Bis 2020 müssen 90,5 Prozent mehr Senioren von Grundsicherung leben

Studie über Dortmund

Gemessen am Bundesdurchschnitt wird die zu erwartende Altersarmut in Dortmund im Jahr 2020 vom Eduard Pestel Institut in Hannover als „erhöht“ eingestuft. Die aktuelle Untersuchung des Pestel-Instituts zum Wohnen im Alter geht davon aus, dass in neun Jahren 10 800 Rentner in Dortmund von Grundsicherung leben.

DORTMUND

25.10.2011, 12:09 Uhr / Lesedauer: 1 min
Vor allem Seniorinnen sind von Altersarmut bedroht, da sie oft auf eine kürzere Erwerbstätigkeit als Männer zurückblicken.

Vor allem Seniorinnen sind von Altersarmut bedroht, da sie oft auf eine kürzere Erwerbstätigkeit als Männer zurückblicken.

Deshalb brauche es deutlich mehr Senioren-Wohnungen, heißt es in der Studie. Das Institut versteht sich als Forschungsinstitut und Dienstleister für Kommunen, Unternehmen und Verbände.  Die Zahl der Älteren, die von Grundsicherung leben müssten, würde bis 2020 um nahezu 90,5 Prozent steigen.

„Das soziale Netz wird die meisten 55- bis 65-Jährigen, die heute von Hartz IV leben, im Rentenalter auffangen müssen“, sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut. Immer mehr Menschen mit gebrochenen Erwerbsbiographien gingen in Rente. Phasen von Arbeitslosigkeit, Niedriglöhne und dauerhaft geringfügige Beschäftigungen seien dabei für sinkende Rentenbezüge bei Neurentnern verantwortlich. Ebenso eine nur geringe oder keine Altersvorsorge bei vielen Selbstständigen. Auch dies führe zu einer wachsenden Altersarmut.

Im Fokus der Berechnungen des Forschungsinstituts steht das bezahlbare Wohnen im Alter. Die Untersuchung erfolgte im Auftrag der Initiative „Impulse für den Wohnungsbau“. Darin haben sich die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) und die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) zusammengeschlossen. Gebraucht werden künftig kleinere, energieeffiziente und altersgerechte Wohnungen für Senioren, um Miete und Heizkosten zu sparen.

Matthias Günther rechnet vor: „Bezahlbar seien für viele ältere Menschen, die alleine leben, nur noch Wohnungsgrößen zwischen 30 und 40 Quadratmetern.“ Er regt den Bau größerer Appartement-Einheiten an mit Gemeinschaftsräumen oder einer Gemeinschaftsküche. Dies sei eine gut umsetzbare Alternative zum Mehrgenerationenhaus. „Solche Gemeinschaftseinrichtungen beugen einer Vereinsamung im Alter vor. Und sie vermeiden, dass Ältere vorzeitig ins Heim müssen“, so Günther. Die Initiative „Impulse für den Wohnungsbau“ fordert vom Bund dringend stärkere Anreize für das altersgerechte Sanieren und für den Neubau von barrierearmen Senioren-Wohnungen.

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