rentner und Pensionäre.
  • Die Lohnsteuerhilfe Ruhr wurde 1986 gegründet. Der Verein betreibt neben der nun geschlossenen Dortmunder Beratungsstelle auch Beratungsstellen in Unna, Hagen, Lünen, Menden, Waltrop und Wetter. Die Zentrale der Lohnsteuerhilfe Ruhr sitzt seit 2011 in Unna.
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