Spricht man ihn auf die versprochenen Corona-Hilfen an, verfinstert sich sein Blick sofort. Krischan Höltershinken von der Firma Hödicon ist sauer auf Wirtschaftsminister Peter Altmaier. © Schaper
Corona-Krise

Bummelei bei Corona-Hilfe: „Minister Altmaier ist der Verantwortliche“

Die langsame Auszahlung der Novemberhilfe hat den Dortmunder Firmenchef Krischan Höltershinken sehr verärgert. Er attackiert den Wirtschaftsminister - und will eins auf keinen Fall erleben.

Lange hat Krischan Höltershinken auf die versprochene Corona-Hilfe warten müssen. Die Novemberhilfe hat er schließlich am 20. Januar erhalten: nach einer Menge Arbeit, nach einem Brandbrief an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier – und vor allem zu spät.

Die Dezemberhilfe hat der Inhaber der Hödicon e.K., eines Service-Unternehmens für Lebensmittelsicherheit in der Produktion und in der Gastronomie, dann erst gar nicht mehr beantragt. „Das wäre wieder so ein Bürokratie-Ungetüm geworden und ich hätte wieder einen Steuerberater beauftragen müssen. Dabei stehen dem Finanzamt alle Daten und alle Umsätze auf den Cent genau und schnell abrufbar zur Verfügung“, sagt Krischan Höltershinken.

Spricht man ihn auf den komplizierten Antragsweg und die zögerliche Auszahlung an, verfinstert sich sofort seine Miene. Kein Wunder, steht er doch mit seinen zehn Beschäftigten mit dem Rücken zur Wand. Die Gastronomie, für die er hauptsächlich arbeitet, für die er zum Beispiel Fritteusen reinigt, das Frittieröl entsorgt oder keimfreie Oberflächen schafft, ist seit dem 1. November im Lockdown. Aufträge und Umsatz brachen sofort ein. „Da geht fast nichts mehr“, sagt er.

Luft im Lockdown durch neue Geschäftsfelder

Als Unternehmer hat er sich in dieser Situation nicht länger auf den Staat verlassen wollen. Lieber hat er selbst etwas unternommen. „Wir haben geguckt, wo andere Geschäftsfelder sind und machen jetzt auch die Bauendreinigung für hochwertige Appartement- oder Gewerbe-Gebäude. Dabei werden alle Oberflächen im Sinne von Green Cleaning ohne Chemie gereinigt“, sagt Krischan Höltershinken.

Indem er sich also dem Baugewerbe zugewendet hat, hat er für seine Firma etwas Luft im Lockdown gewonnen. Die Rettung ist das aber noch nicht. Deshalb arbeitet er sich weiter an Wirtschaftsminister Peter Altmaier ab, dem er in einer Mail über das Kontaktformular des Deutschen Bundestages die Schuld gibt an einem „Desaster, das Sie zu verantworten haben.“ Er kenne viele Unternehmer, sagt Krischan Höltershinken, die wegen der zu langsamen Corona-Hilfen an ihre privaten Lebensversicherungen gegangen seien.

Dass erst am 25.11. die Novemberhilfe überhaupt zu beantragen war und am 30.11., als eigentlich das Geld dringend benötigt wurde, gerade mal die Antragsberechtigung bestätigt wurde, regt ihn nach wie vor auf. In der freien Wirtschaft, meint er, würde man jemanden, der für so etwas verantwortlich ist, rausschmeißen.

Zur Not bis zum Bundesverfassungsgericht

Man spürt in diesen zornigen Worten die Sorge um die unternehmerische Existenz. Krischan Höltershinken will die Firma, die er aufgebaut hat, nicht verlieren. Dieser Wille ist gepaart mit Entschlossenheit.

Zum einen ist ihm an seiner Auseinandersetzung mit dem Wirtschaftsministerium wichtig, deutlich zu machen, dass es um Existenzen geht und es mit der Überbrückungshilfe III jetzt besser laufen muss. Bei der Überbrückungshilfe III werden fixe Betriebskosten wie Mieten oder Strom erstattet. Finanz- und Wirtschaftsministerium haben auch bereits angekündigt, dass das komplexe Antragssystem vereinfacht werden soll. Außerdem sollen auch Anträge auf Abschlagszahlungen bald möglich sein, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa).

Zum anderen wittert Krischan Höltershinken bei den Novemberhilfen noch Ungemach. „Im Schreiben zur Gewährung der von mir beantragten Unterstützung stehen andere Inhalte als in dem einstigen Text zur Beantragung. „Die einseitige Änderung eines geschlossenen Vertrages dürfte zumindest sittenwidrig sein. Wenn ich auch nur einen Cent wieder zurückzahlen soll“, sagt er, „ziehe ich bis nach Karlsruhe vor das Bundesverfassungsgericht.“

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Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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Peter Wulle

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