Professor Dr. Dominik Schneider leitet die Dortmunder Kinderklinik. Im Gespräch kritisiert er den Beschluss der Gesundheitsminister, Impfzentren bald auch für Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 zu öffnen. © Kevin Kisker
Direktor der Dortmunder Kinderklinik

„Beschädigt den Impfgedanken“ – Kritik an Vorstoß bei Kinder-Impfungen

Die Gesundheitsminister wollen Impfzentren auch für Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 öffnen. Der Beschluss stößt auf Kritik - auch beim Direktor der Dortmunder Kinderklinik.

Eigentlich ändere sich ja gar nichts, sagt Professor Dr. Dominik Schneider zum Vorstoß der Gesundheitsminister, Impfzentren auch für Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 zu öffnen. Kritik hat der Beschluss dennoch hervorgerufen.

Vor allem weil die Ständige Impfkommission (Stiko) bisher keine Empfehlung für allgemeine Impfungen in dieser Altersklasse ausgesprochen hat. Auch Dominik Schneider, der Direktor der Dortmunder Kinderklinik, schließt sich dieser Kritik an.

„Bei allen diesen niederschwelligen Impfangeboten muss natürlich die sorgfältige Aufklärung bezüglich des Nutzens und der Nebenwirkungen sichergestellt werden. Und da haben wir schon große Bedenken, ob das so auf dem Niveau erfolgen kann, wie das in den Kinder- und Jugendarztpraxen möglich wäre.“

Wer sollte sich impfen lassen?

Bei Kindern und Jugendliche seien schwere Covid-19-Ekrankungen seltener, als bei Erwachsenen, so Dominik Schneider. Das müsse bei der Abwägung berücksichtigt werden. Die Stiko empfehle die Corona-Schutzimpfung nur für Kinder und Jugendliche mit bestimmten Risikofaktoren.

„Dazu gehören zum Beispiel ein starkes Übergewicht, Trisomie 21, dazu gehören aber auch einige immunologische oder chronische Erkrankungen. Das sind Kinder, bei denen ein Risiko besteht, für einen schwereren Verlauf und damit auch zweifelsohne ein individueller Nutzen der Impfung.“

Es gebe außerdem auch einen Anlass für eine Impfung bei Kindern, die in einem Haushalt mit jemandem leben, der eine schwere Erkrankung hat und keinen Impfschutz erhalten kann.

Anstehender Schulstart kein ausreichendes Argument

Auch den Zeitpunkt kritisiert Dominik Schneider. Nun, vor Beginn des Schuljahres einen solchen Vorstoß zu machen, sei „der Versuch, die Versäumnisse aus der Schul- und Bildungspolitik der Pandemiezeit zu kaschieren.“

Geimpfte könnten nur bedingt besser am Schulalltag und anderen sozialen Aktivitäten teilnehmen. „Wir werden in den Schulten weiterhin die ganzen Präventionskonzepte brauchen.“ Der anstehende Schulstart sei also kein ausreichendes Argument für den Vorstoß.

Durch das Angebot der Impfung werde Kindern auch eine Belastung zum Schutz anderer auferlegt. „Aus unserer Sicht müssen erstmal die Impflücken bei den Erwachsenen geschlossen werden. Die tragen viel mehr zum Schutz der Gesamtbevölkerung bei.“

In etwa zehn Tagen rechnet Dominik Schneider mit einer neuen Beurteilung der Frage durch die Stiko. Mit dem Beschluss werde nun ein Widerspruch zwischen der Impfkommission und der Politik geschaffen. „Das ist leider aus meiner Sicht eine Beschädigung des Impfgedankens.“

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Bastian Pietsch

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