Bier als Beruf: Jan (20) lernt Brauer und Mälzer ­­in Dortmund - statt Pilot zu werden

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Im Bier steckt viel mehr Handwerk, als man denkt. Jan (20) erklärt, wofür er seinen Traum aufgab, Pilot zu werden - und was ein Vatertagsgeschenk damit zu tun hat.

von Sara Schweckendiek

Dortmund

, 20.08.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Jan Müller ist 20 Jahre alt und im ersten Lehrjahr der Ausbildung zum Brauer und Mälzer bei der Dortmunder Actien Brauerei. Doch das war nicht immer der Traum des gebürtigen Dortmunders. Als Kind wollte er Pilot werden, mit den Jahren jedoch entwickelte er eine Affinität zum Brauen.

Eigentlich habe er nur nach einem ausgefallenem Vatertagsgeschenk gesucht, erzählt er. Aber je mehr er sich mit der Thematik auseinandersetzte, desto interessierter war er: „In der elften Klasse habe ich dann ein Praktikum hier in der Brauerei gemacht und gemerkt, das ist das, was ich beruflich machen möchte.“ Jan war sich so sicher, dass es das Richtige für ihn ist, dass er sich deutschlandweit nur auf Brauer und Mälzer Stellen bewarb.

Der Abiturient entschied sich zudem bewusst gegen ein Studium direkt nach der Schule. „Eine fundierte Ausbildung ist mir erstmal wichtiger“, erklärt er.

Fakten zum Beruf und zur Ausbildung als Brauer und Mälzer:

Es ist ein Beruf mit Tradition, den es schon seit Jahrhunderten gibt. Zu den typischen Aufgaben gehören Einkauf und Auswahl der Rohstoffe, Verarbeitung und die Abfüllung des Bieres.

Nur wenige Schulabgänger denken an die Braubranche, wenn sie auf der Suche nach einer Lehre sind. Interessierte sollten gute Noten in Chemie, Biologie und Mathematik mitbringen sowie einen mittleren Schulabschluss. In Nordrhein-Westfalen starteten vergangenes Jahr nur 44 Auszubildende den Weg zum Brauer und Mälzer.

Die Ausbildung wird im Dualen System angeboten und dauert normalerweise drei Jahre, jedoch können Abiturienten nach Absprache mit Berufskolleg und Ausbildungsbetrieb auf zweieinhalb Jahre verkürzen. Das Fritz-Henßler-Berufskolleg hat seinen Standort in Dortmund und ist in NRW damit die einzige Schule, die die Ausbildung ermöglicht.

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Da nicht jeder Lehrling aus dem Umfeld stammt, wird der Unterricht in Blockform im Umfang von sechs Wochen angeboten. Im ersten Ausbildungsjahr verdient man ca. 650 Euro brutto, was sich im dritten Jahr auf bis zu 880 Euro brutto erhöht. Die Übernahmechancen stehen in dieser Branche sehr gut. Nach bestandener Abschlussprüfung verdient man etwa 1500 Euro brutto, das hängt jedoch von der Region und Brauerei ab.

Bier als Beruf: Jan (20) lernt Brauer und Mälzer ­­in Dortmund - statt Pilot zu werden

Routinetätigkeit: Jan bei der Messung des CO2- und O2-Gehalts im Bier. © Sara Schweckendiek

Das sagt Jan über seine Berufswahl:

Was gefällt dir an deinem Beruf besonders gut?

Jan: „Es ist ein sehr vielseitiger Beruf, bei dem man an jedem Arbeitsschritt von der Annahme der Rohstoffe bis hin zum fertigen Produkt beteiligt ist. Und außerdem macht man in der Ausbildung viele Exkursionen zu Mälzereien, kleineren Hausbrauereien und anderen Braustandorten der Radeberger Gruppe. Genauso wie Praktika in Köln und anderen Brauereien in Dortmund.“

Was gefällt dir an dem Beruf gar nicht?

Jan: „Die Arbeitszeiten am Anfang der Ausbildung, da war das alles relativ früh für mich. Aber man gewöhnt sich auch daran. Außerdem ist es eigentlich ganz schön, um 14.30 Uhr Feierabend zu machen, da bleibt noch viel vom Nachmittag, besonders im Sommer. Und da wir ja eben ein Lebensmittelbetrieb sind, ist auch viel mit Reinigungsarbeiten verbunden. Man macht das aber natürlich auch gerne, weil das Produkt rein bleiben und eine hohe Qualität haben soll.“

Wo hättest du in der Schule besser aufpassen sollen?

Jan: „Also berufsspezifisch habe ich kein Fach, bei dem das der Fall ist. Der Beruf hat viel mit Biologie, Chemie und auch ein bisschen Mathe zutun. Mit meinem Schulwissen bin ich bis jetzt ganz gut ausgekommen. Das einzige Fach wäre Religion, da hatte ich wirklich nicht so viel Lust drauf.“

Infos zu Ausbildungsplätzen

Wer sich nun auch überlegt den Schritt ins Handwerk zu wagen, hat großes Glück, denn einige der namhaften Brauereien suchen für 2019 noch Azubis! Darunter Veltins, Krombacher und der Frankfurter Standort der Radeberger Gruppe. Aber auch ein Studium in dem Bereich ist möglich. Den Bachelor of Science für Brauwesen kann man an der TU Berlin und TU München-Weihenstephan erlangen. Weitere Informationen zur möglichen Braukarriere findet ihr unter: https://jobs.brauwelt.com/

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