Bewegende Aktion: Gesamtschüler gedenken mit Flugblatt-Wurf der Geschwister Scholl

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Mit einer eher ungewöhnlichen Aktion erinnerten Schüler der Geschwister-Scholl-Gesamtschule an ihre Namensgeber. Im Mittelpunkt standen aktuelle Themen, die die Schüler bewegen.

Brackel

, 18.02.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Zeiten von Internet und Social Media sind Flugblätter sicher nicht mehr die erste Wahl der Kommunikation. Dennoch flogen am Dienstag (18. Februar) zahlreiche beschriebene Zettel durch das Treppenhaus der Geschwister-Scholl-Gesamtschule (GSG) in Brackel. Die Schüler erinnerten damit an die Namensgeber der Schule und ihre Art des Widerstandes.

„Wir wollen mit der Flugblattaktion symbolisch ein Zeichen setzen und an die Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime erinnern“, erklärt Neuntklässler Lukas Wiens, der als Schülersprecher für die Organisation mit verantwortlich war. Man stehe auch heute noch hinter den Geschwistern Scholl und ihren Aktionen, so die Aussage der Schülervertretung.

Gedenken am 77. Jahrestag der letzten Flugblatt-Aktion

Die Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ um Hans und Sophie Scholl verteilte in München und anderen süddeutschen Städten ab dem Frühsommer 1942 Flugblätter, die dazu aufriefen, sich gegen die NS-Diktatur zu stellen. Das sechste Flugblatt sollte am 18. Februar 1943 in der Universität in München ausgelegt und verteilt werden.

Auf ihre Flugblätter zum Gedenken an die Widerstandskämpfer Sophie und Hans Scholl schrieben die Schüler der Geschwister-Scholl-Gesamtschule ihre Gedanken zu Themen auf, die sie heute bewegen.

Auf ihre Flugblätter zum Gedenken an die Widerstandskämpfer Sophie und Hans Scholl schrieben die Schüler der Geschwister-Scholl-Gesamtschule ihre Gedanken zu Themen auf, die sie heute bewegen. © Schaper

Die Aktion scheiterte jedoch, die Geschwister Scholl und Christoph Probst wurden von der Gestapo festgenommen. Zuvor hatte Sophie Scholl einen Stapel Flugblätter vom Geländer eines Treppenhauses gestoßen. Nur drei Tage nach der Aktion wurden alle drei Beteiligten zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Info-Tage für die Schüler der Unterstufen

In den vergangenen Wochen hat die Schülervertretung Info-Tage für die 5. bis 8. Klassen organisiert, an deren Ende die Flugblattaktion stand. Dabei ging es darum, „aufzuzeigen, wofür die Geschwister Scholl standen, und darum, ein Grundverständnis für ihre Aktionen zu schaffen“, so Schülersprecher Lukas Wiens.

Mit der Flugblatt-Aktion zum Ende von drei Info-Tagen erinnerten die Gesamtschüler in Brackel an die Namensgeber ihrer Schule: Sophie und Hans Scholl.

Mit der Flugblatt-Aktion zum Ende von drei Info-Tagen erinnerten die Gesamtschüler in Brackel an die Namensgeber ihrer Schule: Sophie und Hans Scholl. © Schaper

Wie auch die Mitglieder der „Weißen Rose“ sollten die Schüler der GSG eigene Flugblätter erstellen. Das Thema Rechtsextremismus war jedoch nur eines von vielen Themen. „Die Schülerinnen und Schüler sollten überlegen, welche aktuellen Themen sie heute mit solchen Aktionen ansprechen würden“, erklärt Lukas Wiens.

Aktuelle Themen für die Flugblätter gewählt

Heraus kamen eher allgemein gehaltene Themen wie Freiheit und Gerechtigkeit. Manche Schüler wurden aber auch konkreter und beschäftigten sich beispielsweise mit der Privatsphäre und Sicherheit im Internet. Der aktuelle Umgang mit der wieder stärker zunehmenden Ausländerfeindlichkeit war ein weiteres Thema.

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Die Flugblattaktion samt Info-Tagen fand in der Form zum ersten Mal an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule statt. Jeweils ein Exemplar der Flugblätter hängt nun dauerhaft in der Schule aus - neben Fotografien von Hans und Sophie Scholl. Damit wollen die Organisatoren die Themen auch nach der Aktion im Schulalltag integrieren und ins Gedächtnis rufen.

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