Schnelles Internet für Dortmund bremst bald Verkehr in der Stadt aus

mlzBreitbandausbau

Geredet wird schon lange über den Breitbandausbau in Dortmund, vor allem für Schulen und Gewerbegebiete. Jetzt gibt es einen neuen Zeitplan. Der hat auch Auswirkungen auf den Straßenverkehr.

Dortmund

, 05.05.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dortmund will digital sein. Die Stadt sieht sich gerne als starken Standort für High Tech, Wissenschaft und Zukunftsindustrie. Je länger sich jedoch der seit 2017 geplante Breitbandausbau hinzieht, umso mehr bringt Dortmund dies im weltweiten Standortwettbewerb ins Hintertreffen.

Im Wirtschaftsausschuss erklärte Dortmunds Wirtschaftsförderer Thomas Westphal jetzt, warum die Glasfaser-Offensive so schwierig ist. Und, warum er es dabei gar nicht so eilig hat.

Die Aufgabe liegt klar auf dem Tisch: 600 Kilometer Breitbandkabel sollen in Dortmund verlegt werden. 90 Prozent bezahlt der Bund, 10 Prozent die Stadt. Angeschlossen werden sollen an die schnelle, neue Datenautobahn 3200 Gebäude in der ganzen Stadt. Dazu gehören Schulen und Unternehmen, aber auch ganze Gewerbegebiete, das Technologiezentrum sowie neue Wohnquartiere wie Hohenbuschei oder die Brechtener Heide.

Westphal: Die erste Großstadt, „die das hinkriegt“

„Wir sind seit Juli 2019 mit Anbietern in Vertragsverhandlungen. Die sind kompliziert, aber wir sind auf einem guten Weg und können eventuell im Juni ein Vertragswerk anzeigen“, sagte Wirtschaftsförderer Thomas Westphal jetzt den Mitgliedern des Wirtschaftsausschusses.

Dass es sich so zäh gestaltet, bis mit den Bundesmitteln die vielen „weißen Flecken“ im Glasfasernetz reduziert werden können, ärgert den Wirtschaftsförderer bisher nicht. „Ich habe von Anfang an gesagt: Ich will es gut statt schnell“, sagte er und verwies darauf, dass Dortmund bundesweit immer noch die erste Großstadt wäre, „die das hinkriegt“.

Für den Anschluss von Breitband-Internetverbindungen werden in Dortmund insgesamt 600 Kilometer Kabel, wie auf diesem Foto zu sehen, unter der Erde verlegt. Das heißt, es wird viele neue Baustellen in der Stadt geben.

Für den Anschluss von Breitband-Internetverbindungen werden in Dortmund insgesamt 600 Kilometer Kabel, wie auf diesem Foto zu sehen, unter der Erde verlegt. Das heißt, es wird viele neue Baustellen in der Stadt geben. © picture alliance/dpa

Westphals Fahrplan sieht nun vor, dass im August/September mit der Bauplanung begonnen werden kann. 2021 könnte dann der Start für den Bau des Glasfasernetzes folgen. „Das bedeutet: 600 Kilometer Tiefbau in der Stadt“, so Westphal. An der Stelle gaben ihm die Politiker im Wirtschaftsausschuss gleich mit auf den Weg, für ein gutes Baustellenmanagement zu sorgen. Ein Baustellenchaos wie auf der Saarlandstraße dürfe sich nicht wiederholen.

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Genau dazu hatte sich Thomas Westphal als Bürgermeisterkandidat der SPD bereits vor wenigen Tagen während einer Podiumsdiskussion der Industrie- und Handelskammer geäußert. Zu einer Stadt, die wachsen und sich entwickeln wolle, gehörten auch Baustellen: „Aber das Management müssen wir verbessern.“

Zugesagt wurde den Politikern im Wirtschaftsausschuss auf Nachfrage auch, dass Straßen, die gerade erst für neue Versorgungsleitungen aufgerissen wurden, für die Glasfaserkabel nicht wieder aufgerissen werden. „Dafür sind Leerrohre schon mit verlegt worden und werden weiter mit verlegt. Das ist abgestimmt, diese Leerrohre kann der Dienstleister dann nutzen“, sagte Thomas Westphal.

Ohne Breitbandanschluss „wäre unsere Arbeit nicht möglich“

Ausreichend sind die 600 Kilometer Breitband für Dortmund noch längst nicht. Bis die Datenübertragungsrate flächendeckend nicht mehr in Mbit/s vonstatten geht, sondern das Gigabit-Internet da ist, wird es noch Jahre dauern. Dokom21-Geschäftsführer Jörg Figura hat sich dazu im vergangenen Jahr so geäußert: „Glasfaser für alle ist allenfalls ein langfristiges Ziel.“

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Viele Firmen kämen ohne einen schnellen Internet-Anschluss für große Datenmengen schon lange gar nicht mehr aus. Der IT-Dienstleister Quinscape an der Wittekindstraße zum Beispiel verfügt seit 2013 über einen Breitbandanschluss.

„Anders wäre unsere Arbeit auch nicht möglich. Die Realität für viele andere Firmen sieht anders aus: Schon heute ist das deutsche Web zu langsam für die Weltspitze. Auch im europäischen Wettbewerb von modernen IT-Dienstleistern ist eine wettbewerbsfähige Infrastruktur in Deutschland geboten“, sagt Dr. Thomas Biskup, einer der drei Geschäftsführer der Quinscape GmbH.

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