Bürger sorgen sich um kollabierende Straßen bei der Internationalen Gartenausstellung

mlzIGA 2027

Noch acht Jahre sind es bis zur Internationalen Gartenausstellung IGA 2027. Klingt lang, ist es aber für die Planung nicht. Und die Dortmunder haben auch bereits eigene Wünsche und Sorgen.

Dortmund

, 10.07.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Susanne Linnebach, Chefin im Amt für Stadterneuerung, gestattete sich eine Vision: Sie sah die Mooskamp-Bahn, die, aus Obernette kommend, auf ihrem Weg Richtung Rheinische Straße an der Feldherrenhalle auf dem früheren HSP-Gelände einen Stopp einlegt. „Es wäre schön, wenn das zur IGA fertig wäre“, sagte Linnebach am Montag (8. Juli) vor rund 80 Zuhörern in der früheren Waschkaue der Kokerei Hansa.

Es war die Auftakt-Veranstaltung für einen groß angelegten Bürger-Dialog, bei dem die Dortmunder aufgefordert sind, eigene Ideen in die IGA einzubringen. Im Mittelpunkt stand das Projekt „Emscher nordwärts“, das den Rang eines „Zukunftsprojekts“ genießt. Dabei geht es um eine rund fünf Kilometer lange Entwicklungsachse entlang der Emscher: vom früheren HSP-Gelände über die Kokerei Hansa und den Deusenberg bis zum Bahnhof Mooskamp in Obernette – und letztlich sogar weiter über Mengede bis nach Castrop-Rauxel.

"Die Emscherallee kollabiert jetzt schon"

Die für dieses Gebiet bislang geplanten Einzelprojekte wie die Radfahrer- und Fußgängerbrücke zwischen der Kokerei und dem Deusenberg oder etwa die Mooskamp-Bahn-Schienenverbindung spielten bei der Diskussion eine eher untergeordnete Rolle. Die Bürger gaben den versammelten IGA-Experten andere Wünsche mit auf den Weg.

Bürger sorgen sich um kollabierende Straßen bei der Internationalen Gartenausstellung

Große Pläne gibt es auch für die Kokerei Hansa: Sie soll zu einem Veranstaltungs- und Begegnungsort in Huckarde und Standort für Startups werden. © Gregor Beushausen

Barbara Joswig etwa hob auf das Thema Nachhaltigkeit ab. Sie regte an, die IGA stärker zu nutzen, um Großstädtern wieder „mehr gärtnerische Kompetenz“ zu verschaffen. Viele Menschen hätten ganz einfach verlernt, wie man Nahrungsmittel anbaut. Hans-Gerd Nottebohm, Geschäftsführer des Union-Gewerbehofs auf dem HSP-Gelände, hob auf das große Thema Strukturwandel ab. Der habe nicht nur Gewinner, sondern auch Verlierer hervorgebracht. Nottebohm sprach von „sozialen Diskrepanzen“. Auch das müsse bei den IGA-Projekten deutlich gemacht werden.

„Was ist in Sachen Verkehrsanbindung geplant?“, fragte Stefan Koslowski mit Blick auf die zu erwartenden Besucherströme. „Die Emscherallee kollabiert doch jetzt schon.“ Planungsdezernent Wilde räumte ein, die Situation sei „im Moment nicht befriedigend.“ Es werde aber Angebote geben, versicherte Wilde. Zum Beispiel einen Park & Ride-Service.

Bürger sorgen sich um kollabierende Straßen bei der Internationalen Gartenausstellung

Die Fläche nördlich der Kokerei Hansa mit Blick auf den Deusenberg. Eine Fußgänger- und Radfahrerbrücke soll Kokerei und Deusenberg miteinander verbinden. © Gregor Beushausen

Erich Kretzschmar vom Naturschutzbund (Nabu) lenkte den Blick auf besonders sensible Bereiche mit hohem Artenreichtum. Wie etwa den Emscherlauf am Deusenberg, wo Ornithologen im Winter bis zu 2000 verschiedene Wasservögel beobachten. Kretzschmar bat, diese Gebiete keinesfalls mit neuen Plänen zu versehen, sondern sie, wenn überhaupt, mit viel Fingerspitzengefühl in die IGA einzubetten. „Wir werden genau prüfen, welche Bereiche wir für Besucher öffnen und welche geschlossen bleiben“, entgegnete Jochen Sander, Geschäftsführer der Bundesgartenschaugesellschaft.

Kleingärtner bringen Artenvielfalt ins Spiel

Auf offene Ohren stieß Günter Mohr vom Stadtverband der Kleingärtner mit seiner Anregung, das Thema „Biodiversität“ (Artenvielfalt) zu beleuchten. Vor allem mit Blick auf das Insektensterben. „Es wäre schön, dafür zu sensibilisieren“. Prompte Reaktion von RVR-Umweltdezernentin Nina Frense, die Kleingärtner einbinden möchte: „Eine gute Idee.“

Dass die IGA-Standorte auch für Menschen mit Behinderungen völlig barrierefrei sein sollten, schlug Friedrich Wilhelm Herkelmann vor, Vorsitzender des Behindertenpolitischen Netzwerks. Eine Anregung, die noch einigen Abstimmungsbedarf auslösen wird, wie Planungsdezernent Wilde andeutete. Die IGA-Macher wollen bald weitere Ideen sammeln. Was machbar ist, soll in einen städtebaulichen Wettbewerb einfließen, der Ende 2019 vom RVR ausgelobt wird.

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