Beschlagnahmte Hunde werden in Dortmund aufgepäppelt

Nach Razzia in Kreuztal

Es sind im wahrsten Sinne des Wortes 15 "arme" Hunde, die seit dem Wochenende im Dortmunder Tierheim betreut werden. Es handelt sich um Tiere, die die Polizei bei einer Razzia im siegerländischen Kreuztal sichergestellt hat.

DORTMUND

19.12.2016, 16:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Mittwoch vergangener Woche hatte die Polizei mit einem Großaufgebot das Anwesen eines Züchterpaars durchsucht. Die Polizei traf dort nach eigenen Angaben „verheerende“ Zustände vor. Sie nahm einen 65-jährigen Mann, seine 52 Jahre alte Ehefrau sowie die 22-jährige Tochter fest.

Außerdem wird gegen eine 48-jährige Tierärztin ermittelt, die gefälschte Impfpapiere besorgt haben soll. Auch eine 25-jährige Helferin wurde festgenommen. Auf dem Gelände wurden neben lebenden Tieren nach Auskunft der ermittelnden Staatsanwaltschaft in Hagen auch mehrere verendete Tiere gefunden.

Dem Paar und seinen Helfern werde vorgeworfen, Hundewelpen in Polen für 80 bis 100 Euro gekauft und dann für 1000 Euro als eigene Zucht vor allem über das Internet weiterverkauft zu haben, sagte ein Behördensprecher. Wie viele Kunden mit den zum Teil kranken Hunden betrogen wurden, sei noch unklar.

Mehr als 100 Hunde beschlagnahmt

Zeitgleich zu der Aktion im Siegerland sei auch ein Hundezuchtbetrieb in Bayern durchsucht worden. Es gebe noch eine Reihe weiterer Beschuldigter im ganzen Bundesgebiet, sagte der Sprecher. Bei der Razzia in Kreuztal wurden mehr als 100 Rassehunde beschlagnahmt. 15 von ihnen, so teilte die Stadt am Montag mit, kamen nach Dortmund in das hiesige Tierheim, darunter Hunde der Rassen Labrador, Golden Retriever, Labradoodle, Beagle, Akita-Inu, Tibetdogge, französische Bulldogge und Zwergpudel.

Das Amtshilfeersuchen des Veterinäramts aus Siegen-Wittgenstein ging in Dortmund am Mittwoch ein. „Da wir im Moment freie Kapazitäten im Hundebereich haben, haben wir unsere Hilfe bei der Unterbringung der Zuchthunde angeboten und am Freitagnachmittag die 15 Hunde übernommen. Es handelt sich überwiegend um ehemalige Zuchthündinnen, denen die wohl jahrelange Ausbeutung sowohl physisch als auch psychisch anzumerken ist“, erläutert der Tierheimleiter, Dirk Rojahn.

Hunde werden jetzt aufgepäppelt und medizinisch versorgt

Die 105 Hunde seien zum Zeitpunkt der Beschlagnahmung fast durchgehend ungepflegt und stark verdreckt gewesen, berichtet die Stadt. Notwendige medizinische Behandlungen seien offensichtlich nicht vorgenommen worden. Ein Hund habe direkt nach der Ankunft in Dortmund notoperiert werden müssen. Zurzeit würden die übernommenen Tiere im Tierheim an der Hallerey aufgepäppelt und medizinisch versorgt.

Die 15 Hunde im Dortmunder Tierheim stehen zunächst nicht zur Vermittlung, da erst die Rechtslage geprüft und entsprechende juristische Schritte durch das zuständige Veterinäramt eingeleitet werden müssen.

Um den Verdacht auf die ansteckende Hundekrankheit Parvovirose auszuschließen, werden die ehemaligen Zuchthunde zunächst in einem abgeschlossenen Bereich des Tierheims unter Quarantäne gestellt, teilte die Stadt am Montag mit. Bereits kurz vor Ostern 2016 hatte das Tierheim 20 Malteser aus einer illegalen Zucht im Kreis Wesel aufgenommen. Diese Tiere haben zwischenzeitlich ein Zuhause bei Dortmunder Familien gefunden.

mit dpa-Material

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