Butler der Stars: Das erstaunliche Leben des Werner Jankowsky

mlzHollywood-Größen und Royals

Der Dortmunder Werner Jankowsky (83) war der Butler der Stars, Duz-Freund der Royals und Angestellter eines Milliardärs. Von Bali aus blickt er zurück auf ein erstaunliches Leben.

Dortmund

, 26.04.2020, 14:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

Werner Jankowsky hat bisher ein Leben weitgehend abseits der Öffentlichkeit geführt. Dabei war der Großteil seiner 83 Lebensjahre von den Menschen bestimmt, die im grellen Scheinwerferlicht standen.

Der Dortmunder war eineinhalb Jahrzehnte „House-in-Butler“ und Koch im Hotel „Sutton Place“ in Toronto in Kanada, wo Filmstars, Politiker und Staatsgäste residierten. 1993 wurde er Butler des Eigentümers, des kanadischen Medien-Moguls Conrad Black, einer mächtigen, aber umstrittenen Figur.

Ein „buntes Leben“ zwischen Deutschland, Kanada und Bali

„Es war ein colorful life, ein buntes Leben“, sagt Jankowky. Die Rückkehr in Gespräche auf Deutsch fällt ihm nach vielen Jahren in Kanada schwer. In Ubud im Süden der indonesischen Insel Bali, seit fast zehn Jahren sein Alterssitz, ist fast Schlafenszeit, als er beginnt, über das zu erzählen, was sein Leben über viele Jahre ausgemacht hat.

Es sind viele Umwege, die aus dem Buchhalter, der 1937 geboren wird, mitten im Krieg 1942 nach Dortmund kommt und 1952 seine Lehre zum Großhandelskaufmann im Verlag Lensing beginnt, den Butler macht, dem die Reichen und Schönen blind vertrauen.

In Toronto wird der Deutsche zum persönlichen Butler für die Stars

Die Bekanntschaft mit dem deutschen Hotel-Manager Hans Gerhardt und dem Medien-Unternehmer Conrad Black führt Jankowsky Anfang der 1980er-Jahre über Hamburg nach Toronto.

Gerhardt baut dort das „Sutton Place Hotel“ zum Top-Hotel in der Millionen-Metropole aus - und Werner Jankowsky wird sein Chef-Butler.

Toronto gilt als „Hollywood im Norden“ - dieser Ruf wird damals begründet. Das „Sutton Place“, 2012 endgültig geschlossen, gehört zur Stadtgeschichte von Toronto, wie in mehreren englischsprachigen Magazin-Artikeln ausführlich beschrieben ist.

Die größten Stars der 1980er-Jahre kommen in das Hotel in Toronto

Schauspieler, Musiker, Politiker: Alle finden ihren Weg ins „Sutton Place“. Die Liste der Gäste reicht von Marlon Brando bis Sophia Loren, von Michael Jackson bis zu Liza Minellli, von Lady Diana bis zum König von Jordanien.

Stets mittendrin: ein großgewachsener Dortmunder Junge mit einer markanten Nase und einem ansteckenden Lachen. „Und mit einer großen Klappe“, wie er selbst sagt.

Frack und Tee-Tablett: Das war über viele Jahrzehnte das Arbeitsgerät von Werner Jankowsky.

Frack und Tee-Tablett: Das war über viele Jahrzehnte das Arbeitsgerät von Werner Jankowsky. © Archiv Werner Klaus Jankowski

„Ich habe keine Angst gehabt. Sonst hätte ich den Job nicht machen können. Die Stars haben mich akzeptiert, wie ich war und ich war immer da, wenn sie mich brauchten. Aber sie mussten mich auch respektieren“, sagt Jankowsky, den in dieser Zeit die meisten nur mit einem englisch gedehnten und verdrehten „Wöörner“ ansprechen.

Der Mann für die Wünsche der Stars

„Wöörner“ ist ein wichtiges Rad im Gefüge des „Sutton Place“, in dem Schauspieler oft über Wochen für Dreharbeiten wohnen. Er wohnt auf dem selben Flur wie die berühmten Gäste. Er ist der Mann, der die offensichtlichen und geheimen Wünsche der Suite-Bewohner erfüllen muss.

„Ich war ein Freund, viele haben mir vertraut“, sagt Werner Jankowsky. Er hört zu, wenn Hollywood-Stars ihren Liebeskummer loswerden müssen.

Werner Jankowsky mit der Schauspielerin Goldie Hawn.

Werner Jankowsky mit der Schauspielerin Goldie Hawn. © Archiv Werner Jankowsky

Er geht mit dem Sohn des jordanischen Königs zu McDonalds und bringt dem Regenten ein Softeis mit, auch, wenn der Butler findet, dass er „this kind of shit“ nicht essen sollte.

Liebeskummer, Ehekrach und Schweigen über pikante Details

Er wird Zeuge eines Ehekrachs zwischen Queen Elizabeth und Prinz Philipp und gerät selbst mit einem Mitglied der Beegees aneinander. Jankowsky steht auf Fotos neben den schönsten Frauen und Männern der Welt in dieser Zeit.

Auf die unvermeidliche Frage, ob denn auch unanständige Wünsche an ihn herangetragen worden seien, antwortet er so, wie ein guter Butler antworten muss: Er schweigt, auch aus Respekt vor den Anwälten der Stars.

„Es war stressful, aber auch funny“, sagt der 83-Jährige und macht sich gar nicht mehr die Mühe, den Sprach-Mischmasch zu sortieren.

Nach der goldenen Hotel-Ära wird er Butler des Milliardärs

Als die goldene Ära des „Sutton Place“ Anfang der 1990er-Jahre endet, beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Conrad Black, einer der einflussreichsten Medienunternehmer Nordamerikas in dieser Zeit, stellt ihn als Butler an.

Jankowsky erlebt auch mit Conrad Black turbulente Zeiten. Der Unternehmer wird 2007 zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt, weil er an der Unterschlagung von 84 Millionen Dollar aus dem Verkauf einer Zeitungsgruppe beteiligt war. In den vergangenen Jahren schrieb Black Schlagzeilen durch seine offene Unterstützung von US-Präsident Donald Trump.

Werner Klaus Jankowsky bleibt bis 2011 der treue Butler. Seit dem Ruhestand lebt er bei einer befreundeten Familie auf Bali. In der Gegend, „die mich immer am meisten entspannt hat“.

Vom Laufburschen bei den Ruhr Nachrichten zum Star-Butler

Mit Dortmund verbindet er heute Erinnerungen an großen Zusammenhalt in der Nachkriegszeit und seine ersten beruflichen Schritte als Laufbursche bei den Ruhr Nachrichten. Als junger Mann zog es ihn hinaus in die Welt, oft ohne klaren Plan und Mittel. Er ist für seinen Mut belohnt worden.

Auf Facebook teilt Jankowsky den Blick auf Sonnenuntergänge, Felder und Berge aus seinem Fenster. Und er teilt die vielen Erinnerungen an die „Sutton Place“-Zeit, darunter Weihnachtskarten von Prinzessin Diana, die bei der ersten Begegnung ausdrücklich darauf bestanden habe, nicht mit „Her Royal Highness“, sondern mit Diana angesprochen zu werden. „Es war immer ein Austausch von Respekt. Es ist schön, so viele Menschen auf diese Weise kennengelernt zu haben“, sagt Jankowsky.

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