Bezirksvertreter streichen „Führer“ vom Straßenschild- aber die Verwaltung legt Veto ein

mlzDiskussion um Straßenschild

Die Verwaltung schlug den Begriff „Führer“ auf einem Schild vor. Das fand die Hombrucher Bezirksvertretung unsensibel und schlug „Vorsitzender“ vor. Das geht laut Verwaltung aber nicht.

Hombruch

, 15.02.2019, 16:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sollte Vorsitzender oder Führer auf einem Straßenschild stehen? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Bezirksvertretung unter dem Tagesordnungspunkt 11.5 beim Sitzungsauftakt in diesem Jahr. Die Diskussion hatte folgenden Hintergrund:

Jedes Jahr, macht jede Fraktion in der Hombrucher Bezirksvertretung einen Vorschlag für ein Legendenschild, zu einem bestehenden Straßennamen in Hombruch; so auch in diesem Jahr.

Die Fraktionen der Bezirksvertretung haben sich für die Bömelburgstraße, den Martin-Schmeißer-Weg sowie für die Windthorststraße entschieden und die Verwaltung um Textvorschläge gebeten, die in Abstimmung mit dem Stadtarchiv der Stadt Dortmund formuliert worden sind.

Ist die Bezirksvertretung zu vorsichtig?

Die ersten beiden Entwürfe der Verwaltung wurden einstimmig angenommen. Beim dritten Vorschlag sorgte jedoch ein Wort für eine Verzögerung. Als Legendentext für die Windthorststraße, die mitten in Hombruch liegt, machte die Verwaltung folgenden Vorschlag: „Ludwig Windthorst (1812-1891), Richter, Abgeordneter im Reichstag (1871-1891), Führer der Zentrumspartei im Kulturkampf“.

Bezirksbürgermeister Hans Semmler ergriff das Wort und beantragte im Namen der CDU-Fraktion, „Führer“ durch „Vorsitzender“ ersetzen zu lassen, weil „Führer ein negativer und mit der Vergangenheit behafteter Begriff ist“. Sein Antrag wurde von den anderen Mitgliedern der Bezirksvertretung einstimmig angenommen.

Ein Novum in der Bezirksvertretung

Dabei handelt es sich um ein Novum, weil laut Semmler bisher alle Vorschläge der Verwaltung in der Bezirksvertretung ohne Änderungswünsche angenommen worden sind.

Der stellvertretende Bezirksbürgermeister Klaus Ulrich Steinmann (SPD) argumentiert ähnlich wie Semmler und sagt: „Das Wort Führer weckt Erinnerungen bei verschiedenen Leuten und das wollen wir nicht.“

Passanten sind auch gegen „Führer“

Inge Heinrich läuft regelmäßig über die Windthorstraße und findet ein Legendenschild prinzipiell sinnvoll, aber ist auch gegen die Verwendung des Wortes „Führer“. „Das hat etwas mit der Vergangenheit zu tun“, sagt sie und betont, dass sie ein Kriegskind ist.

Bezirksvertreter streichen „Führer“ vom Straßenschild- aber die Verwaltung legt Veto ein

Inge Heinrich wollte schon immer wissen, welche Historie sich hinter der Windthorststraße verbirgt. © Said Rezek

Die Fraktionssprecherin von Bündnis 90/Die Grünen Susanne Lohse kann die Argumentation der CDU-Fraktion ebenfalls nachvollziehen und sagt: „Der Begriff Führer ist negativ belegt. Vorsitzender ist treffend und entfremdet die Bedeutung nicht.“

„Vorsitzender“ ist keine Alternative

Das sieht die Stadtverwaltung jedoch anders, weil Ludwig Windthorst kein Parteivorsitzender war und damit der Vorschlag der Bezirksvertretung sachlich falsch ist.

Das Wort Führer verwendete die Verwaltung ihrerseits aufgrund Ludwig Windthorsts Stellung in der Zentrumspartei. „Sein Verdienst bestand unter anderem darin, durch seine hervorragende Position oder eher „Anführerschaft“ innerhalb der Partei Konflikte zwischen Katholiken und dem preußischen Staat zu vermeiden“, sagt Michael Meinders von der Pressestelle der Stadtverwaltung.

Stadtverwaltung schlägt Alternative vor

Über einen zweiten Vorschlag muss sich die Bezirksvertretung vorerst keine Gedanken machen. Jetzt übernimmt die Stadtverwaltung und „wird in den kommenden Tagen einen Alternativvorschlag für den Legendentext erstellen. Dieser wird dann an die Bezirksvertretung gegeben, die sich damit befassen wird. Voraussichtlich in der nächsten Sitzung“, sagt Michael Meinders von der Pressestelle der Stadt Dortmund. Diese findet am 19. März statt.

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