Kleinwüchsiger an Blut erstickt - Bruder äußert sich am Gericht emotional

mlzProzessauftakt

Ibrahim D. wurde nur 41 Jahre alt. Der Mann starb im Mai auf der Adlerstraße. Er wurde so brutal verprügelt, dass er an seinem eigenen Blut erstickte. Jetzt beschäftigt der Fall das Gericht.

Dortmund

, 05.11.2020, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf der Anklagebank sitzt ein 39 Jahre alter Bekannter von Ibrahim D. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Körperverletzung mit Todesfolge vor. In der Nacht auf den 16. Mai soll er D. vor dessen Haustür aufgelauert und ihn dann sofort mit Schlägen und Tritten attackiert haben.

Das Opfer war kleinwüchsig

Besonders tragisch macht den Fall dieser Umstand: Ibrahim D. war nur 1,40 Meter groß. „Der Angeklagte war dem Opfer körperlich weit überlegen“, heißt es in der Anklageschrift. Dennoch habe der 39-Jährige immer weiter auf den Kleinwüchsigen eingetreten. Auch, als dieser schon am Boden lag.

Durch die Schläge und Tritte erlitt Ibrahim D. zahlreiche Prellungen und Blutergüsse im Gesicht und auch Nasenbluten. Er atmete das Blut bis in die Lunge ein und erstickte dann qualvoll.

Sein Bruder suchte online nach Zeugen

Serhat D., der jüngere Bruder von Ibrahim, hatte nach der Bluttat in sozialen Medien Zeugenaufrufe gestartet und den Angeklagten so dazu gebracht, sich von selbst bei der Polizei zu melden. Am Donnerstag erschien er als Nebenkläger zum Prozess vor dem Schwurgericht.

Der Angeklagte soll sich bei der Polizei zu den Vorwürfen geäußert und dabei Schläge und Tritte auf Ibrahim D. zugegeben haben. Angeblich hatte es vorher einen Streit gegeben, weshalb er den kleinwüchsigen Mann zur Rede stellen wollte.

Gab es einen Streit vor der Bluttat?

Vor Gericht will der 39-Jährige jedoch vorerst nichts sagen. Nicht zu der Tat. Nicht zu seinem Verhältnis zu Ibrahim D. Und auch nicht zu den möglichen Hintergründen oder einer Vorgeschichte.

„Es kann sein, dass sich das im Laufe des Verfahrens noch ändert“, erklärte sein Verteidiger Stefan Bieschke. Vorerst sollten sich die Richter aber besser auf die Ladung von Zeugen konzentrieren und nicht damit rechnen, dass der Angeklagte aktiv an der Aufklärung des Falles mitwirke.

Angeklagter schweigt, Anwalt spricht von Totschlag

Als der 39-Jährige wenig später von zwei Wachtmeistern wieder aus dem Saal geführt wurde, schaute Serhat D. ihm lange nach. Was er dabei gedacht hat, soll an dieser Stelle besser nicht aufgeschrieben werden. Nur so viel sagte er: „Es ist so gemein und unfair. Mein Bruder hatte niemandem etwas getan.“

D. hat in der Nacht vor Prozessbeginn wenig geschlafen und immer wieder darüber nachgedacht, wie es jemand fertigbringt, einen körperlich so weit unterlegenen Kontrahenten dermaßen brutal zu verprügeln.

Sein Anwalt Hans Reinhardt glaubt deshalb auch nicht, dass Körperverletzung mit Todesfolge der richtige Anklagevorwurf ist. Ein Totschlag wäre sicherlich angemessener, sagte Reinhard am Rande des Prozesses.

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