Widerspricht das Besuchsverbot in Dortmunds Kliniken der Corona-Verordnung?

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Seit Mai dürfen Patienten in den Dortmunder Kliniken keinen Besuch empfangen. Die neue Corona-Schutzverordnung verbietet die „vollständige Isolation“ der Patienten. Gibt es jetzt Lockerungen?

Dortmund

, 11.11.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die neue Corona-Schutzverordnung greift in einem Paragrafen explizit die Besuchsregeln in Krankenhäusern auf. Im Vergleich zur vorhergehenden Verordnung fällt insbesondere ein Satz ins Auge: „Dabei ist stets zu berücksichtigen, dass die jeweiligen Regelungen nicht zu einer vollständigen Isolation der Betroffenen führen dürfen.“

Wie passt das zu dem Besuchsverbot, auf das sich das Gesundheitsamt und die Kliniken in Dortmund im Mai geeinigt hatten und das seitdem Bestand hat?

Stadt sieht keinen Widerspruch zur Corona-Schutzverordnung

Die Antwort der Stadt auf diese Anfrage fällt eindeutig aus: „Die aktuelle Regelung widerspricht nicht den Vorgaben der Corona-Schutzverordnung“, teilt Sprecherin Anke Widow die städtische Sichtweise mit.

Das Besuchsverbot gilt seit dem 19. Mai – und im Jahr 2020 soll sich daran auch nichts mehr ändern. „Die Leitungen der Kliniken und das Gesundheitsamt haben einvernehmlich entschieden, die geltende Regelung bis zum 31. Dezember 2020 aufrecht zu erhalten.“ Was danach passiere, hänge vom weiteren Verlauf der Pandemie ab.

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Diese Haltung begründet die Stadt mit den stark ansteigenden Corona-Zahlen der vergangenen Wochen: „Das Infektionsgeschehen in Dortmund hat seit Anfang Juni stetig zugenommen, seit Anfang Oktober ist der Anstieg exponentiell. Darum gilt es in den nächsten Wochen umso mehr, Krankenhäuser vor einem Viruseintrag zu schützen“, so die Pressesprecherin.

Symptomlose Besucher könnten Virus einschleppen

Ein besonderes Problem bei der Umsetzung eines Konzeptes, das verhindern soll, dass Besucher Coronaviren in die Krankenhäuser bringen, sind Corona-Infizierte ohne Symptome: Nach Zahlen der Stadt steigt deren Zahl ebenso stark an wie die der Infizierten generell.

Alle Krankenhäuser untersuchen seit Monaten alle Patienten bei der Aufnahme auf Covid-19. „Unter 1.000 symptomlosen Dortmundern sind dabei aktuell durchschnittlich 25 Personen positiv. Dies bedeutet, dass statistisch auch unter 1.000 symptomlosen Besuchern 25 Menschen infektiös wären“, so Anke Widow.

Zum Vergleich: In den Monaten Juni bis September lag die Positivquote der infizierten Personen ohne Symptome bei 3 bis 5 auf 1.000 Personen.

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Auf städtischer Seite ist man überzeugt, dass das Besuchsverbot ein wichtiger Baustein ist, um Krankenhauspersonal und Patienten zu schützen: „Die Fachleute gehen davon aus, dass die restriktive Besuchsregelung in den Dortmunder Krankenhäusern stark dazu beigetragen hat, die Infektionszahlen in diesem kritischen Versorgungsbereich bislang überschaubar zu halten.“

Ausnahmeregelungen gibt es laut Stadt daher nur in Einzelfällen: Bei schwerst- und Langzeiterkrankungen, auf Geburts-/Kinderstationen und auf Palliativstationen. Sonderregelungen gibt es zudem in psychiatrischen Krankenhäusern und Abteilungen.

Krankenhäuser bemühen sich um Alternativen

Um das Besuchsverbot erträglicher zu gestalten, setzen die Krankenhäuser vermehrt auf andere Kommunikationswege: Es werden Smartphones und Tablets für Videotelefonie zur Verfügung gestellt.

Reicht das aus, um den Vorgaben aus der Corona-Schutzverordnung zu genügen? Das Gesundheitsministerium NRW gibt darauf auch auf Nachfrage keine Antwort, führt aber aus, dass unter „Isolation“ der Patienten „die Isolation vom engen Umfeld des Patienten“ zu verstehen sei.

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Ansonsten verweist das Ministerium darauf, dass die Krankenhäuser dafür zuständig seien ein eigenes Besuchskonzept zu erstellen – eine landesweite Besuchsregelung gibt es nicht.

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