Bürgerinitiative kämpft um Erhalt einer Westerfilder Traditionsgaststätte

mlz„Im schönen Wiesengrund“

160 Westerfilder kämpfen für den Erhalt eines Nachbarschafts-Treffpunkts: Die Gaststätte „Im schönen Wiesengrund“ soll geschlossen werden. Doch eine Bürgerinitiative will sie retten.

Westerfilde

, 21.02.2019, 12:51 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im Saal herrscht dicke Luft – weniger im übertragenen, vielmehr im wörtlichen Sinne. Mehr als 100 Menschen drängen am Dienstagabend (19. Februar) in den Saal der Gaststätte „Im schönen Wiesengrund“. Sie sitzen an langen Tischreihen, stehen dicht gedrängt an der Tür. Weitere 50 Gäste bleiben bei dem Gedränge lieber gleich vorne in der Gaststube.

Sie alle vereint die Sorge, dass die Dortmund-Westerfilder Traditionsgaststätte schon bald geschlossen, der Biergarten bebaut werden und Wirt Marijan Ribicic sich eine neue Schankstätte suchen muss. Diese Solidarität führt an diesem Abend zur Gründung der Bürgerinitiative (BI) „Der Wiesengrund muss bleiben“. 160 Männer und Frauen quer durch alle Altersgruppen treten bei.

Politiker sind unter den Besuchern

Eingeladen hat Nachbar Dolf Mehring, der im Laufe des Abends auch zum Sprecher der Bürgerinitiative gewählt wird. Mehring hat schon in der Bürgerfragestunde der letzten Bezirksvertretungs-Sitzung von der Sorge der Westerfilder berichtet und eine Anfrage schriftlich formuliert. Wohl auch deswegen sind unter den Besuchern Ratsvertreter Erwin Bartsch (CDU) sowie die Bezirksvertreter Petra Batzdorff (ebenfalls CDU) und Jürgen Utecht (Grüne).

Lange Diskussionen gibt es nicht. Binnen einer knappen Stunde herrscht Einigkeit über die Ziele der BI und die ersten Aktionsschritte. Auch ein Vorstand ist gewählt. Aufbruchstimmung. Denn „die Zeit läuft uns davon “, betont Dolf Mehring. Am 31. Mai läuft der Pachtvertrag von Wirt Marijan Ribicic aus.

Biergarten soll mit Einfamilienhäusern bebaut werden

Die Immobilie steht schon seit einigen Wochen zum Verkauf im Portal „Immobilienscout24“. Im Exposé ist unter anderem auch vermerkt, dass der Käufer den Anbau der Gaststätte rückbauen müsse, weil knapp zwei Drittel des heutigen Grundstücks mit Einfamilienhäusern bebaut werden soll. Eine Bauvoranfrage sei bei der Stadtverwaltung bereits gestellt, schreibt Immobilienmaklerin Claudia Hunkemöller auch auf ihrer Internetseite.

160 Westerfilder gründeten eine Bürgerinitiative.

160 Westerfilder gründeten eine Bürgerinitiative. © Uwe von Schirp

Die Westerfilder, die sich für den Erhalt der Gaststätte einsetzen, wollen die Teilung des Grundstücks verhindern. Denn der Saal und der Biergarten prägen das besondere Angebot der Gastronomie. „Seit 13 Jahren veranstaltet Marijan Nachbarschafts- und Sommerfeste, bietet Räume für Familienfeiern an“, sagt Dolf Mehring unter dem Applaus der Anwesenden. Radfahrer und Spaziergänger im angrenzenden Rahmer Wald schätzen die Gaststätte als Ziel.

Bürger sorgen sich um die Substanz des alten Hauses

Marijan Ribicic habe das Haus und das komplette Grundstück selbst kaufen wollen und aufgrund des guten Umsatzes mit der Gaststätte bei seiner Bank für die Finanzierung grünes Licht bekommen. „Er hatte ein mündlich eingeräumtes Vorkaufsrecht. Davon will jetzt keiner mehr was wissen“, erklärt Mehring.

Die Bürger befürchten, dass sich durch eine Teilung die Gaststätte nicht mehr rechnet und sich für die Immobilie mit verkleinertem Grundstück kein Käufer findet. „Leerstand gefährdet aber das Haus in seiner Substanz, denn es ist nicht mehr in bestem Zustand“, sagt Mehring. Die Sanierungsbedürftigkeit räumt auch Maklerin Claudia Hunkemöller im Exposé ein.

Bürgerinitiative hat baurechtliche Bedenken

Die Westerfilder möchten vor allem aber die letzte Gaststätte des Stadtteils retten und sehen einen Zusammenhang mit der Quartiersentwicklung. „Wir wollen einen Nachbarschafts-Treffpunkt erhalten“, erklärt Sebastian Krüger, der stellvertretende Sprecher der BI. „Der Wiesengrund hat für den Stadtteil Bedeutung“, betont Dolf Mehring.

Darum sei ein Erhalt des Wiesengrunds auch im Sinne der Stadt. Durch die Nähe zum Rahmer Wald und zum Naturschutzgebiet sei eine mögliche Bebauung des Biergartens baurechtlich im Außenbereich und somit zumindest mitwirkungspflichtig, schreibt Mehring in seiner Anfrage an die Bezirksvertretung. Und weiter: „Wie beurteilt die Verwaltung diese Planung in Anbetracht der mittlerweile durchaus Früchte tragenden Anstrengungen, Westerfilde [...] im Rahmen der sozialen Stadt wieder aufzuwerten?“

Initiative sucht Gespräch mit den Eigentümern

Am Dienstagabend schlussfolgerte der BI-Vorsitzende daraus: „Wir sehen hier das Quartiersmanagement gefordert, uns zu unterstützen.“ Unterstützung, den „Status quo zu erhalten“, sagte auch Bezirksvertreter Jürgen Utecht zu. Er wies allerdings auf die begrenzten Möglichkeiten der örtlichen Politik hin, denn es handele sich ja zunächst einmal um Privateigentum.

Wirt Marijan Ribicic ist bei seinen Gästen beliebt.

Wirt Marijan Ribicic ist bei seinen Gästen beliebt. © Uwe von Schirp

Das ist auch der Bürgerinitiative klar. Deswegen soll der erste Schritt der BI ein Gespräch mit den Eigentümern sein. Das Ziel: eine Verlängerung des Pachtvertrages um ein Jahr, um Zeit zu gewinnen – damit auch Wirt Marijan Ribicic Pespektiven für seine Existenz hat.

Mitglieder spenden 300 Euro für die Initiative

Weitere Ziele sind es, einen Leerstand zu verhindern sowie Gaststätte und Biergarten als Ganzes zu erhalten. Die Bürgerinitiative will ernsthafte Verhandlungen mit den Eigentümern über den Verkauf an Marijan Ribicic vermitteln, Gespräche mit Stadt, Quartiersmanagement zum Erhalt des nachbarschaftlichen Treffpunkts suchen und die finanzielle Förderung für einen Erhalt des Gebäudes aus dem Jahr 1928 prüfen lassen.

Die BI will informieren und die Westerfilder mobilisieren. 300 Euro spendeten die Mitglieder dafür. Dolf Mehring weiß: „Es erfordert große Anstrengungen, und es ist viel zu tun.“

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