Betrugs-Anklage gegen Werner Hansch: Verfahren vielleicht erst 2021

Sportreporter

Am Wochenende konnte Ex-Sportreporter Werner Hansch sich als König der Sendung „Promi Big Brother“ feiern. Doch alte Vorwürfe holen ihn ein: Die Staatsanwaltschaft Dortmund hat Anklage erhoben.

Dortmund

31.08.2020, 14:01 Uhr / Lesedauer: 2 min
Werner Hansch wird eine goldene Krone aufgesetzt, weil er Promi Big Brother gewonnen hat

Himmel oder Hölle? Für Werner Hansch liegt beides momentan nah beieinander. Nach seinem Gewinn bei Promi Big Brother muss er sich nun vor Gericht verantworten. © dpa

Noch am Samstag hieß es „Hansch im Glück“ - davon ist nicht mehr viel übrig. Nachdem Sportreporter Werner Hansch am Samstag die Sat.1-Sendung „Promi Big Brother“ und damit 100 000 Euro gewann, ist er nun in einem Strafverfahren angeschuldigt. Wie die Staatsanwaltschaft Dortmund auf Nachfrage bestätigt, hat sie gegen den 82-Jährigen Anklage erhoben.

Hansch zahlte das Geld nicht zurück. Aber ist er auch ein Betrüger?

Insgesamt geht es in dem Verfahren um 34.500 Euro, die Hansch nicht rechtzeitig zurückgezahlt haben soll. Um seine Spielsucht zu finanzieren, lieh er sich Geld von Bekannten und gab vor, es auch zurückzahlen zu wollen - in dem Wissen, dass er gar nicht in der Lage dazu wäre. So sieht es jedenfalls die Staatsanwaltschaft.

Hier liegt der Knackpunkt: Wusste Hansch tatsächlich bereits zu dem Zeitpunkt, an dem er sich das Geld lieh, dass er das Geld nicht zurückzahlen könne? Dann macht er sich des Betrugs schuldig.

Brisant wurde es, weil auch ein Politiker verwickelt war

Besondere Aufmerksamkeit erhielt der Fall auch deshalb, weil Hansch sich unter anderem von Politiker Wolfgang Bosbach (CDU) Geld geliehen hatte. Dabei geriet auch Bosbach in die Kritik.

Laut der Staatsanwaltschaft sind seit Februar 2020 sechs weitere angebliche Geschädigte dazugekommen, deren Ansprüche ebenfalls geprüft worden seien.

„Betrug in sechs Fällen“, lautet die Anklage

Am 7. August habe die Staatsanwaltschaft dann Anklage beim Amtsgericht Dortmund eingereicht: wegen Betrugs in sechs Fällen zwischen August 2017 und dem 20. April 2019. Über die Zulassung der Anklage muss das Gericht noch entscheiden.

Durch den Druck des Ermittlungsverfahrens und der Berichterstattung in den Medien habe Hansch bis dahin bereits mehrere Darlehen beglichen. Dennoch: 34 500 Euro sind zum Zeitpunkt der Anklageerhebung noch offen.

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Darunter ist auch ein drei Jahre altes Darlehen, in dem Hansch an 30 000 Euro kam - in den restlichen Fällen handelt es sich um kleinere Beträge.

Gegenüber der Bild zeigt Hansch sich geläutert: „Wenn die Staatsanwaltschaft jetzt der Auffassung ist, gegen mich ein Verfahren vor Gericht zu eröffnen, dann werde ich das akzeptieren.“

Spielsucht war Thema in der Fernsehshow

Bei Promi Big Brother gesteht er offen: „Ich habe weit über eine halbe Million verzockt.“ Im Verfahren wolle sein Anwalt einen Gutachter einsetzen: „Aus meiner Sicht kann er zu keinem anderen Ergebnis kommen, als dass ich durch diese Sucht vollkommen paralysiert und fremdbestimmt war.“

Hanschs Anwalt will eine Einstellung des Verfahrens gegen Auflagen, wie die Rückzahlung des Geldes und eine Therapie, erreichen. Das sagte er der dpa.

Ob das Verfahren noch dieses Jahr beginnt, ist unklar: 2020 wäre „eng“, kommentiert der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Henner Kruse.

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