Das Dortmunder Ordnungsamt könnte wohl bald mit Bodycams ausgestattet werden. Für unseren Autoren ist das keine wünschenswerte Entwicklung. © picture alliance/dpa (Symbolbild)
Meinung

Bodycams beim Ordnungsamt? Bitte lasst den Quatsch!

Es ist gut möglich, dass bald das Ordnungsamt in Dortmund mit Bodycams ausgestattet werden könnte. Unser Autor ist davon wenig begeistert. Denn wirklich vernünftige Argumente dafür gibt es nicht.

Was macht eigentlich das Ordnungsamt? Falschparker ahnden, Ruhestörungen nachgehen … und Bürgerinnen und Bürger überwachen. Das könnte zumindest bald der Fall sein.

Denn Ordnungsamtsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter in Dortmund könnten bald mit Bodycams ausgestattet werden. Eine Gesetzänderung durch den Landtag NRW würde das möglich machen, in den Dortmunder Ratsfraktionen gibt es durchaus einige Befürworter dieser Idee.

Bodycams bringen nichts

Denn im Jahr 2021 hat man es als Ordnungsbeamter nicht leicht. Simple Forderungen wie das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes aus Solidarität zum Rest der Gesellschaft reichen schon aus, um Menschen zu triggern, sodass sie aggressiv werden und Ordnungsbeamte angreifen.

Das ist nicht schön und sollte nicht so sein, aber so bitter es klingen mag – es ist nun mal der Job. Eine Kamera auf der Schulter wird es nicht besser machen. Das ist nämlich schon durch diverse Experimente mit Bodycams bei der Polizei deutlich geworden.

Das Gegenteil ist nämlich der Fall: Bei dem Bodycam-Experiment der Polizei NRW kam heraus, dass der Anteil von geschädigten Polizeibeamten mit Bodycams höher ist als ohne.

Was passiert mit den Aufnahmen?

Die Effektivität ist aber noch nicht mal der springende Punkt. Wir befinden uns in Zeiten in der immer mehr Überwachung zur Normalität wird. Viele öffentliche Plätze sind fast rund um die Uhr im Blick von Kameras, in Dortmund sind es zum Beispiel die Brückstraße oder Münsterstraße.

Prävention von Kriminalität schön und gut – aber muss eine Behörde dafür wirklich aufzeichnen, wann ich mir bei meiner Lieblings-Falafelbude viel zu viel zu essen hole? Sicherlich nicht.

Genauso muss ein Ordnungsamt mich nicht filmen, wenn ich mich zu sehr über ein Falschpark-Ticket aufrege. Klar, im Ernstfall könnten solche Aufzeichnungen hilfreich sein – bei Straftaten oder bei Polizeigewalt zum Beispiel. Die Aufzeichnungen funktionieren ja theoretisch in beide Richtungen.

Viel mehr bereitet es mir Bauchschmerzen, was mit diesen Videoaufnahmen der Bodycams passiert: Wer hat darauf Zugriff? Wie lange werden sie gespeichert? Werden die Videos wirklich irgendwann gelöscht? Wer kontrolliert das? All diese Fragen, die man sich schon bei den Polizei-Bodycams und der Kameraüberwachung stellen muss. Da muss nicht noch das Ordnungsamt in Dortmund dazu kommen.

Es gibt immer noch Privatsphäre und Persönlichkeitsrechte. Und die werden bei solchen Ideen mit Füßen getreten.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
1990 im Emsland geboren und dort aufgewachsen. Zum Studium nach Dortmund gezogen. Seit 2019 bei den Ruhr Nachrichten. Findet gerade in Zeiten von Fake News intensiv recherchierten Journalismus wichtig. Schreibt am liebsten über Soziales, Politik, Musik, Menschen und ihre Geschichten.
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Robin Albers

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