Auch Dortmunder Gewerbetreibende haben sich im Branchenverzeichnis der Impf- und Testgegner registriert. © Ruhr Nachrichten
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Branchenverzeichnis der Coronaschutz-Gegner nennt zahlreiche Dortmunder Firmen

Für Unternehmen und Dienstleister, die die Drei-G-Maßnahmen nicht beachten wollen – Getestet, Geimpft, Genesen –, gibt es jetzt ein Branchenverzeichnis. Zahlreiche Dortmunder Betriebe sind vertreten.

Mit sinkender Inzidenz sind auch in Dortmund Türen wieder aufgegangen, und die von den meisten herbeigesehnte Normalität rückt Stück für Stück näher. Doch vieles ist noch an die Drei-G-Maßnahmen gekoppelt. Man muss nachweislich zweimal geimpft oder getestet oder genesen sein.

Doch es gibt Gewerbetreibende in Dortmund, die „gegen Testpflicht und Impfzwang“ sind. 21 davon waren bis Dienstag (25.5.) auf dem neuen digitalen Branchenverzeichnis „Animap“ unter www.animap.info zu finden, sozusagen den Gelben Seiten der Impfgegner. Nach den Recherchen unserer Redaktion schrumpfte die Zahl der Eintragungen bis zum Redaktionsschluss dieses Textes am Donnerstag, 27. Mai, 17 Uhr auf 19.

Zu den Gewerbetreibenden gehören beziehungsweise gehörten unter anderem ein Blumenladen, ein Badstudio, eine Versicherungsagentur, ein Kfz-Betrieb, gleich mehrere Naturheilpraxen und eine Sushi-Bar. Unter ihrem Gewerbe-Eintrag steht jeweils „Durch den Eintrag bei ANIMAP verzichtet dieses Unternehmen ausdrücklich auf das Vorweisen von Gesundheits-Dokumenten.“

Bloße Ankündigung nicht strafbar

Die Betreiber wählen drastische Worte: Man wolle wegen der drohenden „Impf-Apartheid“ niemanden ausgrenzen und allen Menschen freien Zugang zu Produkten und Dienstleistungen gewähren, heißt es auf der Animap-Homepage, die in der Schweiz ihren Ursprung hat.

Doch wie gehen die Behörden damit um? Bis zur Recherche dieser Redaktion sei dem Dortmunder Ordnungsamt Animap unbekannt gewesen, teilte Stadtsprecher Maximilian Löchter auf Anfrage mit. Die bloße Ankündigung, sich nicht an das Gesetz zu halten, könne nicht geahndet werden. Vor einer Kontrolle werde man zunächst Kontakt mit den eingetragenen Gewerbetreibenden aufnehmen.

Doch wer die Drei-G-Maßnahmen ignoriert, macht sich strafbar. Löchter stellt klar: „Verstöße gegen die Maskenpflicht im Einzelhandel werden mit Regelgeldbußen in Höhe von 50 Euro für Kunden und Kundinnen geahndet, für alle anderen genannten Verstöße gegen die Corona-Schutzverordnung fallen jeweils 500 Euro an. Sollte sich der Verdacht der bewussten, das heißt vorsätzlichen und in diesem Fall systematisch angelegten Missachtung von Infektionsschutzvorschriften bestätigen, sind auch Gewerbeuntersagungsverfahren möglich.“

„Das war eine Dummheit“

Die Redaktion hat mehrere der Gewerbetreibenden gefragt, warum sie sich dort eingetragen haben. Einigen war angeblich „gar nicht bewusst“, wo sie sich da registriert haben. Wie die Blumenhändlerin aus Hörde: „Das war eine Dummheit. Da habe ich nicht nachgedacht“, sagt sie. Sie komme der Maskenpflicht nach und bediene ihre Kunden nur vor der Tür.

Der Inhaber eines Sushi-Restaurants im Dortmunder Süden beteuert, er habe nicht in dem Verzeichnis gestanden – was nachweislich nicht stimmt, denn zum Zeitpunkt der ersten Sichtung der Betriebe-Liste durch unsere Redaktion war der Laden dort vertreten. Inzwischen ist das Restaurant von der Liste verschwunden.

Der Mitarbeiter eines Badstudios im Dortmunder Osten dagegen steht zu seiner Ablehnung der Corona-Schutzmaßnahmen, zitiert Statistiken und vermeintliche Impfstoff-Beipackzettel und behauptet: „Wir gehen nur von den Fakten aus“. Zudem: Das Badstudio sei ein Handwerksbetrieb und als solcher bei Animap eingetragen. „Wir haben das vorher rechtlich abgeklopft“, sagt er, „und sind als Handwerk auf der sicheren Seite.“

Aus Handel wurde plötzlich Handwerk

Das dachte sich die Betreiberin eines Geschäfts für nützliche Accessoires im Kreuzviertel wohl auch. Bis Mittwoch (25.5.) stand ihr Gewerbe noch unter der Rubrik Handel bei Animap, seit Donnerstag firmiert es unter Handwerk.

Animap sei eine Möglichkeit, „gemeinsam mit anderen ein Zeichen zu setzen als Gegengewicht zu den seit Monaten in die Grundrechte massiv eingreifenden und aus meiner Sicht unverhältnismäßigen Corona-Maßnahmen, deren Ende nicht abzusehen ist“, argumentiert sie. Sie sei bereit für die Grundrechte „im Falle einer Anklage Geld in die Hand zu nehmen. Das sind sie mir wert!“

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle
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