Einen hohen einstelligen Millionenbetrag investieren die Dortmunder Brauereien in eine neue Abfüllanlage. Die Investition gilt allerdings einem besonderen Segment der Bierabfüllung. © dpa
Dortmunder Brauereien

Brauereien investieren Millionen in speziellen Dortmunder Exportschlager

Trotz Corona-Krise investieren die Dortmunder Brauereien Brinkhoff‘s, Kronen und DAB in eine neue, ressourcenschonende Abfüllanlage. Und: Der Millionen-Auftrag geht an eine Dortmunder Firma.

Brinkhoff’s, Dortmunder Kronen oder DAB: Was an der Steigerstraße in der nördlichen Innenstadt nach überlieferten Rezepturen gebraut wird und im kühlen Gärkeller in Ruhe ausreift, wird anschließend in unterschiedliche Gebinde abgefüllt.

Das meiste Bier landet in Mehrwegflaschen, ein nicht unerheblicher Teil in Fässern für die Gastronomie, aber auch in Dosen. „Ja“, sagt Uwe Hellmich, Geschäftsführer der Dortmunder Brauereien, „die Getränkedose spielt wieder eine bedeutendere Rolle in den Abfüllplanungen der Dortmunder Brauereien – für den Verkauf im Inland, vor allem aber für ein wachsendes Exportgeschäft.“

„Selbst wenn Mehrwegverpackungen bei uns weiterhin den Löwenanteil stellen: Handelskunden und Verbraucher fragen Getränkedosen wieder verstärkt nach, seitdem es ein flächendeckendes Rücknahmesystem mit Pfandautomaten gibt“, so Uwe Helmich.

Drei Prozent Verpackung und 97 Prozent Produkt

Ein Blick in die Branchen-Statistik belegt diesen Trend: Mehr als vier Milliarden Stück dürften im Jahr 2020 bundesweit verkauft worden sein, befüllt mit Bier, alkoholfreien Erfrischungsgetränken und mehr. Zehn Jahre zuvor lag das Volumen noch bei rund 980 Millionen Stück.

So gibt es inzwischen nicht nur Brinkhoff’s No.1 und Dortmunder Kronen Pilsener auch in Dosen. Die Dortmunder Brauereien bieten vor allem DAB Export in dieser Verpackungsform an.

Aus guten Gründen, wie Geschäftsführer Uwe Helmich weiß: „Wenig Verpackung, hoher Lichtschutz und eine gute Transportbilanz sind Pluspunkte speziell im Exportgeschäft: Wenn sich also unser DAB Export in Dosen auf den Weg nach Übersee macht, sind von 100 Prozent Gesamtgewicht nur drei Prozent Verpackung und 97 Prozent Produkt.“

Zum Vergleich: Während eine handelsübliche, leere 0,5-Liter-Flasche etwa 365 Gramm auf die Waage bringt, sind es bei einer Getränkedose nur rund 12 Gramm. Als die erste Bierdose im Jahr 1935 auf den Markt kam, waren es noch rund 100 Gramm.

Spezialist für Abfüllanlagen vor der Haustür

Je leichtgewichtiger die moderne Getränkedose heute ist, desto ausgeklügelter muss auch die Anlage sein, auf der sie stündlich zehntausendfach befüllt wird. Und für diese Aufgabe, eine solch ausgeklügelte Anlage zu entwickeln und zu liefern, fanden die Brauereien einen Spezialisten quasi vor der Haustür.

Als einer der führenden Hersteller von Abfüll- und Verpackungsanlagen in der Getränkeindustrie gilt die Dortmunder KHS Gruppe. Sie hat ihren Sitz an der Juchostraße in Wambel. Uwe Hellmich sieht in dem Millionenauftrag ein zukunftsweisendes Signal für den Wirtschaftsstandort Dortmund.

Dirk Dünnhaupt (l.), KHS-Vertriebsmanager für Nordrhein-Westfalen, und Steffen Krauß, Leiter Technik Dortmunder Brauereien, freuen sich auf die neue Abfüllanlage, die im November an der Steigerstraße in Betrieb gehen soll.
Dirk Dünnhaupt (l.), KHS-Vertriebsmanager für Nordrhein-Westfalen, und Steffen Krauß, Leiter Technik Dortmunder Brauereien, freuen sich auf die neue Abfüllanlage, die im November an der Steigerstraße in Betrieb gehen soll. © Dortmunder Brauereien/Heinze © Dortmunder Brauereien/Heinze

„Als marktführendes Unternehmen in diesem Bereich spielt für uns bei der Entwicklung innovativer und wirtschaftlicher Produkte immer auch der Nachhaltigkeitsgedanke eine wichtige Rolle“, erläutert Dirk Dünnhaupt, KHS-Vertriebsmanager für Nordrhein-Westfalen.

„So haben wir für die Dortmunder Brauereien“, ergänzt er, „eine hochmoderne Anlage konzipiert, die etwa 50 Prozent Strom und 65 Prozent Wasser im Vergleich zu dem aktuell noch in Betrieb befindlichen Vorgängermodell sparen wird.“ Es geht also um eine Erhöhung der Wirtschaftlichkeit und eine umweltfreundliche Produktion. Die Kapazität der Dosenabfüllung wird nicht erweitert.

Kurze Wege zur KHS in Wambel erleichtern die Projektplanung

Zum Vergleich: Mit den genannten Einsparungen könnten etwa 215 Vier-Personen-Haushalte ihren kompletten Strombedarf für ein Jahr decken, beim Wasserverbrauch sind es immerhin noch 20 Haushalte dieser Größenordnung.

Neben den hohen technologischen Standards und Wirtschaftlichkeit der neuen Abfüllanlage sowie ihrem sparsamen Einsatz wertvoller Ressourcen waren auch die lokale Nähe und die kurzen Wege zwischen den Dortmunder Brauereien und der KHS ausschlaggebend für die Auftragsvergabe.

Die Planungen für die Umbaumaßnahmen an der Steigerstraße laufen bereits auf Hochtouren. Schon im Sommer soll die tonnenschwere Anlage in Einzelteilen angeliefert, eingebracht sowie vor Ort zusammengebaut werden, um sie dann im laufenden Betrieb in den Produktionsprozess einzubinden.

Es werden 80.000 Dosen pro Stunde abgefüllt

Das bedeutet, so Uwe Hellmich, eine enorme Herausforderung für die Teams von Dortmunder Brauereien und KHS, die nach derzeitiger Planung bis November gestemmt sein soll.

Ziel ist es, dass bis zum Jahresende bis zu 80.000 Dosen pro Stunde über die neue Abfüllung laufen. Steffen Krauß als Leiter der Betriebstechnik bei den Dortmunder Brauereien sagt: „Anlagen dieser Größenordnung bedeuten immer eine Investition im hohen einstelligen Millionenbereich. Dass wir diese in der Corona-Krise stemmen, ist ein deutliches Signal für die Zukunftsfähigkeit unseres Standortes.“

Und Uwe Helmich ergänzt: „Diese Investition unterstreicht unsere wichtige Funktion als Drehscheibe für das Dosengeschäft unserer Unternehmensgruppe im In- und Ausland – und das macht uns auch ein bisschen stolz.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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Peter Wulle

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