Biologen nutzten Still-Leben zum Forschen

B1/A40

DORTMUND Mit Stau und Lärm bringt man die B1/A40 normalerweise in Verbindung. Außer wenn Still-Leben ist. Dann kann die Autobahn sogar zu einem spannenden Stück Natur werden. Und das bietet eine erstaunliche Vielfalt.

von Von Oliver Volmerich

, 21.07.2010, 09:39 Uhr / Lesedauer: 1 min
Biologen nutzten Still-Leben zum Forschen

Es grünt so grün auf der B1/A40. Und dabei stellten Experten am Still-Leben-Sonntag auf der leeren Autobahn eine erstaunliche biologische Vielfalt fest.

„Wir haben auf dem Mittel- und Randstreifen gut 180 Pflanzenarten kartiert,“ bilanziert der Experte, der mit fünf Mitstreitern zwischen Schnettkerbrücke und Lütgendortmund unterwegs war. Auf der gesamten Strecke des Ruhrschnellwegs zwischen Dortmund und Duisburg wurden sogar mehr als 400 Pflanzenarten entdeckt, wie Corinne Buch ergänzt, die über die Biologische Station westliches Ruhrgebiet und den Bochumer Botanischen Verein die Aktion im gesamten Revier koordinierte.

„Die B1 ist durchaus mit einem naturnahen Biotop vergleichbar“, stellt Corinne Buch fest. Dazu bietet der Ruhrschnellweg so manche Überraschung. Denn es gibt jede Menge Pflanzen, die nur hier vorkommen, weil sie offenbar ideale Bedingungen vorfinden. „Wie etwa Salzpflanzen, die sonst in den norddeutschen Küstenregionen vorkommen“, erklärt Büscher. Möglicherweise hat dazu hier der winterliche Salzstreudienst beigetragen. Neben eher typischen Gewächsen wie Birke, Saalweide, Franzosenkraut oder dem ungeliebten Riesenbärenklau stießen die Biologen am Rande der Autobahn auch auf viele eingewanderte Baumarten.

Den Schmetterlingsstrauch, die Rubinie und den Götterbaum nennt Büscher als Beispiele für „pflanzliche Neubürger“. Einer der Bäume brachte es immerhin auf knapp zwei Meter Höhe. Die gesammelten Erkenntnisse der Biologen fließen nun in die wissenschaftliche Arbeit und Literatur ein. So arbeitet Büscher derzeit an einem Werk unter dem Titel „Flora von Dortmund“. Und die Experten hätten natürlich nichts dagegen, wenn die Aktion „Still-Leben“ noch einmal wiederholt würde. Denn es gibt am Biotop Ruhrschnellweg noch viel zu erforschen. 

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