Buch erinnert an Zeche Wiendahlsbank und die Bergleute aus Kruckel

mlzBergbau-Geschichte

Der Bergbau hat auch den Dortmunder Süden geprägt. Der Bergbau-Historiker Tilo Cramm hat jetzt ein neues Buch über die Zeche Wiendahlsbank in Kruckel vorgestellt.

Hombruch, Kruckel

, 10.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein paar steinerne Erinnerungen gibt es noch – etwa das zum Wohnhaus umgebaute ehemalige Verwaltungsgebäude an der Kruckeler Straße, über dessen Torbogen noch der Schriftzug „Wiendahlsbank“ prangt. Ansonsten erinnert nicht mehr viel an die Kruckeler Zeche Wiendahlsbank, auf deren Gelände heute ein Gewerbegebiet liegt.

Jetzt gibt es aber auch eine umfangreiche schriftliche Erinnerung an das frühere Bergwerk an der Stadtgrenze von Dortmund und Witten. „Die Zeche Wiendahlsbank in Dortmund-Kruckel und ihre Menschen“, heißt das neueste Buch, das jetzt in der Schriftenreihe des Fördervereins Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier erschienen ist.

„Pionier“ der Bergbaugeschichte

Verfasst hat es Tilo Cramm, der seit Jahrzehnten die Bergbau-Geschichte der Region erforscht und in zahlreichen Veröffentlichungen dokumentiert hat. Er sei „einer der Pioniere der bergbauhistorischen Forschung“, lobte Dr. Volker Schacke vom Vorstand des Fördervereins Bergbauhistorischer Stätten bei der Vorstellung des neuen Buches den inzwischen 90-jährigen Autor. Viele seiner Werke seinen inzwischen Standardliteratur.

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Zuletzt beschäftigte sich Tilo Cramm vor allem mit der Montangeschichte seines Heimat-Stadtbezirks Hombruch. Und der wurde in bedeutendem Maße vom Bergbau geprägt – an der Stadtgrenze zu Witten insbesondere durch die Zeche Wiendahlsbank. „Fast jedes Haus sowohl in Persebeck, Kruckel, Großholthausen und auch in Rüdinghausen wies Bergleute als Bewohner aus“, stellt Tilo Cramm in der Einleitung des Buches fest.

Die Zeche und ihre Menschen

Deshalb hat er großen Wert darauf gelegt, auf 134 reich bebilderten Seiten nicht nur die Chronologie des Bergwerksbetriebs zusammenzustellen, sondern auch die Menschen, die mit, von und für die Zeche gelebt haben, zu berücksichtigen. Dazu wertete Cramm mit bekannter Akribie Geschäftsberichte, Vorstandsprotokolle, Zeitungsartikel und Sammlungen zur Zeche Wiendahlsbank aus, zeichnet so auch ein Bild der sozialen Verhältnisse der damaligen Zeit.

Die Zeche Vereinigte Wiensdahlbank mit dem benachbarten Kraftwerk in Kruckel auf einer Aufnahme von 1925.

Die Zeche Vereinigte Wiensdahlbank mit dem benachbarten Kraftwerk in Kruckel auf einer Aufnahme von 1925. © Archiv Tilo Cramm

Eine besondere Rolle spielen neben den Arbeitern der Zeche die Familien der Unternehmer Wilhelm Dietrich Wiendahl, Carl Deilmann und Karl Friedrich Springorum, die mit der Zeche in Verbindung standen.

Deren Geschichte beginnt Mitte des 18. Jahrhunderts noch mit dem Stollenbergbau. Aus der Vereinigung verschiedener Grubenfelder entstand 1850 die Gewerkschaft Vereinigte Wiendahlsbank. Ursprünglicher Namensgeber war Wilhelm Friedrich Wiendahl, der unter anderem Kämmerer in Herdecke war. 1858 begann die Zeche Wiendahlsbank mit dem Tiefbau.

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Sie wuchs nach und nach. 1889 wurden erstmals mehr als 100.000 Tonnen Kohle gefördert, um 1893 wurden 517 Belegschaftsmitglieder gezählt. 1914 erreichte die Zeche Wiendahlsbank, inzwischen im Besitz der Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks- und Hütten-AG, mit einer Belegschaft von rund 1300 Mann ihre höchste Jahresförderung von knapp 340.000 Tonnen.

Das Ende kam 1924

Dann kamen der Erste Weltkrieg und die folgenden Krisenjahre. Am 15. August 1924 wurde die Zeche Wiendahlsbank stillgelegt – nicht zuletzt unter dem Eindruck von zwei Gruben-Unglücken, bei denen kurz zuvor zwölf Bergleute ums Leben kamen.

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Auch ihnen und allen anderen „Kumpeln“ der Zeche hat Tilo Cramm mit dem Buch nun gewissermaßen ein Denkmal gesetzt – und ein weiteres Stück Hombrucher Heimatgeschichte geliefert, wie Bezirksbürgermeister Hans Semmler bei der Buchvorstellung an der Mayerschen Buchhandlung in Hombruch lobend feststellte. Das Buch, gedruckt bei der Druckerei Grüne in Hombruch, ist für 20 Euro im Buchhandel erhältlich.

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